Sie sind hier:
rbbonline


Der Goldene Bär der 62. Berlinale geht nach Italien: In "Cesare deve morire" (Caesar must die) inszenieren die Regisseure Paolo und Vittorio Taviani mit Insassen eines römischen Gefängnisses Shakespeares "Julius Cäsar".
Paolo und Vittorio Taviani widmeten den Preis den Häftlingen, mit denen sie für den Film zusammengearbeitet haben. "Wir hoffen, dass das Publikum nach diesem Film sehen kann, dass auch ein Häftling, der als Strafe Lebenslänglich bekommen hat, immer noch ein Mensch ist - und bleibt," so die beiden Regisseure.
"Caesar must die" zeigt in Schwarz-Weiß-Aufnahmen das Casting und die Proben des Stückes. Dem Publikum werden die einzelnen Insassen bei den Proben vorgestellt. Durch Einblendungen erfährt man, für welche Taten Giovanni, Salvatore und die anderen im Gefängnis einsitzen.
Silberne Bären für Rachel Mwanza und Mikkel Boe Folsgaard
Der Silberne Bär für die beste Darstellerin ging an Rachel Mwanza für ihre Rolle der Komona in "Rebelle" ("War Witch"). Mwanza freute sich überschwänglich über die Auszeichnung. "Ich stehe nur hier, weil Kim Nguyen das möglich gemacht hat", sagte sie. Regisseur Kim Nguyen zeigt in seinem Film die Schrecken des Bürgerkriegs im Kongo aus der Perspektive einer Kindersoldatin. Er arbeitete vorwiegend mit Laiendarstellern - Rachel Mwanza hat in ganz ähnlichen Verhältnissen wie ihre Figur Komona gelebt.
Als besten Darsteller zeichnete die Berlinale Mikkel Boe Folsgaard aus. Er spielt in dem Kostümfilm "Die Königin und der Leibarzt" (En kongelig affære) König Christian VII., an dessen Hof der Armenarzt Johann Friedrich Struensee (Mads Mikkelsen) zum Leibarzt und Vertrauten aufsteigt. Der Film ist das Kinodebüt des Dänen, der bisher vor allem als Theaterschauspieler gearbeitet hat. Die dänisch-deutsche Koproduktion heimste außerdem einen Silbernen Bären für das beste Drehbuch ein.
Christian Petzold holt einen Bären für "Barbara"
Auch das deutsche Kino konnte einen der Hauptpreise der Berlinale abholen: Mit einem Silbernen Bären für die beste Regie wurde Christian Petzold ausgezeichnet. In seinem Wettbewerbsbeitrag "Barbara" mit Nina Hoss in der Titelrolle erzählt er von den Konflikten einer Ärztin, die 1980 in die DDR-Provinz versetzt wird, weil sie einen Ausreiseantrag gestellt hat.
Mit dem Großen Preis der Jury wurde ebenfalls einer der politisch geprägten Beiträge der Berlinale gewürdigt. Die Jury zeichnete den Film "Csak a szél" (Just the Wind) des ungarischen Regisseurs Benec Fliegauf aus. Der Film ist eine Momentaufnahme aus einem dunklen Kapitel der jüngsten ungarischen Geschichte. Im Film wird eine Roma-Familie drangsaliert, diskrimiert und getötet. Regisseur Benec Fliegauf erinnert damit an die Jahre 2008 und 2009, in denen es in Ungarn zu Massenmorden an Roma kam.
Alfred-Bauer-Preis für "Tabu"
Der Alfred-Bauer-Preis wird alljährlich in Erinnerung an den Gründer des Festivals an einen Spielfilm vergeben, der "neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet". In diesem Jahr ehrte die Jury den portugiesischen Regisseurs Miguel Gomes. Sein Film "Tabu" erzählt auf ungewöhnliche Weise vom Sterben einer alten Frau und dem Traum einer ewigen Liebe. Gomes äußerte sich überrascht über die Wahl: "Ich bin ein wenig verwirrt über diesen 'Innovationspreis' - eigentlich wollte ich nur einen altmodischen Film machen", so der Regisseur in seiner Dankesrede.
