Andacht für Denny Gräfe; Quelle: rbb

Wenn Gewalt ein Leben verändert - Du Opfer!

"Du Opfer" ist mittlerweile eine gebräuchliche Redewendung im jugendlichen Sprachgebrauch und ein Synonym für "Versager". Benutzt wird es, um das Gegenüber zu entwürdigen, es schwach und klein zu machen. Der, der es ausspricht, fühlt sich als der Stärkere.

Oft bleibt es nicht bei verbalen Angriffen. Die Brutalität der Gewalttaten ist größer und für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer geworden: durch Überwachungskameras oder Handys. Viele Opfer von Gewalt sind nach einem solchen Erlebnis der Machtlosigkeit schwer traumatisiert.


Annett Gräfe am Grab ihres Sohnes Denny; Quelle: rbb

Doch es kommt noch schlimmer: durch aggressive Täteranwälte, verschleppte Prozesse und milde Urteile werden viele der Betroffenen zum zweiten Mal zum Opfer gemacht. Zudem drehen sich öffentliche Debatten um Gewalt meist um die Täter. Von den Opfern und ihren Angehörigen erfährt man wenig. Welche Anstrengung es sie auch noch Jahre nach dem Gewalterlebnis kostet, wieder ein normales Leben führen zu können oder wie die Familien damit umgehen müssen, dass einer in ihrer Mitte fehlt.

Mutter von Denny G. mit Denny-Kissen; Quelle: rbb

Die Dokumentation "Du Opfer!" erzählt aus der Welt des angegriffenen oder zerstörten Ichs. Die Protagonisten sind selbst Opfer einer Gewalttat und Angehörige, die mit dem Verlust eines Familienmitglieds fertig werden müssen, wie Annett G., deren Sohn sterben musste.

Tina K. - Schwester von Johnny K.; Quelle: rbb

Ebenfalls zu Wort kommt Tina K., die charismatische Schwester von Jonny K. Der20Jährige wurde vor einem Jahr grundlos von sechs Schlägern attackiert. Nach der Gewalttat auf dem Berliner Alexanderplatz erlag Jonny seinen Verletzungen.

Handydisplay zeigt Namen Aziz; Quelle: rbb

Alle sechs verurteilten Schläger haben Revision eingelegt. Zum Todestag ihres Bruders mahnt Tina K., dass so etwas nie wieder passieren darf. Kann ihr Engagement für die Öffentlichkeit ein Impuls sein, sich mehr für die Opfer als für die Täter zu interessieren?

 


Simone Dobmeier und Torsten Striegnitz gehen auch dieser Frage in ihrer Dokumentation nach.

Erstsendung 15.05.13/ARD