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Gleich das erste Berlinale-Wochenende bot jede Menge Stars. Am Samstag glänzten vor allem Hugh Jackman, Anne Hathaway und Amanda Seyfried auf dem Roten Teppich. Sie sind die Stars der Filmfassung des Musicals "Les Misérables" – und sie singen selbst.
Für die Gala-Premiere am Samstagabend kamen Hugh Jackman und seine Film-Partnerinnen in den Friedrichstadtpalast. Für Fans zählte dieser Termin zu den Festival-Highlights: Jackman, Hathaway und Seyfried gaben - trotz frostiger Temperaturen - fleißig Autogramme. Tom Hoopers Version des Musical-Klassikers hat es auf acht Oscar-Nominierungen gebracht, darunter die Nominierung als bester Film. Auch Jackman und Hathaway könnten eine der goldenen Statuen einheimsen.
Die Chancen stehen gut, dass Anne Hathaway demnächst einen Oscar für ihre Rolle in der Musical-Verfilmung in Empfang nehmen darf. Falls nicht, wäre der Hollywoodstar keineswegs zu Tode betrübt. "Es ist nicht keineswegs das Schlimmste, was einem passieren kann, für einen Oscar nominiert zu sein und ihn dann doch nicht zu bekommen", sagte sie am Samstag anlässlich der Berlinale-Pressekonferenz.
Auch Hugh Jackman sieht die Oscar-Nominierung für seine Rolle des menschenfreundlichen Ex-Sträflings Jean Valjean gelassen. "Ich bin Australier, ich komme vom anderen Ende des Planeten. Der Academy Award hat deshalb für mich nicht diese kulturelle Bedeutung und Wichtigkeit", sagte Jackman. Außerdem gäbe es bei ihm zuhause bereits einen Oscar: "Ich habe einen Sohn mit Namen Oscar."
Einen Berlinale-Bären wird es allerdings nicht geben, denn "Les Misérables" läuft nicht im Wettbewerb, sondern als Berlinale Special.
Berlinale Kamera für Isabella Rossellini
Ebenfalls am Samstagabend wurde die Schauspielerin Isabella Rossellini mit einer Berlinale Kamera geehrt. Festivaldirektor Dieter Kosslick übergab die Auszeichnung persönlich. Die 60-Jährige war 2011 Jury-Präsidentin, und auch in den Jahren zuvor war sie häufig zu Gast in Berlin. Jetzt wurde ihr Engagement für die Berlinale ausgezeichnet.
Im Anschluss an die Preisverleihung im Delphi Filmpalast feierte die Fortsetzung von Rosselinis tierischer Kurzfilm-Reihe Premiere. In "Mammas" schlüpft Rosselini wieder in die unterschiedlichsten Tierrollen, dieses Mal, um die Mutterinstinkte der verschiedenen Arten zu erkunden.
Bei einer Gala am Rande der Berlinale die südafrikanische Oscar-Preisträgerin Charlize Theron für ihren Kampf gegen Aids den Ehrenpreis der Wohltätigkeitsorganisation Cinema for Peace. Die deutsche Schauspielerin Veronica Ferres (47) wurde für ihr Engagement gegen Rassismus und Fremdenhass geehrt.
Deutsche Wettbewerbs-Premiere "Gold" - ohne Hoss
Westernbilder im Berlinale-Palast: Mit "Gold" hat Thomas Arslan am Samstag den einzigen deutschen Film im Wettbewerb der Berlinale vorgestellt. Festival-Stammgast Nina Hoss ("Barbara") spielt darin eine Frau, die sich einer Gruppe deutscher Auswanderer anschließt, die im Jahr 1898 im hohen Norden Kanadas nach Gold suchen will. Dafür gab es nach der Premiere freundlichen Beifall.
Arslan lobte seine Darsteller für ihren physischen Einsatz während der Dreharbeiten. Der größte Teil der Szenen wurde in freier Natur und auf dem Rücken von Pferden gedreht. "Das war zwar physisch sehr anstrengend, aber auch gut für die Geschichte", so der Regisseur. Die größte Schwierigkeit beim Dreh sei es gewesen, "sieben Schauspieler und elf Pferde gleichzeitig zu inszenieren - das war eine echte Herausforderung."
