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rbbonline | Festival-Fakten


Seit Langem schon ist die Berlinale ein Großevent, das sich in alle Himmelsrichtungen durch die ganze große Stadt zieht. Dennoch hat das Festival ein klar erkennbares Zentrum, mitten in Berlin, am Potsdamer Platz – dem einzigen Ort in der Stadt, der zumindest entfernt an die Häuserschluchten amerikanischer Metropolen erinnert.
Doch nicht immer fand die Berlinale in so zentraler Lage statt. Ihren Anfang nahm sie 1951 ein wenig weiter außerhalb: im Titania-Palast in Steglitz, einem traditionsreichen Kino, das damals zu den bedeutendsten der Stadt zählte.
Gleich der erste Film der Berlinale wurde ihrem Anspruch gerecht, ein hochkarätiges internationales Filmangebot zu zeigen: Alfred Hitchcocks US-Debüt, der Thriller "Rebecca", eröffnete die erste Berlinale – außer Konkurrenz, wie bis heute viele Eröffnungsfilme. Taufrisch war Hitchcocks Film damals allerdings nicht mehr: Schon 1940 war er in den amerikanischen Kinos gelaufen. Die Vorführung auf der Berlinale war aber immerhin die Deutschlandpremiere des Films.
Die "freie Welt" setzt auf internationale Stars
Die erste Berlinale stand unter dem Motto "Schaufenster der freien Welt" – und setzte damit auch ein Zeichen im Kalten Krieg. Sechs Jahre zuvor hatte der amerikanische "Film Officer" Oscar Martay mit den Vorbereitungen begonnen. Er wollte mit dem Festival auch anknüpfen an die deutsche Filmtradition der 1920er Jahre.
Die "freie Welt" präsentierte sich in den Anfangsjahren der Berlinale aber nicht primär mit neuen deutschen Filmen sondern vor allem mit dem Glanz und Glamour westlicher internationaler Großproduktionen. Und so kamen auch die Stars des europäischen Films und aus Hollywood nach Berlin: unter anderem Gina Lollobrigida, Jayne Mansfield, Henry Fonda und Gary Cooper. Letzterer reiste 1953 demonstrativ nach Berlin, um ein Zeichen gegen die Kommunistenhatz des US-Senators McCarthy zu setzen – und wurde im Osten der Stadt zufällig Zeuge der Arbeiteraufstände am 17. Juni.
Die Berlinale war im Jahr zuvor von Steglitz an den Kudamm gezogen – beste Lage im damaligen West-Berlin. Dort etablierte sie sich schnell auch international. Nachdem sie vom internationalen Filmproduzentenverband FIAPF den Status eines A-Festivals erhalten hatte, setzte sie erstmals eine internationale Fachjury ein. Zuvor hatte das Publikum über die Vergabe der Preise entschieden – mit Ausnahme der ersten Berlinale, bei der eine rein deutsche Jury die Preise vergab.
Vietnam-Film führt zum Berlinale-Skandal
1957 zog die Berlinale abermals um – vom Kudamm ging es in den nahe gelegenen Zoo Palast, der als Premierenkino für den Wettbewerb der Berlinale eigens ausgebaut worden war. Das Festival öffnete sich ab Ende der 1950er Jahre stärker dem europäischen Film, zeigte unter anderem Filme der Nouvelle Vague und des italienischen Kunstkinos. Goldene Bären gingen unter anderem an Ingmar Bergman, Claude Chabrol, Michelangelo Antonioni und Jean-Luc Godard.
1970 produzierte das Festival einen handfesten Skandal. Michael Verhoevens Vietnam-Film "O.K." erzürnte den Jury-Präsidenten George Stevens, vor allem wegen einer Szene, in der ein amerikanischer Soldat ein vietnamesisches Mädchen vergewaltigt. Stevens warf Verhoeven offenen Antiamerikanismus vor. Daraufhin trat die gesamte Jury zurück und zum ersten und bisher einzigen Mal wurden auf der Berlinale keine Goldenen und Silbernen Bären verliehen.
Cannes-Resterampe? Dann lieber frieren!
Doch obwohl eine Zeitlang das Ende der Berlinale zumindest möglich erschien, erholten sich die Filmfestspiele von diesem Schock. 1971 nahm – auch als Reaktion auf den Verhoeven-Skandal - das "Internationale Forum des jungen Films" seine Arbeit auf, um im Rahmen des Festivals eine Plattform für experimentellere, kleinere, jüngere Filme zu bieten. Und auch der Wettbewerb öffnete sich weiter, vor allem regional: Das Weltkino rückte stärker in den Blick. Filme aus international bislang weniger stark vertretenen Filmländern wie dem Iran, Mexiko oder China erhielten eine Einladung.
Ein großes Problem hatte die Berlinale aber weiterhin. Weil sie im Juni lief, wurde sie oft als Appendix, als Resterampe der Filmfestspiele in Cannes wahrgenommen, die im Mai stattfinden. 1978 fand die Berlinale deshalb erstmals im Februar statt. Seither müssen Filmfans und Stars in Berlin zwar frieren, doch für das Selbstbewusstsein des Festivals war dieser Schritt wichtig und richtig: Heute gilt die Berlinale, trotz kleinerer und größerer Krisen, als eines der großen Drei unter den Filmfestivals: neben Venedig – und neben Cannes.
Vom Kudamm an den Potsdamer Platz
Ebenfalls 1978 führte die Berlinale eine weitere Sektion ein: die Generation, in der Kinder- und Jugendfilme aus aller Welt gezeigt werden. 1986 folgte das Panorama, das seither eine Mischung aus (in Welt- oder Europapremieren gezeigten) neuen Filmen bekannter Regisseure und Neuentdeckungen bietet. Traditionell stark vertreten sind im Panorama auch Filme mit schwul-lesbischen Themen. Ein Jahr später wurde erstmals der Teddy Award vergeben, ein Preis für die besten Filme des Festival-Programms, die sich mit schwul-lesbischen sowie Transgender-Themen befassen. Seit 1992 ist er auch als offizieller Preis der Berlinale anerkannt.
Einige Monate vor der Wiedervereinigung, im Februar 1990, war die Berlinale erstmals ein Festival für ganz Berlin: Auch im Ostteil der Stadt liefen Filme des Programms. Mit dem Zusammenwachsen der beiden Berlins entstand in den folgenden Jahren auch eine neue Stadtmitte: der Potsdamer Platz. Dort fand die Berlinale erstmals im Jahr 2000 statt – mit neuem Hauptspielort für den Wettbewerb: dem Theater am Potsdamer Platz, das in der Zeit des Festivals zum Berlinale Palast wird.
Dort hat die Berlinale sich mittlerweile etabliert. Als größtes Publikumsfestival der Welt, mit 22 Spielstätten, hunderten von Filmen und hunderttausenden verkauften Tickets. Und mit einem klar erkennbaren Zentrum, mitten in Berlin, am Potsdamer Platz.
Fabian Wallmeier
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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