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Dokumentation und Reportage
Dokumentation und Reportage
Oberbaumbrücke, Quelle: dpa

Die Oberbaumbrücke verbindet Kreuzberg mit Friedrichshain

Di 03.07.12 20:15

Bilderbuch

Berlin-Kreuzberg

Kreuzberg ist ein schillernder Bezirk und international für sein quirliges Nachtleben bekannt. Unzählige Cafés, Geschäfte, Restaurants beleben die Straßen. Zwischen Altbauten, Bausünden der 70er und kleinen Naturwundern findet man Spuren von Kreuzbergs wechselvoller Geschichte.

Der Berliner Stadtteil gehört heute zum Großbezirk Kreuzberg-Friedrichshain. Doch seinen facettenreichen Charme entwickelte er in den Zeiten der geteilten Stadt, als er zur östlichen Seite von der Berliner Mauer begrenzt wurde. Vor allem das nach der Postleitzahl benannte SO 36 ist bekannt für seine multikulturelle Alternativkultur.

Nachts in der Oranienstraße; Quelle: rbb

Das indische Restaurant "Mirchi" in der Oranienstraße

Heute leben in Kreuzberg zu einem Drittel Migranten, Menschen aus über 50 Nationen. Diese außergewöhnliche multikulturelle Atmosphäre spiegelt sich auch in dem bunt gemischten Angebot an Geschäften, Bars und Restaurants aus aller Welt. Neben der Bergmannstraße und dem Mehringdamm zählt die Oranienstraße zu den beliebtesten Einkaufsstraßen, wo auch nachts keiner schläft, sondern man rund um die Uhr einen Imbiss bekommt.

Stadtführerin; Quelle: rbb

Wafaa Khattab bei einer Stadtführung

Vor allem die hier aufgewachsenen Kinder der Migranten bemühen sich mit kreativem Engagement um ein neues Image des Bezirks: Sie wehren sich gegen die Attribute wie Randalebezirk, sozialer Brennpunkt oder Drogenumschlagplatz.

Typisch für diese neue Generation ist Wafaa Khattab, deren Eltern als palästinensische Flüchtlinge vor über 30 Jahren nach Kreuzberg kamen. Heute bietet die junge Frau Stadtführungen an, bei denen sie Jugendlichen ihr Kreuzberg zeigen will. Sie ermöglicht sonst verborgene Perspektiven und hofft, somit Vorurteile abbauen zu können.

Kreuzbergturm; Quelle: rbb

Das Kreuzberg Denkmal von Karl Friedrich Schinkel 

Die etwa 160.000 Kreuzberger wohnen in dem nur 10 Quadratkilometer großen Bezirk relativ beengt. Dennoch gibt es auch grüne Oasen wie beispielsweise den Viktoriapark. Dort befindet sich der legendäre Berg, der 1921 dem Bezirk seinen Namen gab: Der Kreuzberg. Auf seiner höchsten Stelle steht seit 1821 das von Karl Friedrich Schinkel entworfene gusseiserne Nationaldenkmal für die Siege in den Befreiungskriegen.

Weinberg in Kreuzberg, Quelle: rbb

Die Trauben für den Kreuz-Neroberger

Am Fuß des Kreuzbergs, inmitten der Großstadt, befindet sich ein Weinbau. Vermutlich bauten hier schon die ersten Siedler vor 500 Jahren Wein an. Mittlerweile sind es nur noch wenige Rebstöcke, so dass die Trauben alljährlich innerhalb von zwei Stunden geerntet werden können. Aus diesen Trauben entsteht der Kreuz Neroberger, ein durchaus respektabler Wein. Die Rarität ist allerdings nur im Bezirksamt gegen eine Spende zu bekommen.

U-Bahn an der Möckernbrücke; Quelle: rbb

Die U-Bahn als Hochbahn

Die U-Bahn fährt in Kreuzberg nicht nur im Untergrund sondern über der Erde. Um Geld zu sparen baute man vor über 100 Jahren erstmals in Deutschland nach New Yorker Vorbild eine Hochbahn. Das wagte man nur, weil die Gegend von der Warschauer Brücke in Richtung Westen als "Armenviertel" galt und der Bauherr meinte, dass man Beschwerden der Anwohner wegen Lärmbelästigung ignorieren könnte.

Technikmuseum; Quelle: rbb

Das Technikmuseum am Landwehrkanal

Am Landwehrkanal schwebt eine DC-3, ein Rosinenbomber. Er ist das Wahrzeichen des Technik Museums und erinnert an die Blockade 1948 als die Westberliner per Luft mit Lebensmitteln versorgt wurden. Die Techniksammlung gehört weltweit zu den größten ihrer Art und beherbergt nicht nur erstaunliche Flugzeuge sondern auch eine komplette Lokschuppenanlage mit Gleisen, da sich auf dem Gelände einst der Anhalter Güterbahnhof befand.

