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rbbonline | Berlinale


Schon lange blickt die Berlinale über den Tellerrand des Etablierten hinaus. Neben europäischem Kunstkino und Hollywood-Filmen befasst sie auch mit dem Weltkino. Sie schaut dabei sowohl auf Länder mit lebendigen Filmszenen, die nur bei uns weitgehend unbekannt sind, als auch auf Länder, in denen das Filmemachen schwierig, kaum finanzierbar, wenn nicht gar verboten ist. Von 2013 an erweitern die Filmfestspiele abermals ihr Spektrum. Erstmals widmen sie sich Filmen indigener Völker: "NATIVe - A Journey into Indigenous Cinema" heißt eine Sonderreihe, die von nun an fester Bestandteil der Berlinale werden soll.
Projekt entstand unter dem Eindruck einer Reise
Unter indigenen Völkern versteht man Bevölkerungsgruppen und Kulturkreise, die von anderen an den Rand gedrängt wurden - durch Eroberung, Kolonisation oder Gründung neuer Staaten - und sich bis heute als eigenständiges Volk verstehen. Beispiele sind die Maori in Neuseeland oder die Aboriginees in Australien.
In ihrem ersten Jahr widmet sich die Sonderreihe indigenen Völkern aus Ozeanien, Australien, Nordamerika und der Arktis - aus ganz pragmatischen Gründen: Die Kuratorin der Reihe, Maryanne Redpath, die auch die Sektion Generation leitet, fährt seit Jahren im Auftrag der Berlinale nach Australien und Neuseeland, um Filme zu sichten. "Im Laufe der Jahre sind so sehr gute Kontakte zur Aboriginal-Filmindustrie und der Maori-Filmindustrie entstanden", sagt sie. Vor fünf Jahren sei sie mit Festivalleiter Dieter Kosslick auf einem jährlichen Treffen indigener Filmschaffender in Sydney gewesen. "Unter dem Eindruck der gemeinsamen Reise haben wir dann beschlossen, dieses Projekt auf den Weg zu bringen."
24 Filme aus Ozeanien, Australien, Nordamerika und der Arktis
12 Langfilme und 12 Kurzfilme gehören zum Programm von "NATIVe". Darunter sind Spielfilme und Dokumentationen. Der älteste Film ist die kanadische Kurzdoku "Circle of the Sun", in dem zum ersten Mal die traditionelle Sonnenzeremonie des Kainai-Stammes festgehalten wird. Die neuesten Beiträge entstanden 2011.
Als Auftaktfilm wird am 8. Februar im Haus der Berliner Festspiele "Atanarjuat The Fast Runner" aus dem Jahr 2001 gezeigt. In dem preisgekrönten Film des Inuit-Regisseurs Zacharias Kunuk geht es um die Legende des Atanarjuat, der nackt mit einem Sprint über das ewige Eis seinem Rivalen entkommt.
Statt bei der Auswahl auf eine allzu strenge Definitionen von "indigenen Filmen" zu setzen, setzt Redpath auf eine weite Auslegung: "Manche Filme sind mehr auf der indigenen Seite anzusiedeln und manche weniger. Es ist ein dynamischer Austauschprozess, der auf allen Ebenen stattfindet. Ein entscheidender Punkt ist sicher, dass fast alle Filme der Sonderreihe von indigenen Filmkünstlern gedreht wurden."
Fabian Wallmeier (mit Material von berlinale.de)
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/berlinale/rbbonline/berlinale/beitraege/2013/sonderreihe_native.html