Der größte Medizinskandal der DDR - Nur eine Spritze
Der Film erzählt erstmalig die Geschichte einer Tragödie, die sich Ende der 70er Jahre im Gesundheitssystem der DDR ereignete. Tausende junge Mütter wurden unwissentlich mit dem aggressiven Hepatitis-C-Virus in ostdeutschen Krankenhäuern infiziert.
Die Ansteckung mit dem Virus geschah über eine "Anti D Prophylaxe", die eigentlich die Gesundheit von Mutter und Kind sicherstellen sollte. Der eigentliche Skandal: Die Infizierung der jungen Mütter hätte verhindert werden können. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Spritzen mit Hepatitis C Viren verunreinigt sein könnten, war bekannt. Niemand reagierte jedoch mit aller Konsequenz: Weder der Hersteller der Anti D Prophylaxe, das Blutspende Institut in Halle a. d. Saale noch das zuständige staatliche Kontrollinstitut in Ost Berlin erkannten die Dringlichkeit, schnellst möglich zu handeln, um die bevorstehende Tragödie zu verhindern.
Dr. Barbara Kirsch, damals Bezirkshygieneinspektorin Leipzig - sie machte die infizierten Personen für einen Bluttest ausfindig.
Aufgrund wissenschaftlichen Ehrgeizes und der Mangelwirtschaft auch in der Medizin wurde die Infektionswelle nicht gestoppt und es erkrankten letztendlich tausende junge Mütter schwer. Um die schrecklichen Vorkommnisse vor der Öffentlichkeit geheim zu halten, wurden die Frauen über Monate hinweg von ihren Neugeborenen getrennt, in Krankenhäusern quer durch die Republik isoliert und verpflichtet, Stillschweigen zu bewahren.
Dr. Heinz Richter, damals Institut für Impfstoffe Dessau - er musste die verunreinigten Proben untersuchen.
Einige der Frauen starben an der Hepatitis C Infektion, andere sind bis heute schwer und chronisch geschädigt. Der Film von Ariane Riecker und Anne Mesecke rekonstruiert detailliert die Vorgänge in den Jahren 1978/79, begibt sich auf die Suche nach den Ursachen und Hintergründen des Skandals.
Dr. Volker Thierbach, Experte: Damals Leiter Bezirksinstitut für Blutspendewesen und Transfusionswesen Leipzig
Die Autoren sprechen mit beteiligten Wissenschaftlern, betreuenden Ärzten und Hygienikern, mit dem damals ermittelnden Kriminalpolizisten, und natürlich mit den Betroffenen: mit Frauen wie Iris Heinrich, Sabine Schley, Margit Schröter, Marina Schneider, Eva Comel, Cornelia Trentzsch und Birgit Ebert, für die die Hepatitis C Infektion einen tragischen Einschnitt in ihr Leben bedeutete.