Zwi Steinitz in der Gedenkstätte Belzec (Polen), Quelle: rbb/Maciej Kuszela
Zwi Steinitz in der Gedenkstätte Belzec (Polen)

Polen und der deutsche Rassenwahn - Eine blonde Provinz

Tausende Polen christlichen und jüdischen Glaubens wurden nach dem deutschen Überfall auf Polen vor mehr als 70 Jahren von der deutschen Wehrmacht, der SA und der SS aus ihren Häusern vertrieben, deportiert und  umgebracht.

Die Nazis planten, im besetzten Polen, in einem Distrikt namens Warthegau, ein Experimentierfeld des Rassenwahns zu installieren.
Eine "blonde Provinz", so Heinrich Himmler, sollte entstehen, ein Laboratorium zur Züchtung einer "germanischen Herrenrasse." Innerhalb weniger Wochen wurden hunderttausende Polen und Juden vertrieben, als Arbeitssklaven missbraucht oder getötet. Es war der Beginn des Holocaust.
Zwi Steinitz (re.), mit seiner Frau Regine und Sohn Ami, Quelle: rbb/Maciej Kuszela
Zwi Steinitz mit Frau Regine und Sohn Ami
Die brutal Vertriebenen sollten "Platz schaffen" für die Volksdeutschen, die vor allem aus der sowjetischen Einflusszone - zwischen dem Schwarzen Meer und dem Baltikum - "heimgeholt" wurden.
Die so genannten Übergangslager für Polen ähnelten Konzentrationslagern. Hunger, Krankheiten und Tod standen auf der Tagesordnung.

Die jüdische Bevölkerung wurde in Ghettos gesperrt, grausame Zwischenstationen für die Lager, in die sie später zur Ermordung deportiert wurden.
Zwi Steinitz mit Familie in Belzec, Quelle: rbb/Maciej Kuszela
Zwi Steinitz mit seiner Familie in Belzec
Die Filmemacher stellen drei Männer vor, die beim deutschen Überfall auf Polen noch Kinder waren und deren Schicksal mit der Stadt Posen verbunden ist:

Zwi Steinitz aus Tel Aviv, der nach 70 Jahren zum ersten Mal wieder in sein Geburtsland reist, um den Ort zu besuchen, an dem seine Eltern ermordet wurden.

Henryk Jaszcz, der nach dem Überfall vergeblich seine Eltern in Posen sucht und dessen Weg in den Widerstand führt.

Und Dieter Bielenstein, der als Zwölfjähriger mit seinen Eltern aus Lettland nach Posen kam.

Die Dokumentation schlägt ein in der Öffentlichkeit weithin unbekanntes Kapitel der Nazivergangenheit Deutschlands auf.

Film von Jacek Kubiak und Klaus Salge

Erstausstrahlung am 26.08.2009 / ARTE

Deutsch-Polnischer Journalistenpreis 2010


Die rbb/ARTE-Produktion "Eine blonde Provinz – Polen und der deutsche Rassenwahn" von Jacek Kubiak und Klaus Salge wurde am 8. Juni in Dresden mit dem Deutsch-Polnischen Journalistenpreis 2010 in der Kategorie Fernsehen ausgezeichnet.

Der Deutsch-Polnische Journalistenpreis prämiert zum 13. Mal herausragende Beiträge über das jeweilige Nachbarland. Den Preis stiften die Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, der Freistaat Sachsen, die Wojewodschaften Lebuser Land, Niederschlesien und Westpommern sowie die Robert Bosch Stiftung und die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit. Mit 207 Einsendungen erreichte der Wettbewerb 2010 den bisherigen Teilnehmerrekord.

Hörfunk-Preisträgerin wurde Andra Joeckle von Deutschlandradio Kultur für ihren Beitrag "Krakau mit Händen und Füßen". Der Presse-Preis ging an "Dziki zachód Uznam" ("Der Wilde Westen Usedom") von Adam Zadworny von der Gazeta Wyborcza Szczecin. Die Preisverleihung fand im Rahmen der 3. Deutsch-Polnischen Medientage statt.

Zeitzeugen und Autoren

Zwi Steinitz und Dieter Bielenstein, Quelle: rbb

Zeitzeugen: Zwi Steinitz und Dieter Bielenstein

"Die Vergangenheit vergeht nicht. Die Vergangenheit lebt mit uns, seit wir befreit worden sind ...".
Zwi Steinitz, 11.05.2010
Jacek Kubiak und Klaus Salge, Quelle: rbb

Statements der Autoren J. Kubiak und K. Salge

"Ich brauche kein Buch mehr zu lesen, um zu wissen, was Faschismus ist...".
Klaus Salge, 11.05.2020