Dragan Wende © rbb/Lena Müller

- Dragan Wende - West Berlin

Der Film zeichnet die Geschichte einer Underdog-Familie nach, erzählt am Küchentisch eines exzentrischen und mürrischen Bordell-Türstehers, in dessen Kopf die Mauer immer noch fest zementiert ist.

Dieser Film schafft, was nur wenigen Dokumentarfilmen gelingt: er unterhält, er berührt und regt zum Nachdenken an.

Dragan Wende vor dem Etablissement "Caligula" in Berlin © rbb/Lena Müller
Dragan Wende vor dem Etablissement "Caligula" in Berlin

Er war ein König im Kiez, zumindest fühlte er sich so. In den 70er und 80er Jahren hatte Dragan Wende Geld, Frauen, Champagner - und als Sohn eines Gastarbeiters einen jugoslawischen Pass, angeblich den "besten der Welt".

Er kostete seine Blockfreiheit voll aus: Während er das vibrierende West-Berliner Nachtleben orchestrierte und in den angesagtesten Clubs arbeitete, verdiente er sich mit zwielichtigen Geschäften durch die Berliner Mauer eine goldene Nase. 25 Jahre nach ihrem Fall ist diese Mauer in Dragans Kopf höher denn je: 1989 verlor er seine Privilegien.

Die Wende machte er für seinen persönlichen Niedergang verantwortlich - und hat seit Jahren keinen Fuß mehr nach Ost-Berlin gesetzt. Er lebt von den Erinnerungen an goldene Zeiten und kämpft täglich virtuos ums Überleben.

Im Etablissement "Caligula" in Berlin © rbb/Vuk Maksimovič
Im Etablissement "Caligula" in Berlin

Ein skurril-humorvolles Porträt

Es wirft einen originellen Blick in einen verborgenen Winkel der einschlägigen Geschichte des geteilten Berlins. Diese Milieustudie, in welcher Dragan Wendes Neffe Vuk einen Film über seinen legendären Onkel dreht, ist tief in West-Berlin verankert.

Wir entdecken und erleben die bizarre Welt seines Onkels und dessen tragikomisches Umfeld vor der Kulisse eines vergessenen Berlins der 80er Jahre, das in alten Aufnahmen erneut zum Leben erwacht. Vuks qua Familienbande privilegiertes Kameraauge erschliesst einen schrulligen Mikrokosmos, der uns amüsiert, berührt oder auch verstört.

Dokumentarfilm von Dragan von Petrovic und Lena Müller

Erstausstrahlung am 18.12.14/rbb