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Ich hatte gerade begonnen, alles anders zu machen, den Umschwung eingeleitet. U-Turn. Kuppeln. Los. Dann fand ich den Propellerhut.
Ich hatte mir ein Mindestmaß an Reife verschrieben. Neue Bewerbung im Sender. Redakteur statt Moderator. Genug der Daueradoleszenz. Ich kaufte eine Biotonne. Und Hemden statt T-Shirts mit Comicmotiven. Es tat nicht weh. Nur bei Batman.
"Sophie!", sagte ich am Telefon, "Sophie, ich bin jetzt drüber hinweg."
"Wer ist da?“, hatte Sophie erwidert. Aber das war egal. Ich war bereit gewesen. Dann fand ich den Propellerhut.
Als ich ihn fand, rotierte alles. Er trug sämtliche Farben, war Fluggerät und Kopfschmuck zugleich. Er war so nah und entzog sich allem. Glanz umstob ihn. Eine Ahnung ferner Ebenen im Gleitflug. Clownshafte Leichtigkeit und leichte Clownshaftigkeit. Rotation. Astrid Lindgren plus Jetpack. Ich sollte Propellerhüte produzieren, verkaufen, tragen. Warum alles anders machen, wenn man Propellerhüte fabrizieren konnte? Propellerhüte!
Ich erzählte es allen. Nur mit jedem Erzählen wurde die Idee blasser, müder, eine Geschichte, kein Plan. Wer braucht Propellerhüte? So wurde ich älter, nur nicht reifer. Ich habe inzwischen viel gesammelt: Exfrauen, Halbberufe, kurierte Geschlechtskrankheiten, Bonusmeilen und Strafzettel. Propellerhüte baute ich keine. Nicht, dass nichts passiert wäre. Ich habe nur nie wieder begonnen, alles anders zu machen.
Erstausstrahlung 13.06.14/rbb







