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rbbonline | Berlinale

Noch ist ihr Name nicht in aller Munde, doch das dürfte sich bald ändern: Saskia Rosendahl gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Nachwuchsschauspielerinnen, die European Film Promotion hat sie für die Berlinale zum deutschen Shooting Star 2013 gekürt. Die 19-Jährige überzeugte gleich mit ihrer ersten Hauptrolle in dem Film "Lore".
In dem NS-Drama spielt Saskia Rosendahl die 15-jährige Lore. Als älteste Tochter eines hohen SS-Beamten ist sie behütet aufgewachsen, strikt erzogen nach den Grundsätzen der Nazi-Ideologie. Doch nach dem Zusammenbruch des Regimes verschwindet ihr Vater und ihre Mutter wird im Schwarzwald verhaftet. Lore ist in den Nachkriegswirren auf sich allein gestellt und muss sich und ihre vier jüngeren Geschwistern auf dem Weg zu ihrer Großmutter nach Husum allein durchbringen.
Saskia Rosendahl vermittelt Emotionen ohne viel Worte
Saskia Rosendahl spielt dieses Täterkind mit einer unglaublichen Präsenz und Selbstverständlichkeit – und überzeugte damit die Shooting-Star-Jury: "Saskia ist sehr wandlungsfähig und in der Lage, eine große Bandbreite an Emotionen ohne viel Dialog auszudrücken", so die Juroren der European Film Promotion (EFP), die jedes Jahr den Titel vergibt. Im Vorjahr ging die Auszeichnung an Anna Maria Mühe. Zuvor waren Schauspieler wie David Kross, Hannah Herzsprung, Johanna Wokalek und Moritz Bleibtreu unter den Preisträgern.
Obwohl es ihre erste Titelrolle war, fühlte sich Saskia Rosendahl bei "Lore" nicht unter Druck. "Ganz im Gegenteil. Ich bin unbeschwert in den Film gegangen", sagte Rosendahl der Magdeburger Volksstimme. "Ich wusste zum Beispiel nicht, was es bedeutet, tagelang durch den Schlamm zu kriechen." Die australische Filmemacherin Cate Shortland hat ihren Film über die Kinder der Nazis stark auf ihre junge Hauptdarstellerin fokussiert. Hilfe findet Lore im Film für sich und ihre Geschwister ausgerechnet bei einem jüdischen Jungen. In dieser Situation geht es für sie nicht nur ums Überleben, sondern auch um ihr bisheriges Weltbild, das ins Wanken gerät. Saskia Rosendahl vermag ohne viele Worte zu vermitteln, wie das indoktrinierte Kind eines Nazis zwischen Desillusionierung und Phasen verzweifelten Unglaubens schwankt.
Trotz Filmerfolg machte das Nachwuchstalent erst einmal Abitur
Die deutsch-australische Produktion gewann beim Filmfestival von Locarno 2012 den Publikumspreis und hatte sogar bereits die Chance auf eine Oscar-Nominierung: Australien hatte den Film für die Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" eingereicht. Trotz des Erfolgs gleich in der ersten Hauptrolle hat Rosendahl 2012 erst einmal ihr Abitur gemacht. Was ihre Karriere betrifft, ist sie überzeugt, einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Als Kind tanzte sie im Opernhaus ihrer Heimatstadt Halle im Kinderballett, spielte im dortigen Improvisationstheater und bewarb sich dann auf gut Glück bei einer Schauspieleragentur. Ihr Kinodebüt hatte sie 2011 in Wolfgang Dinslages Film "Für Elise".
Nach "Lore" hat das junge Talent bereits bei zwei weiteren Kinofilmen mitgewirkt, unter anderem in einer Hauptrolle für den Kinofilm "Zum Geburtstag" von Denis Dercourt. Die frisch entdeckte Jungschaupielerin hat also beste Chancen in Zukunft durchzustarten, hat aber auch Alternativen in petto: Gefragt nach ihrem neuesten Filmprojekt "Wir sind jung, wir sind stark", erklärte sie im Interview mit der "Magdeburger Volksstimme": "Hätte ich die Rolle nicht bekommen, wäre ich zu einem Freiwilligendienst nach Peru geflogen, weil ich Spanisch sehr mag und die Sprache weiter lernen möchte." Peru verlege sie nun erst einmal auf einen späteren Zeitpunkt.
Ute Zauft (mit Agenturmaterial)
© Rundfunk Berlin-Brandenburg