Pacale Hugues, Quelle: rbb

Gespräch mit Pascale Hugues - "Das ist schon ein kleines Wunder"

Die französische Autorin und Journalistin lebt seit über zwanzig Jahren in Berlin. Sie arbeitet als Auslandskorrespondentin für das französische Wochenmagazin "Le Point". Im Gespräch äußert sie sich über das deutsch-französische Verhältnis.

Die deutsch-französische Freundschaft war aber nicht nur beruflich für sie immer ein Thema, sondern auch privat. Die Französin ist im Elsass aufgewachsen, mit einer deutschen Großmutter.

Wenn sie an Deutschland denken, was kommt ihnen da in den Sinn?

Ich denke an Wirtschaftswunder, an Wirtschaftskraft. Dieses Land, das nach dem Zweiten Weltkrieg in Ruinen lag und sich mit einer irrsinnigen Kraft zusammenrafft und das wieder schafft. Aktuell in der Krise haben alle Länder zu strampeln. Auch Deutschland ein bisschen, aber es geht viel, viel besser als in anderen Ländern. Und da ist irgendein Gen, irgendetwas, das die Deutschen können, was wir nicht so können.

1963 schließen Franzosen und Deutschen mit dem Élysée-Vertrag hochoffiziell Freundschaft – wie war das möglich?

Das war der politische Wille und letztlich auch Realpolitik. Deutschland musste konsolidiert werden, Europa musste stabilisiert werden und das hat Gaulle ganz klar gesehen und hat Adenauer die Hand gereicht. Das ist schon ein kleines Wunder. Als Auslandskorrespondentin hat mich dieses Thema immer wahnsinnig gelangweilt, das ist wirklich DIE Sonntagsrede par excellence. Immer das Gleiche und immer gut gemeint, die deutsch-französische Freundschaft, man kann es nicht mehr hören. Aber wenn ich den Rhein überquere, von meiner Heimatstadt Kehl nach Straßburg und mir alle diese historischen Kämpfe zwischen beiden Ländern in den Sinn kommen, dieser Hass, dieser wahnsinnige Nationalismus, dann denke ich, es ist ein Wunder und es ist schön, dass wir diesen Jahrestag feiern. Auch wenn es ein bisschen steif und pompös ist. Aber es ist trotzdem eine riesige Errungenschaft, wenn man weiß, wo man war, 1945.

Adenauer-de Gaulle, Schmidt-Giscard d’Estaing, Merkel-Sarkozy – welche Rolle spielen die Politikerpaare für die deutsch-französische Freundschaft?

Ich glaube, dass die Paare sehr wichtig waren: Es gab immer auch Phasen, in denen die deutsch-französische Freundschaft kaum Rückhalt hatte in der Bevölkerung und dann braucht es einen politischen Willen. Aber jedes Mal, wenn es ein neues Paar gibt, gibt es Diskussionen.

Wie meinen Sie das?

Zum Beispiel Schröder, als der an die Macht kam, hat man in Frankreich gesagt: Oh nein, ein Norddeutscher, der hat keine Beziehung zu Frankreich. Das wird das Ende der deutsch-französischen Freundschaft sein. Ein paar Wochen später hatte er verstanden, seine erste Reise war nach Paris, alles war gut. Das gleiche war bei Angela Merkel. Oh Gott, eine Ostdeutsche, Protestantin, Pfarrerstochter, die nie im Urlaub war in Frankreich. Das war terra inkognita für sie. Und dann an der Seite von Sarkozy, was für ein unmögliches Paar. Aber es hat so gut funktioniert, dass es schon fast eine Symbiose war. Oder Kohl und Mitterand. Das ist auch unglaublich: Mitterand dieser Feingeist, Kohl, ein bisschen grob, aus der Provinz. Mitterand, der Ortolan gegessen hat, zarte Vögelchen, und Kohl Saumagen! Aber es hat funktioniert. Und es wird auch weiter funktionieren.

Die Fragen stellte Steffen Prell