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rbbonline | Berlinale


Am Freitagabend wurde zum 27. Mal der schwul-lesbische Filmpreis der Berlinale verliehen. Eine neunköpfige Jury wählte die Gewinner aus knapp vierzig Filmen mit queeren Themen aus allen Sektionen des Festivals.
Den Teddy für den besten Spielfilm hat in diesem Jahr "W imię..." ("In the Name of...") gewonnen. Die Geschichte über einen schwulen katholischen Priester in Polen lief im Wettbewerb der Berlinale und hat schon da die Kritiker begeistert. Der Film der polnischen Regisseurin Małgośka Szumowska ist somit nicht nur großer Anwärter auf den Goldenen Bären, der am Samstagabend verliehen wird, sondern bereits jetzt schon ausgezeichnet mit dem queeren Filmpreis.
In der Begründung der Jury hieß es: "Małgośka Szumowska Film beweist, wie man mit beeindruckend starken Bildern und einer zutiefst bewegenden, persönlichen Geschichte dem Vorurteil begegnen kann, dass Homosexualität und Religion unvereinbar wären."
Schon im Vorfeld wurde der Film heiß diskutiert. Für Wieland Speck, einer der Mitbegründer des Teddy Award, war er ein queeres Highlight im Programm der diesjährigen Berlinale: "Die Regisseurin konterkariert mit ihrem Film die öffentliche Diskussion um die Kirche in ihrem Land und macht gleichzeitig ein Fass auf, das die Polen lieber geschlossen lassen würden", sagte Wieland Speck vorab im Interview.
Überreicht wurde der Preis bei der Verleihung von Kult-Regisseur John Cameron Mitchell ("Shortbus").
Doku über transsexuelle Frau
Den Teddy für den besten Dokumentarfilm erhielt ein queerer Filmstoff: Die 60-minütige Doku "Bambi" des französischen Regisseurs Sébastien Lifshitz. Der Film zeigt die Lebensgeschichte von Jean-Pierre Pruvot, der als Junge 1935 in einem algerischen Dorf geboren wird, sich aber früh innerlich als Frau fühlt. In den 50er Jahren geht er nach Paris, um dort auf den Music-Hall-Bühnen unter dem Künstlernamen "Bambi" das ersehnte Leben als transsexuelle Frau zu führen.
Auch eine Transgender-Geschichte überzeugte die Jury in der Kategorie Bester Kurzfilm. Hier gewann "Ta av mig" ("Undress me") von Victor Lindgren aus Schweden. In dem 15-minütigen Film geht es um einen Liebesnacht zwischen einem Mann und einer Frau, die erst seit drei Jahren eine Frau ist.
Den Spezialpreis der Jury ergatterte die lesbische Liebes- und Familiengeschichte "Concussion" aus den USA. Zur Begründung hieß es: "Dem Film gelingt es einerseits die Werte einer modernen Regenbogenfamilie hochzuhalten und anderseits deren Mitglieder von konventionellen Erwartungen zu befreien."
Ein "Teddy"-Preis stand schon vor der Verleihungsgala fest: Das südafrikanische Projekt "Steps for the Future" bekam einen Sonderpreis zugesprochen. Das Filmprojekt setzt sich gegen die Diskriminierung von Menschen mit dem Aids-Virus ein. Stellvertretend für das Projekt nahmen die beiden Gründungsmitglieder Elaine Maane und Don Edkins aus Südafrika die Auszeichnung entgegen.
Die Teddy-Verleihung selbst stand auch in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit. Neben ihm erschienen wieder viele Politiker und Prominente bei der Gala in der Station Berlin.
"Celebrate Queer Icons"
Für Wieland Speck, Leiter der Sektion Panorama und "Teddy"-Mitbegründer hat die Preisverleihung nach wie vor einen politischen Aspekt. Der "Teddy" biete queeren Filmen eine Plattform, die in den Heimatländern vieler Filmemacher keine Tradition hätten: "Wenn wir einen Kurzfilm aus Kambodscha zeigen können, in dem man einem lesbischen Paar begegnet, ist das immer noch etwas Besonderes", so Speck.
Das Schwerpunktthema des diesjährigen "Teddy Award" hieß "Celebrate Queer Icons!". Gefeiert wurden dem Motto entsprechend Ikonen von Valeska Gert über Barbara Stanwyck bis hin zu Marcel Proust und Virginia Woolf. Highlight des Showprogramms war der Auftritt von Popstar Rufus Wainwright.
"Teddy" seit 1992 offizieller Berlinale-Preis
Die Teddy Awards werden seit 1987 vergeben, inspiriert von Wieland Speck und Manfred Salzgeber. Drei Jahre später richteten die Organisatoren erstmals eine festliche Gala zur Verleihung aus. 1992 schließlich wurde der Teddy in die offizielle Liste der Berlinale-Preise aufgenommen.
Erster Preisträger war kein Geringerer als Pedro Almodóvar für seinen Film "Das Gesetz der Begierde". Später folgte eine Vielzahl mittlerweile weltberühmter Regisseure, Schauspieler und Aktivisten, darunter Gus van Sant ("My Private Idaho"), Oscarpreisträgerin Tilda Swinton und Visconti-Schauspieler Helmut Berger.
Das rbb Fernsehen zeigt Höhepunkte der Teddy-Verleihung am Montag, den 18. Februar 2013 ab 1 Uhr.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg