Gleich nebenan -
Die anstehende Zeitumstellung sorgt regelmäßig für Streit. Eine Zoohandlung im Prenzlauer Berg lässt das kalt: Sie stellt die Uhren nie um, weil das nicht gut für die Tiere sei. In unserer Reihe "Gleich nebenan" besuchen wir das "gallische Dorf" und seine Bewohner.
In der Nacht zum Sonntag werden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt, von 2:00 Uhr auf 3:00 Uhr. Renate Stahn, Inhaberin eines Zoofachgeschäfts im Prenzlauer Berg, macht dabei allerdings nicht mit. Die gebürtige Friedrichshainerin leistet sich diesen Kampf gegen die die Zeitumstellung. Dabei haben es Zoofachgeschäfte heutzutage meist sowieso schon schwer bei Kunden: Viele bestellen sich Fische fürs Aquarium inzwischen im Internet oder kaufen den Hamster im großen Baumarkt.
Verzweifeltes Gezwitscher wegen der Zeitumstellung wird es bei den fünf verbliebenen Kanarienvögeln und dem letzten Wellensittich im Zoofachgeschäft von Renate Stahn nicht geben. Die 67-Jährige stellt nämlich die Uhr einfach nicht um. Das hat sie vergangenes Jahr schon nicht gemacht, um Schlafstörungen zu vermeiden. Erfolgreich. Auch den Vögeln gehe es so besser, die waren durch die fehlende Stunde immer irritiert.
Die Kunden akzeptieren die andere Zeitzone im Laden. Renate Stahn öffnet Montag nach ihrer Zeitrechnung wie immer um 12, dabei ist es dann offiziell schon eins, also eine Stunde später. Und es funktioniert.
Ein wenig aus der Zeit gefallen und angestaubt scheint der ganze Laden zuerst. Aber: die Inhaberin, schon als Kind tierbegeistert und aufgewachsen in der Kastanienallee, ist wirklich kompetent.
Futter, Spielzeug, Hundeleinen verkauft Renate Stahn, und sie nimmt KleinTiere in Pension, wenn die Besitzer wie jetzt in den Oster-Urlaub fahren.
Post und Pakete der umliegenden Straßenzüge laufen im Zoofachgeschäft auf, Renate Stahn nimmt sie entgegen, obwohl sie kein Geld dafür bekommt. Ihr Laden ist am Montag ab 13:00 Uhr wieder geöffnet. Für Renate Stahn ist es dann aber erst 12:00 Uhr, weil sie die Uhr nicht umstellt.
Beitrag von Arndt Breitfeld