Vielleicht ist Arslans Lob ans Krankenbett von Nina Hoss gedrungen: Sie konnte nicht kommen, weil sie "leider krank" war, wie Arslan sagte. Ein Moderator verlas zuvor ein Grußwort von Hoss, in der ihr Bedauern mitschwang: Nach zwei Monaten in Kanada ohne Krankheiten und Unfälle hatte es sie ausgerechnet zur Festivalpremiere "voll erwischt".
Fredrik Bonds Spielfilmdebüt im Wettbewerb
Zumindest eine kleine deutsche Beteiligung gab es außerdem im Wettbewerbsbeitrag "The Necessary Death of Charlie Countryman" - in Person von Til Schweiger, der hier neben Shia LaBeouf, Mads Mikkelsen und Rupert Grint spielt. Der Regisseur des Films, Fredrik Bond, hat sich bisher vor allem mit Werbeclips einen Namen gemacht – jetzt präsentierte er sein Spielfilmdebüt. Seine Hauptfigur, Charlie Countryman (LaBeouf) verliebt sich während eines Europa-Trips in eine rumänische Schönheit – die allerdings nicht ohne Komplikationen zu haben ist.
Als ersten Wettbewerbsbeitrag des Samstags stellte der russische Regisseur Boris Khlebnikov sein Drama "Dolgaya schastlivaya zhizn (A Long and Happy Life)" vor, einen Film über Korruption in der nordrussischen Provinz. Auf der Pressekonferenz zum Film sagte Khlebnikov, er freue sich sehr, jetzt einen Film im Wettbewerb zeigen zu können. Für ihn ist es die dritte Berlinale, er war bereits zweimal in der Sektion Forum zu Gast - nun erstmals auch im Wettbewerb. Khlebnikov arbeitete an realen Schauplätzen und mit Laiendarstellern - für einen besonders authentischen Touch: "Die Leute aus dem Ort leben wirklich da. Beispielsweise auch der Beamte, der am Ende des Films ermordet wurde."
"Lovelace" - die wahre Geschichte einer Porno-Ikone
Auch die Sektion Panorama wartete am Samstag mit großen Namen auf: Für die Präsentation von "Lovelace" erschienen sowohl Amanda Seyfried als auch James Franco auf dem Roten Teppich. Für Seyfried ist es ein echtes Kontrastprogramm - in "Les Misérables" spielt sie die eher verletzliche Rolle der Cosette, in "Lovelace" stellt sie die Porno-Ikone Linda Lovelace dar.
Der Film zeigt ihren Weg zum Star im Porno-Geschäft - und ihren späteren Einsatz als Aktivistin gegen Pornografie. Regie führten die beiden Oscar-Preisträger Rob Epstein und Jeffrey Friedman, die sich hier mit Themen wie Prostitution, Drogen, Ausbeutung und Verrat auseinandersetzen. James Franco spielt in "Lovelace" den jungen Playboy-Boss Hugh Hefner.
"Berlinale Goes Kiez": Festivalmomente jenseits des Roten Teppichs
Auch in diesem Jahr begibt sich die Berlinale bewusst auch in weniger glamouröse Umgebung. Sieben Programmkinos in Berlin und Potsdam werden für einen Abend zusätzlicher Spielort des Festivals und zeigen ausgewählte Filme aus dem Berlinale-Programm. Eine entscheidende Berlinale-Tradition wird auch bei dieser Form des Kiezkino beibehalten: Die Filmteams stellen ihre Werke, wo möglich, persönlich vor und stellen sich im Anschluss an die Vorstellung den Fragen des Publikums.
Außerdem gibt es für jedes der beteiligten Kinos einen prominenten Kinopaten, der das Publikum auf dem "kleinen" roten Teppich willkommen heißt und damit die Arbeit der Programmkinos unterstützt. Zum Auftakt von "Berlinale Goes Kiez" wurden am Samstag die vier neuesten Teile der Langzeitdokumentation "Berlin - Ecke Bundesplatz" gezeigt. Danach kann man noch bis 15. Februar Berlinale-Luft im Kiez schnuppern.
Insgesamt zeigt die Berlinale noch bis zum kommenden Sonntag mehr als 400 Filme. 19 Werke davon bewerben sich um die begehrten Bären.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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