-
Diese Nacht hatte alles geändert. Wo vorher etwas war, gab es nichts mehr, wo nichts gewesen war, war nun was. Die Welt war ausgetauscht worden, nur er, er war anscheinend noch da.
Um Mitternacht war die Sonne aufgegangen, hatten die Vögel angefangen zu singen, gab es plötzlich frühlingsgrünes Laub an den Bäumen. Er hatte im Bett gesessen, geblendet vom plötzlichen Sonnenlichtbombardement und den Kater gerufen. Nemo war weg, dafür war sie da, in den Händen ein Tablett, Orangensaft, zwei Croissants und eine einzelne Tulpe in einer Oranginaflasche. Wie sie da stand, in einem schwarzen Abendkleid, wie sie ihn ansah, als würde sie ihn immer schon kennen, mehr noch, ewig schon, das war ihm ein bisschen zu viel.
Trotzdem machte er Platz, als sie sich neben ihn auf die schmale Matratze setzte. “Morgen bist du dran, da schlafe ich aus!”, murmelte sie und begann zu essen. Er wollte nicht unhöflich sein, er nickte, er trank den seltsam salzigen Saft, obwohl er keinen Durst hatte, obwohl er müde war, denn eigentlich, eigentlich war es doch mitten in der Nacht. Er schluckte ein Gähnen hinunter, er gab ihr versuchsweise einen Kuss und musste grinsen, als sie sich nicht in Nacht auflöste, sondern blieb.
Erstausstrahlung am 05.12.2013/ rbb


