FDJ-Ausweis von Heinz Lippmann. © rbb/BStU

Auf den Spuren meines Großvaters - Honeckers abtrünniger Stellvertreter

Der Film erzählt die schier unglaubliche Lebensgeschichte Heinz Lippmanns die oft mehr der Fiktion als der Realität entnommen scheint.

Die Autorin Karoline Kleinert im Landesarchiv Berlin. © rbb/Peter Wolter
Die Autorin Karoline Kleinert im Landesarchiv Berlin.
Zugleich ist sie das Protokoll einer ganz persönlichen Spurensuche, auf die sich die Autorin Karoline Kleinert begibt. Das Schicksal Heinz Lippmanns ist für sie auch ein Stück Familiengeschichte. Er ist der Großvater, den sie nie kennen gelernt hat, ein Phantom, über den kaum gesprochen wurde.
Stellvertreter von FDJ-Chef Honecker. © rbb/BStU
Heinz Lippmann - Stellvertreter von FDJ-Chef Honecker.
Am 29. September 1953 setzt sich Heinz Lippmann in den Westen ab. Eine Hiobsbotschaft für die Regierenden in Ost-Berlin, denn der Geflohene ist nicht nur ein hoher Funktionär – Stellvertreter von FDJ-Chef Erich Honecker – er hat auch 300.000 Westmark aus der Parteikasse mitgehen lassen.
Die Autorin Karoline Kleinert mit Gershom Tryster, einem Schulkameraden ihres Großvaters in Israel. © rbb/Peter Wolter
Die Autorin Karoline Kleinert mit Gershom Tryster, einem Schulkameraden ihres Großvaters in Israel.
Die filmische Suche führt zu den Orten, an denen Heinz Lippmann gelebt hat und zu Menschen, die ihn gekannt haben. Dabei kristallisiert sich das Bild eines Menschen heraus, dessen Leben einer Achterbahnfahrt entlang der Abgründe der deutschen Geschichte gleicht.
Häftlingsfotos von Heinz Lippmann in Auschwitz. © rbb/Archiv der Gedenkstätte Auschwitz
Häftlingsfotos von Heinz Lippmann in Auschwitz.
Als "Halbjude" von den Nationalsozialisten verfolgt und durch die Hölle von Auschwitz gegangen, wird Heinz Lippmann zum glühenden Kommunisten. Voller Begeisterung beteiligt er sich am Aufbau eines sozialistischen Deutschlands. Innerhalb weniger Jahre wird aus dem KZ Häftling ein Spitzenfunktionär. Und doch ergreift er auf dem Höhepunkt seiner Karriere die Flucht.
In den Archiven des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit finden sich etliche Aktenbände zum Fall Heinz Lippmann. © rbb/Peter Wolter
In den Archiven des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit finden sich etliche Aktenbände zum Fall Heinz Lippmann.
Aber auch im Westen kommt er nicht zu Ruhe, hat Kontakte zum Verfassungsschutz, wird von der Staatssicherheit bespitzelt und verfolgt. Zeit seines Lebens wird er ein Getriebener bleiben – auf der Suche nach einem "Dritten Weg" zwischen Kommunismus und Kapitalismus, zwischen Ost und West.

Film von Karoline Kleinert

Erstausstrahlung 08.12.2011/rbb