
-
Kann man in der Hauptstadt Berlin wohnen und trotzdem dort, wo sich Fuchs und Hase "Gute Nacht" sagen? Ja, man kann, so wie Bardo Henning und Birgit Wölke. Das Ehepaar wohnt an einem der nördlichsten Zipfel der Stadt, auf dem Künstlerhof Frohnau.

Bevor sie jedoch Ende der 90er Jahre nach Frohnau umziehen können, ins ehemalige Grenzgebiet zwischen Westberlin und der Gemeinde Hohen Neuendorf auf DDR-Territorium, müssen die Lazarettbauten aus den 20er Jahren und ein Neubau von 1970 mit Unterstützung des Bezirksamtes Reinickendorf saniert und umgebaut werden.

Bardo Henning und Birgit Wölke entscheiden sich, auf dem Gelände nicht nur zu arbeiten, sie wollen auch draußen wohnen. Da beide künstlerisch tätig sind – er ist Komponist und Musiker, sie leitet eine freie Theatergruppe – ist das große Atelier ein Segen für sie. Es bietet ausreichend Platz für seinen Konzertflügel und ihre kleine Theaterbühne.
Als sie noch in Schöneberg wohnten, war es kompliziert für ihn, auf dem Flügel oder dem Akkordeon zu spielen, ständig beschwerten sich die Nachbarn über den Ruhe störenden Lärm. Hier draußen kann er zu jeder Tages- und Nachtzeit üben – diesen Luxus findet er wunderbar. Allein deshalb hat sich der Umzug gelohnt.
Nur manchmal hat Bardo Henning das Gefühl, dass er zu weit außerhalb wohnt, und zwar immer dann, wenn er nachts von einem Konzert in der Innenstadt heimkehrt. Auch Lotte, die jugendliche Tochter, hat eine lange Anfahrt zur Schule: Um 07.00 Uhr fährt sie mit dem Bus ins Märkische Viertel, in die Bettina-von-Arnim-Schule, um pünktlich zur ersten Stunde um 08.00 Uhr da zu sein.
Ein weiterer Nachteil der geräumigen Wohnung am Stadtrand ist die schlechte Energiebilanz, die Fenster sind nicht gut isoliert und durch das alte Gemäuer kühlen die Räume leider ziemlich schnell aus. Alles Gute ist eben nie (oder nur ganz, ganz selten) beisammen.
