
Ost-Legenden -
Im Osten galt er 35 Jahre lang als populärster Tierparkdirektor, im Westen nannte man ihn den "Grzimek der DDR", denn er war ein Medienstar. Am 7. November 2010 wäre er 100 Jahre alt geworden.
Jeden Sonntagmorgen hieß es im Berliner Rundfunk: "Im Tierpark belauscht". Noch 1990 war diese Sendung die Nummer 1 in der Publikumsgunst. Auch der "Tierparkteletreff" mit dem sächselnden Professor hatte im DDR-TV Kultstatus.
Als der Magistrat von Ost-Berlin 1954 beschließt, aus dem verwilderten Schlosspark Friedrichsfelde einen "volkstümlichen Zoo" zu machen, will der ehrgeizige Heinrich Dathe, damals noch stellvertretender Zoodirektor in Leipzig, diese "nationale Aufgabe" erfüllen.
Da er als Kind den Zoo eigentlich nicht mochte und ihn für ein Gefängnis hielt, wo man Tiere einsperrt, entwirft er eine 160 Hektar große und weitläufige Anlage mit vielen Freigehegen.

Das Paradies für Tiere macht weltweit von sich Reden
Auch im durch die Mauer geteilten Berlin macht sein "Paradies der Tiere" über die Grenzen hinweg von sich Reden. Der kleine Mann ist Chef des größten Zoos der Welt - das schafft der DDR Anerkennung auf diesem Gebiet und seine Zuchterfolge im Zoo bringen dem Land Devisen.
Im Gegenzug wird der international renommierte Zoologe in den Kreis derer aufgenommen, die im Sozialismus auf einer bürgerlichen Insel leben dürfen: Urlaube in der Schweiz, eine Haushälterin, der eigene Schneider, der eigener Fahrer. "Roter Bourgeois" wird der Professor gelegentlich genannt.

Doch er ist kein Genosse, mit Politik will er am liebsten nichts zu tun haben.

