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Ella Milch-Sheriff wuchs in Israel mit dem Schweigen ihres Vaters auf. Erst als sie sein Tagebuch liest, erfährt sie von seinem grausamen Geheimnis.
"Der Himmel ist leer" hatte Baruch Milch 1942 in Polen geschrieben. Sie übersetzt seine Geschichte in ihre Sprache: die Musik. "Mein Himmel ist nicht leer – er ist voller Musik" erzählt sie der Filmemacherin Aneta Panek. Ein Portrait.
Ein Schlager plätschert aus den Lautsprechern am Strand von Tel Aviv. Lachende, Ball spielende, flirtende junge Menschen. Eine mädchenhafte blonde Frau spaziert am Meer. Eine harsche Melodie verdrängt den Schlager. Es ist die Musik, die sie in ihrem Kopf hört. Es ist das Lied, das sie für ihren Vater geschrieben hat.
"Der Himmel ist leer" hatte der verzweifelte Baruch Milch in sein Tagebuch gekritzelt, 1942, nachdem die Deutschen seine junge Frau und seinen kleinen Sohn ermordet hatten. Das Leben des erfolgreichen jungen Arztes in Ostpolen war zu Ende – er hat überlebt, nicht gelebt. Er wurde ein Anderer.
Dieser Überlebende gründete in Israel eine neue Familie. Aber er sprach nicht, über das was geschehen war. Seine Tochter Ella wuchs mit seinem Schweigen und der vermeintlichen Kälte der Eltern auf, die sie nicht verstand, bis Dr. Milch seiner 13-jährigen Tochter sein Tagebuch in die Hand drückte.
Ella erfährt von seiner ersten Familie und von dem unvorstellbaren Grauen, das er durchlebte. Sie erfährt von seinem Geheimnis und sie gibt schließlich diesem schwierigen, schweigenden Vater eine Stimme: in der Sprache, die die heute 56jährige am besten beherrscht: der Musik! Mit der Oper "Baruchs Schweigen" hat sie seine Geschichte und ihre Kindheit verwoben und in Musik übersetzt.
Die Filmemacherin Aneta Panek hat die Künstlerin begleitet: in Tel Aviv, nach Braunschweig zur Uraufführung von "Baruchs Schweigen", nach Ostpolen, auf den Spuren ihres Vaters. Für die Geschichte der Musikerin hat sie assoziative und poetische Bilder gefunden, Film und Musik entfalten eine Sogwirkung.
Ella Milch-Sheriff ist eine "Sabra": Die in Israel Geborenen nennen sich nach der Kakteen-Frucht: außen stachelig und innen süß. In Israel ist die Musikerin und Komponistin von Konzerten, Kantaten, Opern, sehr bekannt. Sie hat u.a. in Berlin studiert und Deutsch ist eine der vielen Sprachen, die sie spricht.
Mit den jungen Sängern in Braunschweig probt sie die Szene, in der ihr Vater die "10 Gebote" formuliert: so hat er sie in sein Tagebuch notiert als er vom vom Massaker an seiner Familie erfährt. Sie singen mit Geisterstimmen:
"Du sollst keinen anderen Gott haben als dich selbst... Tu nur, was dir selbst nutzt... Vertraue Keinem – und: Glaube nicht – der Himmel ist leer!"
Bei der Premiere verwandelt sich die Braunschweiger Bühne in das polnische Totenhaus von 1942. Was Historiker oder Publizisten häufig als "unfassbar" beschreiben, hat an diesem Abend die Köpfe und Herzen der Zuschauer erreicht.
"Mein Himmel ist nicht leer, mein Himmel ist voller Musik" sagt Ella Milch-Sheriff in Tel Aviv, am Grab ihrer Eltern. Und lächelt. Versöhnt.
Film von Aneta Panek
(Erstausstrahlung 01.09.2010/rbb)
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/doku/titel_mit_m__n/mein_himmel_ist_voller.html