Ein Silberner Bär "für eine herausragende künstlerische Leistung aus den Kategorien Kamera, Schnitt, Musik, Kostüm oder Set-Design" geht in diesem Jahr an das China-Epos "Bai lu yuan" (White Deer Plain). Regisseur Wang Quan’an hatte bereits 2006 mit "Tuyas Hochzeit" einen Goldenen Bären gewonnen. Sein neuer Film erzählt von der Liebe in Zeiten des kommunistischen Umbruchs. Kamera führte der Deutsche Lutz Reitemeier. Den Preis nahm an seiner Stelle seine Partnerin entgegen, weil Reitemeier zurzeit in Saudi Arabien einen neuen Film dreht. "Sein Herz blutet, weil er heute abend nicht selbst hier sein kann," sagte sie.
Lobende Erwähnung für "L'enfant d'en haut" (Sister)
Jury-Präsident Mike Leigh sprach eine lobende Erwähnung für "L’enfant d’en haut" aus, den Film der Schweizer Regisseurin Ursula Meier. Die Geschichte eines kleinen Jungen, der klauen muss um zu überleben, sei eine "warmherzige und poetische Studie über Wohlstand und Armut“, so Leigh. Als besondere Überraschung überreichte er Meier für ihre Leistung einen Silbernen Bären.
Einen Goldenen Bären für den besten Kurzfilm bekam der portugiesische Film "Rafa". Berlinale-Direktor Dieter Kosslick überreichte den Preis an den Regisseur João Salaviza, der ein sensibles Porträt eines 13-jährigen Jungen auf der Berlinale präsentiert hat. Mit einem Silbernen Bären hatte die Kurzfilmjury davor den Regisseur des Animationsfilms "Gurehto Rabiito" (The Great Rabbit), Atsushi Wada, ausgezeichnet.
Schwere Wahl für die Jury
Die Jury um Präsidenten Mike Leigh hatte bei diesem Festival die Qual der Wahl: Unter den 18 Wettbewerbsfilmen hatte sich während der Festival-Screenings kein klarer Favorit hervorgetan. Viele Kritiker meinten sogar, dass die Wettbewerbsbeiträge in 2012 eher schwach waren.
Einer ständigen Kritik konnte die Berlinale in diesem Jahr jedoch entgegenwirken: Die Promi-Dichte auf dem roten Teppich und in den Berlinale-Kinos war hoch. Angelina Jolie, Robert Pattinson, Isabelle Huppert, Bollywood-Star Shah Rukh Khan - alle waren nach Berlin gekommen, um ihre Filme vorzustellen. Und Meryl Streep sorgte den gesamten Festival-Dienstag über für begeisterte Stimmung unter den Festivalbesuchern.
Das Festival des Publikums
Auch die 62. Ausgabe des Festivals fand wieder großen Anklang beim Publikum. Zehntausende Tickets gingen über die zentralen Verkaufsstellen in den Potsdamer Platz Arkaden, im Haus der Berliner Festspiele und im Kino International über den Tisch. Die Ticket-Kontingente im Internet waren ebenfalls schnell weg.
Auch die Reihe "Berlinale goes Kiez", bei der ein Fliegender Roter Teppich das Festival in verschiedene Stadtteile Berlins brachte, feierte erneut einen großen Erfolg.
Mit der Bären-Verleihung ist das Filmfestival aber noch nicht ganz zu Ende. Am Sonntag ist Publikumstag: Dann laufen noch ein Mal zahlreiche Festivalfilme aus den verschiedenen Sektionen in der Stadt.
(Quelle: rbb online/ berlinale.de)
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/berlinale/rbbonline/news/news_teaser/and_the_winner_is.html