Andrej Reder mit Mutter, Quelle: rbb/MDR
Andrej Reder mit Mutter

Als Deutsche unter Stalin geboren - Im Schatten des Gulag

Der Film beschäftigt sich mit einem bisher weitgehend unbekannten Aspekt der jüngeren deutschen Vergangenheit.

Loretta Walz und ihre Co-Autorin Annette Leo haben 21 dieser "Kinder des Gulag" ausfindig gemacht. Im Film sprechen acht von ihnen über ihr Leben und das Schicksal ihrer Eltern in der Sowjetunion und in der DDR. Viele hatten ihre Erinnerungen noch nie zuvor in Worte gefasst.
Alex Glesel (vordere Reihe, Mitte), Quelle: rbb/MDR
Alex Glesel (vordere Reihe, Mitte)
Sie beleuchtet die Geschichte der Kinder deutscher Emigranten, die mit ihren Eltern in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts ins Exil in die Sowjetunion gehen oder dort geboren werden.
Tamara Novotna mit Eltern, Quelle: rbb/MDR
Tamara Novotna mit Eltern
Während der stalinistischen Säuberungen werden ihre Mütter oder Väter als "Feinde des Sowjetvolkes", als Trotzkisten, Faschisten, Spione, Verräter oder Saboteure verhaftet, mit Folter zu "Geständnissen" gezwungen und in Lager des Gulag verschleppt oder ermordet. Ihre Kinder kommen in Heime, andere werden mit ihren Eltern nach Sibirien oder Kasachstan deportiert.
Alex Glesel, Quelle: rbb/MDR
Alex Glesel
Viele müssen Zwangsarbeit leisten, Hunderte sterben. Erst in den fünfziger Jahren werden die überlebenden Eltern rehabilitiert und dürfen mit ihren Kindern nach Deutschland zurückkehren – in die DDR. Dort sind die Kinder, inzwischen meist Jugendliche oder junge Erwachsene, Fremde, sie sprechen die Sprache nicht und werden diesmal als "Russen" ausgegrenzt.
Tamara Novotna
Sie werden zwar nicht mehr bedroht, können ohne zu hungern unter menschenwürdigen Bedingungen leben und ein bürgerliches Leben beginnen – aber über ihre Vergangenheit, ihre schrecklichen Erfahrungen und grausamen Erlebnisse zu reden, wird ihren verboten.
Andrej Reder, Quelle: rbb/MDR
Andrej Reder

Schließlich wird die DDR von Männern regiert, die zum Teil ebenfalls aus dem sowjetischen Exil zurückkehrten und in den Jahren des stalinistischen Terrors nicht auf der Seite der Opfer gestanden hatten. Diese Männer haben viele – auch sehr persönliche – Gründe, über die Zeit in der UdSSR zu schweigen und das Schweigen darüber zu verordnen.

Dokumentarfilm von Loretta Walz / Deutschland 2011

Erstausstrahlung 01.12.2011/rbb