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Am 11. September 1973, vor 40 Jahren, stürzte eine Militärjunta in Chile unter dem Befehl von Augusto Pinochet die sozialistische Regierung von Salvador Allende und entfesselte einen zügellosen Terror. Viele Anhänger von Allendes Unidad Popular flohen ins Ausland.
Am 11. September 1973, vor 40 Jahren, stürzte eine Militärjunta in Chile unter dem Befehl von Augusto Pinochet die sozialistische Regierung von Salvador Allende und entfesselte einen zügellosen Terror. Viele Anhänger von Allendes Unidad Popular flohen ins Ausland. Auch in der DDR wurde etwa 2000 politisch Verfolgten Asyl gewährt. Es waren vor allem Parteikader, ehemalige Minister der Allende‑Regierung, linke Intellektuelle. Sie erwartete ein perfekt organisiertes Exil: neue Wohnungen, Arbeit, Studium, Sicherheit, jedoch auch ‑ Kontrolle und Reglementierung. Bis zu ihrer Rückkehr hatten sie sich diszipliniert ins gesellschaftliche Leben der DDR zu "integrieren". Erich Honecker lagen die chilenischen Exilanten sprichwörtlich "am Herzen" immerhin war Tochter Sonja mit einem Chilenen verheiratet. "Wir wurden mit so viel Liebe empfangen", erinnert sich Victor Abujatum an den Tag seiner Ankunft. Die Chilenen hatten alle Möglichkeiten in der DDR, aber sie standen dem real existierenden Sozialismus bald sehr kritisch gegenüber. Manche, wie Omar Salazar, erlebten ihn auf besonders schmerzhafte Weise: Seine Ehe mit einer DDR‑Bürgerin zerbrach an den Widrigkeiten des Alltags in den Zeiten von Misstrauen und Paranoia. Denn nicht jeder Chilene, so dokumentierte es die Staatssicherheit, war in ihrem Sinne "vertrauenswürdig". Deutsche Freunde denken heute zurück an die Begegnung mit einer ganz anderen Kultur, an die Musik, die sie bewegte und ihnen ein bisschen die Tür zur Welt aufstieß. "Wir waren Leute aus einem kapitalistischen Land, mit bürgerlichen Geschichten und mit Erfahrungen, die wie ein Weitwinkel für die Menschen sein konnten ‑ und das war gefährlich", sagt Victor Abujatum. "Honeckers Chilenen" sind nicht die bequemen Mitbürger gewesen, wie es die SED‑Genossen gern gesehen hätten. Die Gesellschaft, die sie erlebten, fanden sie nicht erstrebenswert. Doch was sie der DDR zu verdanken haben, werden sie nie vergessen. Dass Honecker am Ende Asyl in Chile gewährt wurde, ist für sie eine selbstverständliche Geste gewesen ‑ vielen bis heute schwer verständlich. |