Jüdisches Museum; Quelle: rbb

Jüdisches Museum

Das Jüdische Museum Berlin zeigt zwei Jahrtausende Geschichte und beleuchtet das Verhältnis von Juden und Nicht-Juden auf sehr emotionale Weise. Der ungewöhnliche Neubau des Architekten Daniel Libeskind erinnert an die Form eines Davidsterns. Die Fenster fügen sich wie Kratzer in die Fassade, das Gebäude hat scharfe Kanten und liegt wie ein Zick-Zack-Blitz gestrandet im Kreuzberger Häusermeer.

Regenbogenfabrik, Quelle: rbb

Regenbogenfabrik in der Lausitzer Straße

Die Regenbogenfabrik ist ein ehemaliges Dampfsägewerk, das 1981 als Zeichen gegen die schlechte Wohnungsbaupolitk "instand-besetzt" wurde. Noch heute leben die Bewohner den Traum von einem anderen Leben: basisdemokratisch und gerecht. Sie betreiben eine Öko-Kantine, eine Fahrradwerkstatt, einen Kindergarten, ein Hotel und ein Kino.

Auf dem Markt; Quelle: rbb

Der Markt am Maybach-Ufer

Der Markt am Maybach-Ufer gehört zwar eigentlich schon zu Neukölln, fühlt sich aber wie Kreuzberg an. Hier gibt es alles, was man braucht oder gebrauchen könnte: Türkische, arabische, orientalische, afrikanische und deutsche Gelüste lassen sich hier befriedigen. Und Schnäppchen gibt es bis zum Abend.

Kartonagen; Quelle: rbb

Kartonagenfabrik Gerhard Reich

Als in den 50er Jahren die Kartonagen-Fabrik am Engelbecken gegründet wurde, konnte noch keiner ahnen, dass ein paar Jahre später die Mauer direkt vor die Tür gebaut wird. Noch nicht einmal die Lieferanten durften in dieser Zeit auf den Hof fahren. Mittlerweile ist die Mauer wieder weg, doch die Kartons werden noch genauso gestanzt und gefaltet wie zur Gründungszeit. Ob groß oder klein, fein oder robust – alles Handarbeit. Die Qualität ist hochgeschätzt und so umhüllen die Schachteln Königlich Preußisches Porzellan, Designerbrilen oder auch die Speisekarten des Hotel Adlon.

Handpresse; Quelle: rbb

Kreuzberger Atelier-Handpresse

Auch die Rixdorfer schätzen altes Handwerk: Sie gelten als die älteste noch existierende Künstlergruppe Deutschlands. Seit vier Jahrzehnten treffen sie sich in der Atelier-Handpresse von Hugo Hoffmann im Kreuzberger Hinterhof zum Feiern und zur Arbeit: Handgedruckte Gesellschaftskritik mit Augenzwinkern.

Baumann, Quelle: rbb

Beppo Pohlmann in der Kneipe "Alt-Berlin" (Ecke Liegnitzer Straße/ Reichenberger Straße)

Bei einem Bier in seiner Kneipe "Alt-Berlin" schrieb Beppo Pohlmann vor 30 Jahren seinen größten Hit: "Kreuzberger Nächte sind lang". Eigentlich nur als Geburtstagsgeschenk für einen Kollegen gedacht, sang er das Lied fortan immer dann, wenn ihm mit seiner Band "Gebrüder Blattschuss" nichts mehr einfiel. Das Erfolgsrezept ist, dass man den Refrain "auch nach sieben Bier" noch mitsingen kann.

Admiralbruecke; Quelle: rbb

Admiralbrücke am Urbanhafen

Kreuzberger Nächte fangen ganz langsam an. Am liebsten genießen die Kreuzberger den Sonnenuntergang in einem Straßencafé oder auf der Admiralbrücke am Urbanhafen. Ganz unbeschwert mit einer Pizza auf die Hand und Straßenmusikern erwarten sie hier die Nacht.

Film von Grit Lederer

(Erstausstrahlung vom 29.12.2007/ ARD1:)


Dieser Text gibt den Sachstand vom 12.08.2008 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos

Bildergalerie

Seit 1821 steht auf dem Kreuzberg das gusseiserne von K.F. Schinkel entworfene Nationaldenkmal

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/doku/bilderbuch/berlin_kreuzberg.html

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