Birgit und Max Stoll (Quelle: rbb)

- Birgit Stoll und Sohn Max

Als Birgit Stoll und ihr Partner Lars Dieckmann die Aufforderung bekommen, ihre Wohnung in Fredersdorf wegen eines Besitzerwechsels zu räumen, entscheiden sie sich recht schnell für einen Neubau, einen mit Barrierefreiheit, weil ihr jüngster Sohn Max seit seiner Geburt geistig und körperlich behindert ist.

Eine Ausschreibung der Gemeinde zur Förderung von Wohneigentum für bereits Ortsansässige führt dazu, dass sie sich ein Grundstück auswählen können. Das Paar sucht sich eine Firma und einen freien Architekten, lässt unter dem Aspekt Barrierefreiheit einen eingeschossigen Bau entwerfen und planen. Doch dann die Überraschung: Keine Baugenehmigung! Das Haus müsse sich an die Umgebung anpassen. Es müsse zweigeschossig sein. Gibt es denn keinen Ermessensspielraum, fragen sich die Eltern. Nein, der sei nicht vorhanden!

Birgit und Max Stoll (Quelle: rbb)

Also: Die gesamte Planung noch mal von vorne. Birgit Stoll erzählt von dieser Begebenheit, weil sie die Erfahrung gemacht hat, dass man Nerven wie Drahtseile benötigt, um sich im Dickicht der deutschen Regelungen und Gesetze zurecht zu finden. Auch vom ständigen Kampf um Fachärzte, Medikamente, Hilfsmittel, Therapien, Rollstühle und Patientenbetten kann sie ein Lied singen. Ihr derzeit größtes Problem: die Suche nach einem Arzt, denn die Kinderärztin darf Max seit seinem 18. Lebensjahr nur mit einer Sondergenehmigung behandeln, maximal, bis er 21 ist.

Birgit Stoll ist ausgebildete Sekretärin, hat aber wegen der Behinderung von Max ihren Beruf an den Nagel gehängt. Stattdessen führt sie als Selbständige ein Online-Portal und verkauft Herrenbekleidung unter www.mode-store-online.de

Büro und Lager befinden sich in ihrem Wohnhaus, alles für Herren (außer Hüte, Schuhe und  Taschen), mit Waren im gehobenen Preissegment hat sie sich über die Jahre eine Stammkundschaft zugelegt.

2003 hatten Birgit Stoll und ihr Mann die Nase voll von Deutschland, sie wollten "wegen Behindertenfeindlichkeit" in die Schweiz  auswandern, Lars Dieckmann hätte dort eine Arbeitstelle bekommen, doch der große Sohn meinte: "Es können doch nicht alle weggehen. Wir müssen die Dinge hier ändern". "Da ist mein alter Kampfgeist wieder erwacht", erinnert sich Birgit Stoll, heute ist sie froh, dass sie hier geblieben sind.