Die französische Schauspielerin Juliette Binoche kommt am 05.02.2015 in Berlin zur Eröffnungsgala der 65. Internationalen Filmfestspiele und zur Premiere von «Nobody wants the Night». Der Film läuft auf der Berlinale im Wettbewerb außer Konkurrenz (Quelle: dpa/Britta Pedersen)

Eröffnung der 65. Berliner Filmfestspiele - Juliette Binoche bringt die Berlinale zum Strahlen

Mit dem Grönland-Drama "Nobody wants the night" von Isabel Coixet sind am Donnerstagabend die 65. Internationalen Filmfestspiele eröffnet worden - mit einem großen Staraufgebot. Für die Höhepunkte auf dem roten Teppich sorgten zwei Französinnen: Oscarpreisträgerin Juliette Binoche und Jury-Mitglied Audrey Tautou. Bis zum 15. Februar zeigt die Berlinale mehr als 400 Filme. 19 Regiearbeiten konkurrieren um den Goldenen Bären.

Mit prominenten Gästen aus dem Filmgeschäft hat am Donnerstagabend die 65. Auflage der Berlinale begonnen. Gemeinsam mit dem diesjährigen Jury-Präsidenten, dem US-Filmemacher Darren Aronofsky, eröffnete Intendant Dieter Kosslick die Filmfestspiele. Zum Auftakt stand das Grönland-Drama "Nobody Wants the Night" der spanischen Regisseurin Isabel Coixet auf dem Programm. Star des Abends war die Hauptdarstellerin und Oscarpreisträgerin Juliette Binoche, die in einem langen weißen Abendkleid für einen Glanzpunkt sorgte.

Mehr als 1.600 Gäste waren zur Eröffnungsgala in den Berlinale-Palast gekommen. Durch die gut eine Stunde dauernde Show führte wie schon im vergangenen Jahr Moderatorin Anke Engelke - mit mindestens soviel Witz und Charme. Im beigefarbenen Kleid mit Schleppe begrüßte sie die zahlreichen bekannten Gäste aus dem nationalen wie internationalen Filmgeschäft. Im Publikum saßen etwa Volker Schlöndorff, Christoph Waltz, Iris Berben, Matthias Brandt oder Udo Kier. Doch vor allem ein Gast tat es Anke Engelke besonders an: James Franco. Für ihn nahm sie sich lange Zeit für einen ausgiebigen Plausch, was den Mimen sichtlich amüsierte. Franco ist im übrigen in insgesamt drei Filmen auf der Berlinale zu sehen.

Politische Dimension der Berlinale gewürdigt

Neben dem Glamourfaktor stand aber auch die politische Bedeutung der Filmfestspiele im Mittelpunkt: Kulturstaatssekretärin Monika Grütters (CDU) sagte bei der Eröffnung, nach den Terroranschlägen von Paris im Januar stelle sich die Frage, wie weit Kunst gehen könne und dürfe und wie politisch ein solches Filmfestival sein müsse. "Politisch war die Berlinale immer", betonte Grütters. Das sei auch in diesem Jahr nicht anders. Grütters verwies dabei auf den Wettbewerbsfilm "Taxi" des iranischen Filmemachers Jafar Panahi, der den Film trotz eines Berufsverbots in seiner Heimat gedreht hat.

Ein Filmfestival wie die Berlinale "begeistert Menschen, zieht Menschen an", sagte Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller (SPD). Es bringe das Publikum dazu, sich auch "mit Themen auseinanderzusetzen, zu denen man sonst keinen Zugang hat", verwies auch er auf eine politische Dimension der Berlinale.

