Generaldirektor Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Hartmut Dorgerloh Quelle: rbb

50 x Kunst - Hartmut Dorgerloh über Caravaggios 'Ungläubigen Thomas'

In dem Buch "Das gefällt mir!" stellen mehr als 100 Prominente ihre liebsten Orte und Kunstwerke in Berlin und Brandenburg vor. Für den Generaldirektor der Preußischen Schlösser und Gärten, Hartmut Dorgerloh, ist dies ein Gemälde von Caravaggio.

Früh morgens im Park von Sanssouci. Verwunschen ist dieser Ort. Und hier in der Bildergalerie soll sich eines der berühmtesten Kunstwerke Brandenburgs befinden?

Der Generaldirektor empfängt uns. Sein Lieblingskunstwerk: ein Bild von Caravaggio.

Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
"Der Caravaggio ist in unserer Sammlung so etwas wie die Nofretete oder die Mona Lisa, also es ist wirklich das Highlight, und viele wissen gar nicht, dass das hier hängt. Und ich möchte gerne, dass dieses Wissen größer wird und dass mehr Menschen hier herkommen und sich dieses Bild vor Ort ein Mal anschauen. Denn man muss es wirklich selber gesehen haben, und wenn man dann davor steht, dann ergreift es einen."


"Der ungläubige Thomas" heißt dieses Bild von Caravaggio. Es ist eine Szene aus dem Johannis Evangelium: Nach Ostern erscheint Christus den Jüngern. Einer von ihnen kann die Auferstehung nicht fassen.

Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
"Thomas ist der Skeptiker, Thomas glaubt nicht, und Thomas muss es wirklich sehen und er muss es auch fühlen, und Christus hilft ihm dabei. Und führt eben wirklich die dreckige Hand des Thomas direkt in seine Wunde, damit der endlich begreift, dass er auferstanden ist, und er sagt ja dann auch: Mein Herr, mein Gott. Das ist also dann wirklich der Beleg für den ungläubigen Thomas, und so heißt das Bild ja auch."


Hartmut Dorgerloh fasziniert dieses Bild wegen seiner kunstvollen Malweise.

Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
"Es ist ein ganz hochdramatischer Realismus, der da einem vor Augen geführt wird, beleuchtet wie eine Theaterszene, ganz dramatisch auch das Licht, das ist ja typisch für Caravaggio. Der Heiland übrigens fast entblößt, die Jünger angezogen, also auch da ein Gegensatz in der Kleidung und in der Nacktheit. Der Betrachter ist ganz nah dran. Und so wie die die Köpfe zusammenstecken, so ist auch der Betrachter mit seinem Blick mit im Bild."

Vor über 400 Jahren gemalt - ein einzigartiges Kunstwerk. Und ein wunderbarer Grund, diesen Ort wieder einmal aufzusuchen: Die Bildergalerie von Sanssouci.


Autor: Grit Lederer