-
Wir hatten getan, was wir konnten. Mit acht hofften wir, die Affenfamilie im Central Park Zoo würde uns adoptieren. Sehnsüchtig schauten wir Pattycake nach, wenn sie auf Mamas Schultern davonturnte oder ihrem trägen Gorillapapa Bananenschalen auf den Kopf legte.
Mit neun verfassten wir einen Brief an unseren Bürgermeister Lindsay mit der Bitte, uns eine andere Familie zuzuteilen. Wir erhielten bis heute keine Antwort.
Derweilen lernte unser Vater Deutsch an der Abendschule. Bei der Lektüre von Schillers Wilhelm Tell hatte er echte Tränen in den Augen, als er las: Das schwere Herz wird nicht durch Worte leicht.
Er konnte das nur bestätigen. Er vermutete, mit dieser Auffassung in New York nicht viele Freunde zu finden, zumindest hatte er keine. Er träumte von den Bergen, die er aus den Heidi-Verfilmungen sehr gut kannte. Er wusste, der Almöhi und er könnten Freunde sein.
So kam es, dass wir mit zehn plötzlich in der Schweiz hockten und den mysteriösen Urlauten unserer neuen Mitbürger lauschten.
Vater hingegen blühte auf. Er blühte genau genommen derart auf, dass er unsere Familie verließ und in eine Genfer Weinbauerndynastie einheiratete.
Wir dachten an Pattycake, an John Lindsay. Wir hatten getan, was wir konnten. Amerika war nun verdammt weit weg.






