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DESCRIPTION:Anmoderation\n\nBerlin-Schöneweide, lange ein Stadtteil mit denkbar schlechtem Ruf: Schöneweide -  Hochburg der rechtsradikalen Szene. Massenaufmärsche, Gewalt und Übergriffe prägten bislang das Image. Doch jetzt beginnt der Stadtteil sich erstaunlich zu wandeln: Studenten, Kreative und Familien siedeln sich an und schaffen es offensichtlich, die Neonazis nach und nach zu verdrängen. Ganz ohne Gewalt. Adrian Bartocha und Olaf Sundermeyer.\nSchöneweide wird jetzt bunt. Ein neuer Anziehungspunkt für Künstler und Kreative. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft zieht tausende Studenten aus rund 100 Nationen an. Auch immer mehr junge Familien entdecken den Stadtteil am Spreeufer.\nDabei galt Schöneweide als Angstzone. Jahrelang war diese Gegend ein Schwerpunkt rechtsextremer Gewalt. Hier fühlten sich die Neonazis wohl. Immer mehr von ihnen kamen aus der ganzen Republik. Und die NPD erzielte hier mit ihre besten Wahlergebnisse in der Stadt. Angeführt wurden sie von einem mehrfach vorbestraften Neonazi, dem Landeschef Sebastian Schmidtke.\nNach der Wende verloren hier Zehntausende ihren Arbeitsplatz. Als der Industriestandort zerfiel, entstand eine Lücke, in der sich Neonazis mit ihrer gewalttätigen Ideologie breit machten. Für den Rechtsextremismusforscher Dierk Borstel waren das ideale Voraussetzungen für einen Raumkampf der Neonazis, den sie bis heute führen.\nProfessor Dierk Borstel\n\nPolitikwissenschaftler\n\n"Rechtsextremisten versuchen in einzelnen Stadtteilen oder Regionen so etwas wie eine Hegemonie aufzubauen, also meinungsführend zu sein, stark zu sein. Das hat eine gewisse innere strategische Logik. Diese Logik besteht darin, dass sie zusammen ziehen. Wenn sie mehr sind, können sie deutungsstärker sein. Sie können sich auch wehren. Es kann Gewalt angewandt werden. Sie versuchen also kleinere Stadtteile oder Ecken von Stadtteilen zu besetzen, und tun dann so, als ob es ihre Plätze wären."\nSo wie die berüchtigte Brückenstraße. Für Menschen, die nicht ins nationalsozialistisch geprägte Weltbild passten, war sie lange Zeit eine Angstzone. Ein Schwerpunkt rechtsextremer Gewalt. Doch nun verlieren die Neonazis ihren bundesweit bedeutsamen Versammlungsort. Der "Henker" muss gehen. Denn der Hauseigentümer will diese Neonazi-Kneipe nicht mehr. \nDas schafft Raum für andere. Heike Belz hat nebenan vor drei Monaten ihr Atelier eröffnet. Die Berliner Mosaik-Künstlerin  hat sich bewusst für diese Straße entschieden.\nHeike Belz\n\nMosaik-Künstlerin\n\n"Ich finde irgendjemand sollte auch anfangen. Zum einen wusste ich gar nicht, dass die jetzt hier gehen würden. Sondern für mich war klar, das wäre jetzt auf lange Zeit meine Nachbarschaft. Und ich habe es akzeptiert, weil ich dachte, das kann nicht sein, dass eine ganze Straße in Verruf kommt, nur weil da so eine Kneipe existiert. Oder dieser Laden da vorne. Und Aufbruchsstimmung – ja, definitiv."\nDieser Laden da vorne. Damit meint die Künstlerin das Geschäft von NPD-Landeschef Schmidtke. Bis vor kurzem verkaufte er hier Kampfstiefel, Teleskopschlagstöcke und Militärkleidung für seine Kameraden. Doch zuletzt blieben seine Kunden weg, sagt er. Schmidtke schließt den Laden. Der Strom ist abgestellt. Der Laden verschwindet – zunächst – in den Untiefen des Internets. \nSebastian Schmidtke (NPD)\n\nLandesvorsitzender\n\n"Es wird halt einen Online-Shop geben, der sich dementsprechend um die Produktpalette, die wir jetzt hier auch haben, bemüht, neue Kunden zu finden."