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rbbonline | Berlinale


Essen ist ein Politikum. Das sagt Thomas Struck, Leiter der Sektion "Kulinarisches Kino" bei der Berlinale. Er bringt seit sieben Jahren Essen und Film zusammen - und engagiert dafür bekannte Sterneköche wie Michael Hoffmann und Kolja Kleeberg, die je ein Menü zu einem Film kredenzen. rbb online haben sie verraten, was in diesem Jahr auf die Teller kommt.
Ein Film - ein Drei-Gänge-Menü. Fünf Tage lang, von fünf verschiedenen Sterneköchen zusammengestellt. Das ist das Konzept des "Kulinarischen Kino", das in diesem Jahr bereits zum siebten Mal im Spiegelzelt-Restaurant "Gropius Mirror" gegenüber des Martin Gropius Baus stattfindet. Dazu gibt es moderierte Diskussionsrunden, Dokumentationen und Spielfilme rund ums Thema Essen.
Wie in den Vorjahren steht die Sektion unter einem Motto, 2013 ist es "Dig your food. Vom Garten auf die Gabel". In Zeiten von Guerilla Gardening, Bio-Food und der Diskussion um die Qualität von Schulessen wächst auch bei Großstädtern wieder die Lust, eigene gesunde Lebensmittel zu züchten. Diesen Trend nimmt das "Kulinarische Kino" in diesem Jahr auf: "Wir haben die urbanen Gärtner in den Prinzessinnengärten in Kreuzberg und viele Guerilla-Gärtner überall in der Stadt. Das Gärtnern ist insbesondere in Berlin derzeit ein großes Thema", sagt Kurator Thomas Struck.
Doch im "Kulinarischen Kino" geht es nicht nur um optimistische Gärtner-Utopien. Vor allem in den Spätvorstellungen werden Dokumentarfilme zu sehen sein, die sich mit den Schattenseiten der Food-Industrie beschäftigen. "Tiertransporte, der Anbau genmanipulierter Nahrungsmittel oder auch die Verschmutzung durch Massentierhaltung - mehr als die Hälfte aller Umweltprobleme kann man auf das Essen zurückführen. Diese Themen finden sich auch im Programm wieder", so Thomas Struck.
Dass die kulinarischen Filmabende beim Publikum gut ankommen, zeigt jedes Jahr aufs Neue der Ticketverkauf. Auch diesmal waren die Karten kurz nach Vorverkaufsstart ausverkauft - trotz des recht üppigen Preises von 85 Euro. Dafür gibt es neben der Filmvorführung an jedem Abend Talks und eben ein exklusives Menü, serviert vom Sternekoch.
Die Köche in diesem Jahr sind Nils Henkel, Michael Hoffmann, Kolja Kleeberg, Hendrik Otto und Tim Raue. Was ihre Gäste erwartet, haben sie uns vorab verraten:
Michael Hoffmann kocht zum Film "Being There" ("Willkommen Mr. Chance")
1. Um was geht es in dem Film?
Der Film handelt von einem Gärtner, der sein ganzes Leben lang an einem Ort verbracht und nichts anderes gemacht hat, außer zu gärtnern. Ein sehr schöner, tiefgründiger Film.
2. Welches Menü haben Sie zum Film zusammengestellt?
Als Vorspeise gibt es gegrillten, eingelegten Kürbis. Der Hauptgang ist ein Rotkohl-Chutney mit Wallnus, Granatapfel und Sellerie. Und als winterliches Dessert mache ich eine Interpretation des Crêpe Suzette.
3. Wie sind Sie auf die Zusammenstellung gekommen?
Da der Film im Übergang vom Winter zum Frühling spielt, habe ich ein Essen zusammengestellt, das die Jahreszeiten widerspiegeln soll. Deshalb servieren wir alles, was wir das Jahr über konserviert haben.
Nils Henkel kocht zum Film "L'amour des Moules" ("Mussels in Love")
1. Um was geht es in dem Film?
Wie der Titel schon sagt: Um die Liebe der Muscheln. Aber eigentlich geht es um die Zukunft der traditionellen niederländischen Muschelfischerei.
2. Welches Menü haben Sie zum Film zusammengestellt?
Ich serviere drei verliebte Muscheln als Amuse-bouche vorneweg, dann einen vegetarischen Gang mit Schwarzwurzel als Vorspeise – Gemüse und Kräuter sind neben Fisch und Meeresfrüchten sehr wichtige Bestandteile meiner Küche. Als Hauptgang gibt es einen mild geräucherten Seesaibling mit Zeeland Muscheln im Dillsud.
