Schafherde an einem Teich bei Lütkewisch in der Prignitz (Quelle: imago)

- Wie lebt es sich in der Prignitz?

Vier selbstbewusste und optimistische Menschen stellen ihre Region vor,  die trotz hoher Arbeitslosigkeit und massiver Abwanderung junger, gut ausgebildeter Leute für sie lebenswert und einzigartig ist.
 

Der nordwestlichste Zipfel Brandenburgs liegt in der Prignitz. Die Reporter des "Berlin-Brandenburg Checks" testen in der Kulturlandschaft zwischen Elbe, Elde, Dosse und Havel auf unterhaltsame Weise die Lebensqualität. Wo gibt es neben den landschaftlichen Schönheiten auch Arbeitsmöglichkeiten und bleiben die jungen Leute hier? Die Stadt Wittenberge - eine der größten im Landkreis - leidet besonders unter Deindustrialisierung und Abwanderung. Aber dem Landkreis geht es besser als der Stadt.

Constanze Ulrich (44) ist nach diversen Jobs im Einzelhandel arbeitslos und will sich nicht mit Hartz IV abfinden. 2009 übernimmt die alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen den Blumenladen "Petit Fleur" in Lenzen. Als Quereinsteigerin erhält sie 2011 beim Wettbewerb "Brandenburger Unternehmerin" einen Preis. Eine Mitarbeiterin kann sie sich nicht leisten, krank werden darf sie nicht. Aber sie ist glücklich und will in Lenzen alt werden.

Seit 1999 leben Eva Müllen, eine gebürtige Schweizerin, und David Griffiths, gebürtiger Engländer, in der Prignitz, in Dannenwalde. Die beiden sind freiberufliche Künstler, die für wenig Geld als Clowns durchs Land ziehen. 2005 kauften sie eine alte Baracke in Dannenwalde, die sie mit Freunden umgebaut haben. Ihre beiden Kinder fahren jeden Tag zur Schule nach Kyritz. Manchmal haben Eva Müllen und David Griffiths Sehnsucht nach größeren Touren quer durch Europa, aber im Südosten der Prignitz zu leben, das ist kein "Opfer" für sie.

In Kuhbier war Carolin Gruschka (23) lange zu Hause. Nach ihrem Abitur begann sie zielstrebig eine Lehre bei Glatfelter in Falkenhagen, einem amerikanischen Konzern, der Spezialpapiere herstellt. Kurz vor dem Abschluss kommt ihre Tochter zur Welt. Nach ihrer Lehre fängt sie ein BWL-Fernstudium in Brandenburg an der Havel an und pendelt nun zwischen Falkenhagen und Pritzwalk, wo sie jetzt wohnt. Sie wollte nie weg aus der Prignitz - aber sie wollte auch alle Chancen nutzen, um sich beruflich weiterzuentwickeln.

Mareen Michael (33) unterrichtet in Groß Pankow Kinder einer dritten Klasse in Mathe, Deutsch und Englisch. Ein Jahr war sie in den USA als Aupair, danach zehn Jahre in Berlin. Jetzt macht sie berufsbegleitend eine Weiterbildung zur staatlich anerkannten Pädagogin. Sie ist zurück in ihrer Heimat. Einen möglichen Filmtitel über ihr Leben hat sie auch schon, "Umwege" solle die Film-Biografie heißen, sagt sie, denn Umwege hätten sie schließlich wieder nach Hause geführt.

(Erstausstrahlung: 28.08.13/rbb)