
- Steckbrief Brandenburg/Havel

Der Plauer See und der Beetzsee sind die größten Seen im Stadtgebiet, die Havel schlängelt sich durch die Stadt, verzweigt sich in mehrere Seitenarme und Kanäle und sorgt dadurch an vielen Stellen für ein ganz besonderes Ambiente. Die Stadt war bis 1990 ein bedeutender Standort der Schwerindustrie. Das Stahl- und Walzwerk war der wichtigste und größte Arbeitgeber, weitere große Betriebe waren das Getriebewerk und die Werke der Reichsbahn in Kirchmöser.
Mit der Deindustrialisierung schnellte die Arbeitslosigkeit in die Höhe, viele Brandenburger kehrten deshalb ihrer Stadt den Rücken. So sank die Einwohnerzahl von 1988 bis 2012 – in knapp einem Vierteljahrhundert – um 24.000 Einwohner. Und ein Ende des Abwärtstrends ist immer noch nicht in Sicht; aktuelle Studien gehen davon aus, dass in rund zehn Jahren nur noch 60.000 Menschen in der Stadt leben werden.
Trotz dieser Negativentwicklung gibt es in der Stadt viele positive Signale, interessante Anlaufpunkte und überraschende Details:
- Mehrere weltweit tätige Unternehmen haben sich in Brandenburg angesiedelt: die Heidelberger Druckmaschinen AG, die ZF Friedrichshafen AG, der größte Zulieferer für die Automobilindustrie im Land Brandenburg, BES, die Brandenburger Elektrostahlwerke und die Voestalpine BWG Gesellschaft, die Weichen, Kreuzungen und Oberbaukonstruktionen entwickelt und produziert.

Die 1992 gegründete Fachhochschule hat sich auch überregional einen guten Ruf erarbeitet. Brandenburg an der Havel ist damit zum ersten Mal in der langen, wechselvollen Geschichte Hochschulstadt. Die Stadt ist Dienstsitz der Generalstaatsanwaltschaft des Landes Brandenburg, des Brandenburgischen Oberlandesgerichtes und des Brandenburgischen Arbeitsgerichtes. 2015 wird die Stadt eine der wichtigsten Ausrichtungsstätten der Bundesgartenschau in der Havelregion sein.

Die Regattastrecke Beetzsee bleibt auch zukünftig eine international anerkannte und bedeutsame Sportstätte für Kanu- und Ruderwettbewerbe. Im Juli 2014 findet dort die Kanu-Europameisterschaft statt. Die Brandenburger Straßenbahn, 1897 als Pferdebahn eröffnet, hat eine Streckenlänge von 18,9 Kilometer, ihr Erhalt ist bis mindestens 2020 gesichert. Die Brandenburger Symphoniker sind mit iein wichtiger Bestandteil des Kulturlebens in der Stadt. Zahlreiche bildende Künstler haben sich niedergelassen, sie laden Anfang Mai zum Tag des offenen Ateliers ein.

Mehrere Museen hat die Stadt zu bieten: das Archäologische Landesmuseum im Paulikloster, das Dommuseum im Domstift, das Industriemuseum mit dem letzten Stahlwerk Westeuropas, in dem bis 1993 Stahl im Siemens-Martin-Verfahren hergestellt wurde, das Straßenbahnmuseum. In den letzten Jahren hat sich eine kleine, aber durchaus sehenswerte Kulturszene entwickelt – mit dem Event-Theater und dem Klostersommer zum Beispiel Nicht zu vergessen: der Roland von Brandenburg. Die Sandsteinfigur von 1474 steht neben dem Portal des Altstädtischen Rathauses.
Einer der bekanntesten Einwohner der Stadt heißt Fritze Bollmann. Ende des 19.Jahrhunderts hatte er in der Altstadt ein eigenes Barbiergeschäft. Obwohl er als sehr fleißig und flink und geschickt galt, kam er finanziell auf keinen grünen Zweig, schuld daran war der Alkohol, einer seiner besten Freunde. Weil Johann Friedrich Andreas Bollmann – so sein vollständiger Name – häufig betrunken war, stürzte er bei einer seiner Angeltouren aus dem Kahn. Und weil er das auch noch seinen Kunden erzählte, dauerte es nicht mehr lange bis zum Spottlied über ihn, das noch heute gern gesungen wird.

Wenn man sich in der Stadt umhört, wer der berühmteste Brandenburger ist, hört man häufig einen ganz anderen Namen: Loriot. Vicco von Bülow erblickte 1923 im städtischen Krankenhaus von Brandenburg das Licht der Welt, zu diesem Zeitpunkt lag Fritze Bollmann schon mehr als 20 Jahre auf dem Altstädter Friedhof. Loriot verbrachte nur die ersten Jahre seiner Kindheit in Brandenburg, erst rund fünfzig Jahre später kehrte er in seine Geburtsstadt zurück.

1985 eröffnete er im Brandenburger Dom eine Loriot-Ausstellung. Nach der Wende wurde die Verbindung zu Brandenburg an der Havel dann intensiver und dauerhafter. 1993 wurde Vicco von Bülow zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Ebenfalls 1993 rief er in Brandenburg an der Havel eine Stiftung ins Leben, deren Zweck es ist, kulturelle und mildtätige Belange sowie die Jugendhilfe der Stadt zu fördern. Durch die Vicco von Bülow-Stiftung werden musische Projekte für Kinder, Jugendliche und Senioren gefördert sowie Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen für historisch bedeutsame Kunst- und Kulturgüter ermöglicht.
