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W imię... (In the Name of)

Berlinale 2013: Premiere 'In the name of...' Lukasz Simlat und Malgoska Szumowska mit Agnieszka Kurzydlo und Andrzej Chyra(Quelle: dpa)

Filmkritik

"W imię...": Mutig, aber etwas überfrachtet

Die polnische Regisseurin Małgośka Szumowska traut sich mit ihrem Wettbewerbsbeitrag "W imię..." (In the Name of) an ein Thema, das nicht nur in ihrer Heimat ein Tabu ist: Homosexualität unter Priestern. Dabei hat sie den Film aber bisweilen mit poetischen Stilisierungen überfrachtet.

"In jedem von uns gibt es einen Punkt, der nur Gott gehört, der heilig ist. Es ist die absolute Leere. Von diesem Punkt aus kreiert Gott unser Schicksal" – mit diesem Bild versucht der katholische Priester Adam seinen Zöglingen zu erklären, wie er selbst zum Glauben gefunden hat. Adam ist ein Spätberufener, der erst mit Anfang Zwanzig Priester wurde. Immer wieder hat er seither seine Pfarreien gewechselt, ist versetzt worden. Nun betreut er eine kleine Gemeinde in der tiefsten polnischen Provinz, wo er schwererziehbare Jugendliche aus problematischen Familienverhältnissen unter seine Fittiche genommen hat: Prügeleien, Saufereien, harte Witze gehören zur Tagesordnung.

Doch Adam mag seine Arbeit, und er kommt eigentlich mit den Jungs gut klar. Was keiner weiß: Für Adam ist das Priesteramt nicht nur Berufung. Das Zölibat ist auch sein Rettung vor der eigenen Sexualität: Denn Adam weiß, dass er eigentlich schwul ist. Und davor hat er Angst. Wenn die unterdrückte Leidenschaft zu stark wird, dann joggt er, stundenlang. Doch als er und der junge Humpty sich näher kommen, gerät seine mühsam aufrecht erhaltene Gefühls-Mauer ins Wanken.

Tabuthema – nicht nur in Polen

Mit starken Bildern nähert sich die polnische Regisseurin in ihrem vierten Spielfilm einem Thema, das nicht nur im erzkonservativen Polen noch immer tabubehaftet ist. Offiziell beurteilt die römisch-katholische Kirche in Polen Homosexualität als Krankheit. Inoffiziell ist die Dunkelziffer homosexuell veranlagter Priester überproportional hoch. Doch die Problematik ist auch im vergleichsweise liberalen Deutschland nicht unbekannt: Wurde doch dem katholischen Theologen David Berger nach seinem schwulen Coming Out die kirchliche Lehrberechtigung entzogen. In "W imię..." (In the Name of) verknüpft Regisseurin Małgośka Szumowska nun gesellschaftliche mit ethischen Fragen zu einer Geschichte über die Möglichkeit der Selbstfindung und inneren Befreiung. Ein Thema, das in ihrem Schaffen eine zentrale Rolle spielt. Bereits in der Schwangerschaftsgeschichte "Ono" (Leben in mir), das 2005 beim Filmfestival GoEast in Wiesbaden den Preis für die beste Regie erhielt, ging es darum, am Konflikt zu wachsen. Und in "33 Szenen aus dem Leben" (2008) spielte Julia Jentzsch eine junge Frau, deren Welt aus den Fugen gerät. In "W imię..." kommt die gesellschaftliche Brisanz des Themas, das von der Kirche immer wieder totgeschwiegen wird, allerdings etwas kurz.

Visuell beeindruckend aber etwas überfrachtet

Gelassen, episodisch, erzählt Małgośka Szumowska von dem inneren Gefängnis eines Menschen. Dabei geht es ihr nicht ausschließlich um die homosexuellen Neigungen ihres Protagonisten. Vielmehr zentriert sich die Handlung um Selbstbetrug, Bigotterie, Verleugnung und die vage Möglichkeit einer Erlösung. Dabei setzt der Film auf visuelle und szenische Kontraste, Überraschungsmomente und starke atmosphärische Bilder: Das unterkühlte Blau der Totalen, wenn Adam wieder joggend vor der eigenen Leidenschaft wegrennt, kontrastiert mit dem warmen, fast nostalgisch wirkenden Ockertönen der polnischen Landschaft. Dokumentarische Beobachtungen wechseln mit symbolisch aufgeladenen Szenen, die Bilder aus der Passionsgeschichte heraufbeschwören.