\n\n\n\nNun erobern junge Familien den Lebensraum Schöneweide. Es ist der jüngste Stadtteil im Bezirk Treptow-Köpenick. Hier sind Wohnungen noch bezahlbar. Kitas werden dringend gebraucht. Auch hierhin kommt eine. In diesem Haus hatte bis vor einigen Monaten ein NPD-Mitglied sein Geschäft. Es gehört der größten landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft, der degewo. Ihr allein gehören 3.500 Wohnungen am Ort. Über eine Vertragsklausel will sie verhindern, dass sich darin Neonazis breit machen.\n\n\n\nLutz Ackermann\n\ndegewo\n\n"Unsere Mietverträge bei Gewerberäumen verbieten seit einiger Zeit, dass die Geschäfte rechtsextremes Gedankengut verkaufen. Das können Modestücke sein, das können Tonträger sein, Medien insgesamt. Das ist also verboten. Bei Kneipen und Gaststätten verbieten wir außerdem, dass diese Räume auch für Versammlungen von Rechtsextremen genutzt werden. Das ist für uns auch ein ganz bewusster Schritt, um hier aktiv für Veränderung zu sorgen."\n\n\n\nDie Neonazis in Schöneweide geraten zunehmend in Bedrängnis. Ihr Rädelsführer Schmidtke hat sein Geschäft schon aufgegeben. Aber seine Wohnung im Kiez will er behalten. Dabei beruft sich der Verfassungsfeind ausgerechnet auf die Grundrechte.\n\n\n\nSebastian Schmidtke (NPD)\n\nLandesvorsitzender\n\n"Bei der Privatwohnung ist es nahezu unmöglich, jemanden raus zu klagen. Also da ist das Recht auf die eigene Wohnung viel zu hoch, auch laut Grundgesetz, jemanden rauszuschmeißen, auf Grund einer politischen Gesinnung. Also das ist unmöglich."\n\n\n\nSicher ist aber, Schmidtke wird sich an seine neuen Nachbarn gewöhnen müssen. Denn die Gegenkultur besetzt hier nach und nach die Räume: \n\nGemeinsam leben und arbeiten. Das ist die Idee dieser zugezogenen Studenten. Vor einem Jahr wurde Schöneweide zu ihrer neuen Heimat. Trotz der Neonazis.\n\n\n\nPeter Rudolph\n\nStudent der HTW Berlin\n\n"Ich glaub es herrscht so ein bisschen die Einstellung vor, dass man das halt nicht so ernst nehmen darf. Dass man sich davon nicht beeinflussen lassen darf. Warum sollte man da nicht hinziehen. Vielleicht dann erst recht."\n\n\n\nSo beenden die Bürger allmählich die Vorherrschaft der Neonazis im Kiez.\n\n\n\nProfessor Dierk Borstel\n\nPolitikwissenschaftler\n\n"Für 'ne Großstadt wie Berlin ist es wirklich eine Möglichkeit, je positiver, optimistischer, fröhlicher, familienfreundlicher es wird, desto weniger Chancen haben Rechtsextremisten, so zu tun als seien sie die Mehrheit der Bevölkerung."\n\n\n\nFröhlicher wird Schöneweide sicher. Spätestens dann, wenn dieser Mann das Spreeufer belebt. Im teuer gewordenen Kreuzberg hatte Gerke Freyschmidt mit seinem bekannten Beachclub "Kiki Blofeld" jahrelang für Vergnügen gesorgt. Jetzt kommt er hierher. Im Mai geht es los. Für den Trendsetter sind die Schöneweider Neonazis schon jetzt Geschichte.\n\n\n\nGerke Freyschmidt\n\nClubbetreiber "Kiki Blofeld"\n\n"Nö also, wir machen Nazisafaris hier auch. Die Nazis zum Anfassen…"\n\nKLARTEXT\n\n"Da müssen Sie sich aber beeilen, die verschwinden ja von hier."\n\nGerke Freyschmidt\n\nClubbetreiber "Kiki Blofeld"\n\n"Genau, das ist nämlich der Punkt."\n\n\n\nNoch sind die Nazis nicht ganz weg aus Schöneweide – doch wie es scheint, wird es ihnen hier nach und nach einfach zu bunt.\n\n\n\nAbmoderation\n\nWär doch schön, wenn sich andere Orte, die Probleme mit Neonazis haben, sich hier was abgucken würden.\nBeitrag von Adrian Bartocha und Olaf Sundermeyer\n\n\n
SUMMARY:Schöner weiden ohne Nazis
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