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Alles begann mit einem Fehler. Abends hatte Anna vergessen, die Wohnungstür zu verschließen.
Noch in der Nacht schlich das Tier in den Flur, huschte ins Badezimmer und versteckte sich im Wäschekorb. Am nächsten Morgen entdeckte Anna es in der schmutzigen Wäsche kauernd. Seine Haut war pechschwarz und erinnerte an Neopren. Eine Fledermaus, ein Fisch, eine Katze, dachte sie. Als sie es berühren wollte, schnappte es nach ihr.
In den ersten Tagen dachte sie immer wieder daran, Simon von dem Tier zu erzählen, tat es aber nie. Manchmal warf sie Nüsse, Äpfel und Schokolade in den Wäschekorb. Simon stopfte seine Hemden und Socken in den Korb, ohne je hineinzuschauen und das Tier zu bemerken. Seit Monaten schon verdächtigte Anna ihn einer Affäre. Sie hatte sich einsam gefühlt, zumindest solange, bis das Tier aufgetaucht war.
Nacht für Nacht lag Anna neben Simon wach. Sie dachte darüber nach, wie fremd er ihr geworden war, wie gut sie ihn kannte; sie dachte an seine Affäre, an das Tier, an sich selbst – ob sie ihn warnen sollte? Bis sie eines Morgens, nach einer schlaflosen Nacht, Simon ins Badezimmer führte und den Wäschekorb aufklappte. "Vorsicht, es beißt", sagte Anna. Gemeinsam schauten sie auf das Tier hinab.