Starke Momente, wenn die Kamera nur beobachtet

Diese starke poetische Stilisierung ist aber auch ein Schwachpunkt des Films: Weniger wäre hier mehr gewesen. Offenbar hat die Regisseurin der Überzeugungskraft ihrer Geschichte und ihrer Darsteller - allen voran Andrzej Chyra – zu wenig vertraut. Dabei sind die stärksten Momente die, wenn die Kamera nicht interpretiert, sondern Adam einfach nur beobachtet: Auf der Kanzel, beim Joggen, mit Ewa, die ihn auffordert, ihr Geliebter zu werden, mit Humpty. Und immer wieder mit sich selbst alleine: Andrzej Chyra beeindruckt als Adam, dem die Einsamkeit und heimliche Verzweiflung über das nicht gelebte Leben in jede Pore des Gesichts geschrieben ist. Gleichzeitig wird dann, wenn die Kamera sich zurückzieht und den Figuren Raum lässt, jene Freiheit spürbar, die ihnen die Gesellschaft untersagt.

Ula Brunner

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Mehr zum Film

Das Team von "In the name of" im Nighttalk

Video 08.02.13

Das Team von "In the Name of" im Nighttalk

Die polnische Regisseurin Małgośka Szumowska und ihr Team zu Gast bei Radioeins-Moderator Knut Elstermann zum Auftakt des Berlinale Nighttalks.

Fr 08.02.13 18:40

W imię...

Der Film "W imię... (In the Name of)" von der polnischen Regisseurin Malgoska Szumowska greift ein Tabuthema auf. Für Radioeins hat sich Joachim Opale, Rundfunkbeauftragter im Erzbistum Berlin, den Film angesehen. [Radioeins]

Stimmen aus der Pressekonferenz

Berlinale 2013: Małgośka Szumowska auf der Pressekonferenz zur ihrem Wettbewerbsbeitrag 'W imię...' (Quelle: dpa)

Erster Wettbewerbsbeitrag

"W imię...": Über das Schicksal schwuler Priester


Der polnische Film "W imię..." ist der erste Wettbewerbsfilm auf der Berlinale. Die Regisseurin Małgośka Szumowska hat auf der Pressekonferenz erklärt, dass sie eher zufällig auf das brisante Thema ihres Films gestoßen ist: schwule Priester.


Auf der Pressekonferenz zum ersten Wettbewerbsbeitrag "W imię..." (In the Name of) gab es von den versammelten Journalisten durchaus wohlwollenden Applaus und viel Zustimmung. Das Thema des Films ist gerade im katholischen Polen von besonderer Brisanz: Homosexualität unter Priestern.

Eigentlich habe sie zuerst gar nicht explizit einen Film über schwule Priester drehen wollen, erklärte Regisseurin Małgośka Szumowska. Eine kleine Zeitungsnotiz, die augenscheinlich mit dem Thema gar nicht zu tun hatte, sei der Auslöser gewesen: Ein junger Mann, hatte sich das Leben genommen. "Daraus entstand zunächst die Idee, einen Film über Liebe und Begehren zu machen, und daraus wiederum entwickelte sich das Drehbuch über eine verbotene Liebe unter Männern, speziell unter Priestern." Und sie ergänzt: "In Polen haben wir eine starke Diskussion über Homosexualität in der Kirche, über Priester, die die Kirche verlassen, genau aus diesem Grund."

Die Dreharbeiten: organischer Prozess mit viel Improvisation


Nach dem Ablauf der Dreharbeiten gefragt, betonte Andrzej Chyra, der mit großer Intensität den Hauptdarsteller Adam spielte, dass sie sich immer wieder vom Skript lösten und improvisierten: "Wir hatten viel Raum, für Kreativität und dafür, etwas auszuprobieren."

Auch Kameramann Michael Englert, der mit der Regisseurin zusammen das Drehbuch geschrieben hatte, beschreibt die Filmarbeiten als organischen Prozess. "Das starke Thema, sollte in eindringlichen, sensitiven Bildern erzählt werden, gerade weil die Geschichte so hart ist, sollten die Bilder ruhig und klassisch sein." Genau am gleichen Ort in der ländlichen Provinz habe sie bereits ihre Dokumentation "Silence" gedreht, ergänzte die Regisseurin: "Auch beim Drehen ließen wir genug Raum für Improvisation, gerade weil ich Dorf und Umgebung so gut kannte."

"W imię..." sei, so Małgośka Szumowska, ein wichtiger Beitrag zu einer aktuellen gesellschaftlichen Diskussion sei. Aber sie habe keinen explizit politischen Film drehen wollen: "Ich will kein politisches Statement machen, mein Film erzählt in erster Linie von Gefühlen."

Aufführungen auf der Berlinale

Fr 08.02. (16 Uhr)
Berlinale Palast
(OV mit dt. UT)

Sa 09.02. (9:15 Uhr)
Haus der Berliner Festspiele
(OV mit dt. UT)

Sa 09.02. (9:30 Uhr)
Friedrichstadt-Palast
(OV mit engl. UT)

Sa 09.02. (22:30 Uhr)
International
(OV mit engl. UT)

So 17.02. (17 Uhr)
Haus der Berliner Festspiele
(OV mit dt. UT)

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