Nicht sehr einladend: Eingang zum U-Bahnhof Leopoldplatz [dpa]

Bilderbuch - Berlin-Wedding

Seit 2001 gehört auch der Wedding zu Berlins Mitte. Obwohl die Geschichte der beiden alten Bezirke Wedding und Mitte so eng zusammenhängt, könnten sie unterschiedlicher nicht sein.

Abfotografiertes Bild vom schmalsten Haus Berlins! Quelle: rbb/Dennis Wagner
Das schmalste Haus Berlins (1951)

Der Wedding ist die "Bronx der Hauptstadt".

Hierher hat es die Opfer der Gentrifizierung verschlagen, hier geht es rau zu. Der Wedding gilt als der "böse" Bezirk. Hier gibt es die größte Armut, hier ist es am schmutzigsten und, wenn es nachts knallt – dann hier. Doch der Wedding ist wie ein Schmetterling. Hinter den grauen Fassaden verbirgt sich zuweilen etwas ganz anderes als man erwartet.

Der "Rote" Wedding

Viele traditionsreiche Berliner Firmennamen wie Schering, Osram und die AEG sind fest mit dem Wedding verbunden. Und mit der Arbeit kam auch der Arbeiterkampf. Der Wedding wurde der "Rote Wedding", der einzige Stadtbezirk, in dem 1933 die NSDAP den Linken bei der Wahl unterlag wo Thälmann und Goebbels in einem Saal gegeneinander antraten.

Im Wedding, am Plötzensee, finden in der Zeit des Nazi Terrors fast 3.000 Hinrichtungen statt, und hier steht auch der Galgen für die Widerständler der "Roten Kapelle" und für die gescheiterten Hitler Attentäter.

ilvio da Col verkauft sein original italienisches Eis aus dem schmalsten Haus Berlins Quelle: rbb/Dennis Wagner
Silvio da Col verkauft sein original italienisches Eis aus dem schmalsten Haus Berlins heraus!

Die Gegensätze sind geblieben:

Zwischen Otto Nagel und Roland Kaiser, die beide hier aufgewachsen sind, zwischen sozialem Protest und schmalzigem Kitsch, zwischen Dönerbude und Tanztheater.
Pastor Bismarck Impieri veranstaltet Sonntag für Sonntag in seiner Hinterhofkirche einen Gottesdienst, Quelle: rbb/Dennis Wagner

Der "bunte" Wedding

Zugewanderte aus aller Welt, vor allem Afrikaner, brachten ihre Kultur mit. Im Afrikanischen Viertel zwischen Müllerstraße und Rehberge, wo Straßennamen seit mehr als 100 Jahren an deutsche Kolonialgeschichte erinnern, sind Afroshops entstanden und es riecht nach südlichen Gewürzen.
Ein Kaufhausdach an der Müllerstraße. Quelle: rbb/Dennis Wagner

Der Wedding heute

Die meisten großen Industrieunternehmen sind längst verschwunden. Die hässlichen Mietskasernen sind Neubauten gewichen.
Koulako Keita lenkt fahrende Bibliothek , Quelle: rbb/Dennis Wagner
Die Afrikanerin Koulako Keita, die mit einem Bücherbus durch die Gegend fährt, zeigt ihren Wedding und rbb Autor Dennis Wagner macht sich mit ihr auf die Suche nach der Glücksquelle des Gesundbrunnens.

Film von Dennis Wagner

Erstausstrahlung am 20.05.2013/rbb