
Interview mit Prof. Ralf Kätzel - Professor Ralf Kätzel ist Waldzukunftsforscher am Landeskompentenzzentrum Forst Eberswalde.
Wie macht sich der Klimawandel im Brandenburger Wald bemerkbar?
Prof. Ralf Kätzel: Der ist deutlich sichtbar und nachweisbar. Wir sehen dies zum Beispiel an der Entwicklung der Jahrringe und am Austriebsverhalten. Der Austrieb der Bäume ist 7-10 Tage früher als noch vor 20,30 Jahren, der Blattfall verschiebt sich im Herbst weiter nach hinten, d.h. die Vegetationsperiode wird länger. Das ist erst mal vom Grundsatz her positiv. Extreme Jahre wirken sich dann aber wieder negativ aus, zum Beispiel lang anhaltende Trockenheiten. Das Dickenwachstum der Bäume, d.h. der Holzzuwachs wird dann geringer.
Muss man sich um Brandenburgs Wälder Sorgen machen?
Prof. Ralf Kätzel: Wenn man weiter in die Zukunft schaut, dann denke ich, sind Sorgen absolut berechtigt, weil wir natürlich im Moment nicht wirklich wissen, welche Baumarten extreme Änderungen des Klimas tatsächlich überstehen und welche Wege zu beschreiten sein werden, damit man zukünftig noch Holz in ausreichender Menge und Qualität produziert.
Warum ist Brandenburg als Bundesland so gut geeignet, um die Vorboten des Klimawandels zu erforschen?
Prof. Ralf Kätzel: Wir haben in Brandenburg einige standörtliche Besonderheiten. Bezogen auf den Wasserhaushalt sind es gleich zwei Phänomene: es regnet weniger und der wenige Regen, der noch da ist, der sickert sehr schnell durch diese Sandböden. Das ist der erste Punkt, die Wasserverfügbarkeit. Ein weiterer Punkt sind die Baumartenanteile. Wir haben historisch bedingt die Kiefer als Hauptbaumart mit 70 bis 80 Prozent im Wald.
Sie koordinieren seit 2010 ein bundesweites Forschungsprojekt, das die Suche nach seltenen vergessenen Waldbaumarten zum Thema hat. Wozu suchen Sie diese Bäume?
Prof. Ralf Kätzel: Es geht in diesem Forschungsprojekt darum, zehn seltene Baumarten - dazu gehören Elsbeere, Speierling, Eibe, Wildapfel, Wildbirne - zu finden, sie in Deutschland zu kartieren und zu vermehren.
Der Hintergrund ist natürlich ganz klar: die Artenvielfalt in unseren Wäldern wieder zu erhöhen. Denn es gibt unter diesen Baumarten welche, die vom Klimawandel profitieren könnten, wenn man an so mediterrane Arten wie Speierling und Elsbeere denkt. Das geht natürlich nur, wenn man genügend verjüngungsfähiges Material hat, was man später in die Wälder bringen kann. Dazu muss man viele Vorarbeiten leisten, die Jahre dauern und der erste Schritt davon ist, potentielle Bäume zu finden, die später mal der Vermehrung dienen können.
Der Hintergrund ist natürlich ganz klar: die Artenvielfalt in unseren Wäldern wieder zu erhöhen. Denn es gibt unter diesen Baumarten welche, die vom Klimawandel profitieren könnten, wenn man an so mediterrane Arten wie Speierling und Elsbeere denkt. Das geht natürlich nur, wenn man genügend verjüngungsfähiges Material hat, was man später in die Wälder bringen kann. Dazu muss man viele Vorarbeiten leisten, die Jahre dauern und der erste Schritt davon ist, potentielle Bäume zu finden, die später mal der Vermehrung dienen können.
Ist Vielfalt die beste Lebensversicherung für den Wald?
Prof. Ralf Kätzel: Ja natürlich, weil man dadurch das Risiko, das eine Baumart mit sich bringt, mindern kann. Der Klimawandel, das ist nicht ein Ereignis, was man überlebt wie vielleicht einen Autounfall, sondern der Klimawandel ist ein über lange, lange Zeiträume gehender tatsächlicher Wandel, der schon begonnen hat und von dem niemand weiß, wann, ob und wie er endet.
Was ist mit den traditionellen Waldbaumarten wie Buche oder Eiche? Welche Chancen haben sie in der Zukunft?
Prof. Ralf Kätzel: Da schauen wir aktuell, wo gibt es Herkünfte dieser Arten innerhalb des großen europäischen Verbreitungsareals, wo Witterungs- und Klimabedingungen herrschen, die wir hier mittelfristig in Brandenburg erwarten. Da ist es ganz interessant zu sehen, wie kommt zum Beispiel die Eiche oder die Buche im Mittelmeerraum zurecht. Es ist für uns hoch interessant, trockene Standorte anzuschauen mit Traubeneichen in der Südukraine, Moldawien, Rumänien, Bulgarien. Auch in der Türkei gibt es Traubeneichen. Da sind wir im Gespräch mit Kollegen aus diesen Ländern. Letztes Jahr waren wir in der Ukraine. Es gibt genauso interessante Bestände in Österreich und in der Schweiz. Es geht darum, einen Mix von Herkünften bezüglich ihrer Anpassungsfähigkeit in Brandenburg zu testen.
Frage: Welche Eigenschaften müssen diese Waldbäume mit bringen?
Prof. Ralf Kätzel: Es wäre ein einfaches, wenn man Bäume aus dem Mittelmeerraum zu uns holt. Das wird überhaupt nicht funktionieren. Wir werden z. B. auch in Zeiten des Klimawandels Frostereignisse haben. Dann werden diese Herkünfte größte Schwierigkeiten haben, d.h. wir brauchen eigentlich die "Eier legende Wollmilchsau". Das ist gerade das Problem, die Kompromisse in den Eigenschaften dieser Bäume zu finden, das ist gerade das schwierige.
Den Superbaum für die Zukunft wird es also nicht geben?
Prof. Ralf Kätzel: Den hat es nie gegeben und trotzdem gibt es immer noch Wälder. Wir suchen also nicht den Superbaum, sondern wir suchen den überlebensfähigen Baum.