3. Wie sind Sie auf die Zusammenstellung gekommen?
Das Thema Muscheln lag auf der Hand. Bei der Zusammenstellung des Menüs habe ich natürlich auf die Jahreszeit und die Machbarkeit der Gerichte für ein so großes Publikum geachtet. Darüber hinaus ist es mir wichtig, dass die Gerichte, die ich serviere, Ausdruck meiner kulinarischen Handschrift sind.
Hendrik Otto kocht zum Film "Slow Food Story"
1. Um was geht es in dem Film?
Es wird das Leben einer Dorfgemeinschaft in Westafrika berichtet, in der Frauen Couscous herstellen und die Männer fischen gehen – und das alles nachhaltig. Im übertragenen Sinne erzählt der Film, wie die Menschen im Einklang mit der Natur leben können. Konkret zeigt er das soziale und finanzielle Engagement der Slow-Food-Bewegung: Kinder können eine Schule besuchen und der Mensch lernt für sich selbst zu sorgen, ohne die Umwelt zu belasten.
2. Welches Menü haben Sie zum Film zusammengestellt?
Als Vorspeise gibt es Blumenkohl in Curry mit getrockneten Trauben und Couscous. Der Hauptgang steht unter dem Motto „Kartoffel mal anders“, und zwar mit roter Bete, Spitzkohl, Sauerrahm und Kräutersalat. Zum Schluss reichen wir eingeweckte Pflaumen, Ziegenkäseschaum, gesalzener Schokoladencrunch und karamellisierten Fenchel als Dessert.
3. Wie sind Sie auf die Zusammenstellung gekommen?
Wesentlicher Einflussfaktor war die Herkunft der verwendeten Zutaten. Saisonalität, Regionalität und Nachhaltigkeit standen im Vordergrund. Einen konkreten Bezug zum Film schaffe ich durch die Verwendung von Couscous.
Kolja Kleeberg kocht zum Film "Red Obsession"
1. Um was geht es in dem Film?
Im Mittelpunkt stehen Bordeaux-Weine und deren Entwicklung vom Genussmittel zu einer Handelsware, die auf dem Weltmarkt immer höhere Preise erzielt. In China treiben die Weinkäufer die Preise in gigantische Höhen. Dadurch werden amerikanische und europäische Weintrinker immer weniger.
2. Welches Menü haben Sie zum Film zusammengestellt?
Wir starten mit Tofu in Wein, Petoncle-Muscheln und Chinakohl. Als Hauptgericht servieren wir chinesische Lo Bak Go mit Heilbutt, Cabernet-Choy Sum (Chinakohl) und brauner Butter. Und als Dessert können die Gäste eine Azukibohnen-Crème mit Rotwein-Chili-Eis und Korianderstreusel kosten.
3. Wie sind Sie auf die Zusammenstellung gekommen?
Das Menü nennen wir die "Rache in Rot". Wir haben versucht, Bordeaux und China kulinarisch zu verbinden. In der Vorspeise saugt jedoch erst mal das Tofu den Bordeaux in sich auf. Da wir auf Fleisch verzichten mussten, haben wir als erste kulinarische Botschaft des Bordeaux die Petoncle, also Kammmuscheln genommen. Wir hätten natürlich gerne den Hauptgang typisch mit Bordeaux und Lamm bestritten, werden nun aber die spannende Begegnung von Rotwein mit Heilbutt haben.
Tim Raue kocht zum Film "Jadoo"
1. Um was geht es in dem Film?
Es geht um zwei indische Brüder, deren Mutter vor ihrem Tod ihr legendäres Rezeptheft in zwei Teile zerschnitten hat: Der eine Sohn hat den Vorspeisenteil bekommen, der andere den Hauptgangteil. Die verfeindeten Brüder führen je ihr eigenes Restaurant - auf gegenüberliegenden Straßenseiten. Nun will die Tochter des einen heiraten und wünscht sich, das ihr Vater und ihr Onkel ihre Hochzeit bekochen – und sich endlich aussöhnen.
2. Welches Menü haben Sie zum Film zusammengestellt?
Ich habe ein Drei-Gänge-Menü zusammengestellt, das auf der indischen Küche beruht und rein vegetarisch ist.
3. Wie sind Sie auf die Zusammenstellung gekommen?
Das ist mein Job!
Thomas Blecha
© Rundfunk Berlin-Brandenburg