Audrey Tautou beim Internationale Jury Photocall im Rahmen der 65. Internationale Filmfestspiele Berlin Berlinale am 05.02.2015 in Berlin (Quelle: imago)
Die diesjährige Berlinale-Jury mit der Französin Audrey Tautou in der Mitte scheint sich gut zu verstehen

Großes Staraufgebot auf dem roten Teppich

Zuvor gab es das große Schaulaufen der Stars über den roten Teppich: Juliette Binoche traf als eine der letzten Gäste ein, um anschließend in den Berlinale-Paslat zur großen Premierenfeier zu gehen. Zuvor traf die Berlinale-Jury ein: Vor allem die französische Schauspielerin Audry Tautou sorgte für ein Highlight auf dem roten Teppich. Neben Tautou waren auch Jury-Präsident Darren Aronofsky, sowie Daniel Brühl, Matthew Weiner, Martha de Laurentiis, Bong Joon-ho und Claudia Llosa dabei.

"Starke Frauen in extremen Situationen" - das hat Berlinale-Chef Dieter Kosslick als eines der Schwerpunktthemen der diesjährigen Berliner Filmfestspiele ausgerufen und dabei wohl auch den Eröffnungsfilm von Isabel Coixet im Hinterkopf gehabt.

In "Nobody wants the night" spielt Oscar-Preisträgerin Juliette Binoche die Ehefrau eines berühmten Polarforschers, die ihrem Mann im Jahr 1908 ins eisige Grönland folgt. Wieder zeigt die spanische Filmemacherin eine Frau, die jenseits ihres gewohnten Alltags Mut und Risikobereitschaft beweist.

Juliette Binoche und die filmische Kälte

Vor der Festivaleröffnung stellten sich Isabel Coixet und Juliette Binoche den Fragen der Journalisten. Eine der am häufigsten gestellten Fragen lautete, wie kalt es bei den Dreharbeiten zum Grönland-Drama war. Nicht besonders, so erzählte es Oscarpreisträgerin Binoche. 

Demnach wurde nur an zehn Tagen in Norwegen gedreht, im warmen Studio konnten sich die Darsteller die Kälte jedoch mit ihrer Phantasie vorstellen. "Es war alles echt, aber alles falsch", sagte die Französin. Ihre Figur, Josephine Peary, beschrieb sie als einen Pfau, der sich in einen Hund verwandelt und auf allen Vieren ums Überleben kämpfen muss.

Vier deutsche Wettbewerbs-Beiträge

Ins Rennen um den Goldenen Bären gehen vom 5. bis 15. Februar neben dem Eröffnungsfilm 18 weitere Filme, unter anderem aus Frankreich, den USA, Polen, Chile, Vietnam, China und Japan. Guatemala wird seine Premiere im  Bären-Wettbewerb feiern.

Aber auch Deutschland zeigt wieder starke Präsenz: Neben Sebastian Schippers Berlin-Thriller "Victoria" ist auch Andreas Dresen mit "Als wir träumten" vertreten, der unter anderem vom rbb koproduziert wurde. Insgesamt laufen bei den Filmfestspielen acht rbb-Koproduktionen in den verschiedenen Sektionen.

Goldener Ehrenbär für Wim Wenders

Im offiziellen Programm finden sich gleich drei weitere deutsche Regie-Schwergewichte: Oliver Hirschbiegel ("Der Untergang") stellt "Elser" über den Hitler-Attentäter Georg Elser vor. Wim Wenders ("Pina", "Der Himmel über Berlin") zeigt "Every Thing Will Be Fine", den einzigen 3D-Film im Wettbewerb. Beide Filme laufen allerdings außer Konkurrenz und sind somit im Rennen um die Bären nicht dabei.

Die 65. Berlinale dürfte für Wenders aber trotzdem ein ganz besonderer Jahrgang werden: Er bekommt einen Goldenen Ehrenbären verliehen und zehn seiner früheren Werke werden in einer Hommage aufgeführt.  Der deutsche Filmemacher Werner Herzog ist im Wettbewerb mit der US-amerikanischen Produktion "Queen of the Desert" vertreten, die die Lebensgeschichte der britischen Forschungsreisenden Gertrude Bell erzählt.

Glanzvoll gestartet: Die Eröffnungsgala der Berlinale

Die 65. Berlinale eröffnet mit Staraufgebot

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