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Großes Schaulaufen auf dem roten Teppich: Zur Eröffnungsgala der 63. Berliner Filmfestspiele kamen am Donnerstagabend zahlreiche Promis aus Film und Fernsehen - und mit ihnen der Schnee. Damit macht die Berlinale ihrem Ruf als Winterfestival alle Ehre. Die Internationalen Filmfestspiele eröffneten mit dem Martial-Arts-Drama "The Grandmaster", in dem es der chinesische Regisseur Wong Kar Wai ebenfalls schneien lässt.
Zur Auftaktgala der 63. Internationalen Filmfestspiele Berlin sind wieder zahlreiche Prominente aus Film und Fernsehen erschienen. Im Blitzlichtgewitter standen unter anderen US-Star Jane Fonda, Isabella Rossellini sowie die deutschen Schauspieler Mario Adorf, Jürgen Vogel, Heike Makatsch, Nina Hoss, Veronica Ferres und Christiane Paul sowie Regisseur Wim Wenders.
Auch die Polit-Prominenz ließ sich diesen Glamour-Event nicht entgehen: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) schritten über den roten Teppich. Wowereit sagte mit Blick auf die mehrfach verschobene Eröffnung des Hauptstadt-Großflughafens, er habe gesehen, dass trotzdem alle nach Berlin gefunden hätten.
Jury-Präsident verlangt Pünktlichkeit
Gemeinsam mit Jurypräsident Wong Kar Wai erklärte Festivaldirektor Dieter Kosslick die Filmfestspiele für eröffnet. Gewohnt souverän führte Schauspielerin Anke Engelke durchs Programm. In einer hautengen weiß-schwarzen Robe unterhielt sie die rund 1600 Gäste auf Deutsch und Englisch. Jurypräsident Wong Kar Wai aus Hongkong kündigte an, die Jury mit strenger Hand zu führen. "Alle müssen pünktlich kommen", sagte er. Sein außer Konkurrenz laufendes Kung-Fu-Drama "The Grandmaster" wurde im Anschluss an die Gala gezeigt.
Politischer Appell an den Iran
In diesem Jahr widmen sich viele Filme politischen Themen. Es geht zum Beispiel um Landnahme, unterdrückte Frauen und einen schwulen Priester in Polen. Beim Wettbewerbsbeitrag "Pardé" handelt es sich um ein absurdes Drama um zwei Schauspieler und einen Regisseur. Ihn drehte der iranische Regisseur Jafar Panahi, der im Iran Arbeitsverbot hat und den Film illegal produzierte.
In seinem Grußwort bat Neumann die iranische Regierung, Panahi nach Berlin reisen zu lassen. Neumann wies darauf hin, dass die Berlinale mit 400.000 Besuchern das größte Publikumsfestival der Welt ist. Ihr Motto sei "Es lebe der Unterschied". "Intoleranz und Fanatismus" seien die Ursache von Konflikten, sagte Neumann und verwies dabei aktuell auf Mali und Syrien.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte besonders die Retrospektive der diesjährigen Berlinale, die sich dem "Weimar Touch" widmet. Sie spürt den Einflüssen des Weimarer Kinos auf den internationalen Film nach 1933 nach.
Nackter Protest auf der Berlinale
Für Aufsehen sorgten aber nicht nur die Stars: Die Aktivistinnen der ukrainischen Frauenrechtsorganisation Femen entblößten ihren Oberkörper am Rande des roten Teppichs, um gegen die Beschneidung von Frauen zu demonstrieren. Sicherheitskräfte griffen sofort ein und führten sie ab. Sie erhielten einen Platzverweis.
Wie eine Polizeisprecherin am Freitag sagte, verzichtete die Berlinale zwar auf eine Strafanzeige, dennoch wird gegen eine der vier Frauen wegen "Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte" ermittelt.
Mit Spannung erwartet: "Pardé"
Am Donnerstagmorgen hat sich vorab die Internationale Jury vorgestellt. Neben Jury-Chef Wong Kar Wai gehören in diesem Jahr Susanne Bier, Tim Robbins, Shirin Neshat, Athina Rachel Tsangari, Andreas Dresen und Ellen Kuras zu den wichtigen Entscheidern im Rennen um die Bären. Besonders gespannt erwartet das siebenköpfige Team die Weltpremiere des iranischen Films "Pardé" von Jafar Panahi. Der Regisseur hat in seiner Heimat Arbeitsverbot.
"Die gesamte iranische Gesellschaft schaut heute auf das Festival in Berlin. Dass er an diesem Festival teilnimmt, zeugt von großen Mut. Wir sind sehr gespannt, ob er zum Festival kommen kann", sagte Jury-Mitglied Shirin Neshat, Fotografin und Regisseurin aus dem Iran über ihren Kollegen Panahi.
Jury-Chef Wong Kar Wai wirbt für positive Stimmung
Der chinesische Regisseur und Jury-Präsident Wong Kar Wai betonte, dass es ihm vor allem um die Wertschätzung der Filme gehe. "Es geht hier nicht so sehr um den Wettbewerb sondern um die Freude an den Filmen. Wir alle sind im Dienste des Films hier, nicht, um sie zu beurteilen sondern um sie wertzuschätzen", sagte Wong. "Ich komme hierher um dieses Festival so schön wie möglich zu gestalten."
Berlinale-Chef Kosslick: "Es läuft wie am Schnürchen"
Vor Beginn der Festspiele zeigte sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick zufrieden. Man sei sehr gut vorbereitet, alles laufe nach Plan, sagte Kosslick am Donnerstagmorgen im rbb: "Wir sind in Berlin und es läuft wie am Schnürchen"
Dennoch sei es auch für ihn immer wieder aufregend, die Stars dann "tatsächlich am roten Teppich" zu begrüßen: "Ein ganz besonderer Moment", sagte Kosslick.
Nur ein deutscher Film im Wettbewerb um den Goldenen Bären
Bis 17. Februar werden mehr als 400 Filme zu sehen sein. Zu den Vorführungen werden zahlreiche Kino-Idole in der Hauptstadt erwartet: Oscar-Preisträger wie Matt Damon, Geoffry Rush und Jeremy Irons ebenso wie die Hollywood-Shootingstars Shia LaBeouf, Joseph Gordon-Levitt und Amanda Seyfried.
Aus Frankreich kommen gleich drei starke Frauen des Films: Catherine Deneuve, Isabelle Huppert und Juliette Binoche.
Unter den 19 Wettbewerbsfilmen geht nur ein deutscher Film ins Rennen, der Western "Gold" von Thomas Arslan mit Nina Hoss in der Hauptrolle. Eine Kinderjury verleiht außerdem den "Gläsernen Bären" für den besten Spielfilm und Kurzfilm der Sektion Generation. Der "Goldene Ehrenbär" geht als Auszeichnung für sein Lebenswerk an Claude Lanzmann; und damit erstmals an einen Dokumentarfilmer. Der Franzose wird für seine zahlreichen Filme zum Thema Holocaust geehrt.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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