"Twilight"-Star Robert Pattinson im Interview - "Ich bin genau da, wo ich sein wollte"

Auch nach zwei Cronenberg-Filmen zweifeln noch viele an den schauspielerischen Fähigkeiten von "Twilight"-Star Robert Pattinson. Am Montag stellte er nun auf der Berlinale seinen neusten Film "Life" vor - zusammen mit dem Regisseur Anton Corbijn. Im Interview mit Anna Wollner erklärt der einstige Vampir-Star, was ihn persönlich mit dem Film verbindet und warum er sich in seiner Karriere an einem guten Punkt fühlt.

rbb online: Mr. Pattinson, ist James Dean für Ihre Generation noch immer eine Ikone?

Robert Pattinson: Definitiv. Vor allem als ich jung war. Ich kannte James Dean, bevor ich selbst überhaupt wusste, dass ich Schauspieler werden will. Ich kannte viele seiner Interviews. Er war stilprägend und hat Einfluss auf jeden Schauspieler. Allein durch seine Körperlichkeit. Jeder, der sich nach vorne lehnt und dabei cool aussehen will, kopiert doch James Dean. (lacht)

Es hat eine gewisse Ironie, dass Sie einen Fotografen spielen. Denn Sie selbst sind in Ihrem Leben oft mit Fotografen aneinander geraten und bisweilen haben die Ihr Leben zur Hölle gemacht. Wie war das, selbst einen Fotografen darzustellen?

Sie machen es ja noch immer. Aber um ehrlich zu sein: Ich hatte eine sehr vorgefertigte Meinung über Fotografen. Genauso wie Anton Corbjin. Unsere Vorstellungen hätten unterschiedlicher nicht sein können. Für Anton ging es beim ganzen Film um das Wesen der Fotografen. Ich habe Dennis Stock aber überhaupt nicht als Fotografen wahrgenommen, sondern als jemanden, der unbedingt Künstler sein wollte. Er hat in James Dean genauso einen Künstler gesehen wie in sich selbst. Im Film ging es mir um diese beruflichen Eifersüchteleien: Wieso wird Dean als Künstler gesehen und ich nicht. Das mochte ich daran.

Sie geben als Schauspieler viel von sich Preis und gleichzeitig die Verantwortung an den Regisseur ab. Wie gehen Sie damit um, dass Sie auf das finale Produkt nur indirekt Einfluss haben?

Es ist immer eine Art Glückspiel, aber auch eine Vertrauenssache. Ich habe mit dem Regisseur Anton Corbijn ein Jahr vor Beginn der Dreharbeiten eine Stunde lang gesprochen und dann die Rolle angenommen. Ich hatte das Drehbuch eine halbe Stunde vor unserem ersten Treffen kurz überflogen und wollte ihn beeindrucken. Er hätte mit allem kommen können. Erst bei den Dreharbeiten habe ich ein Gefühl für die Geschichte bekommen.

Was hat Ihnen an dem Film gefallen?

Der Film hat einen merkwürdigen Ton, es geht um so viele allgemeingültige Sachen, er ist aber auch sehr persönlich. Er thematisiert zum Beispiel die Situation, wenn du als Künstler vor etwas Angst hast, Dir selbst im Weg stehst, Dich blockierst und Dein Potential nicht ausnutzt. Das verkörpert die Rolle von Dennis Stock. Damit konnte ich etwas anfangen.

Sie stehen sich oft selbst im Weg?

Viele Schauspieler haben oft das Gefühl, dass sie Dinge nur faken und haben Angst, dass eines Tages irgendwem auffällt, dass sie überhaupt nicht spielen können. Diese Angst hält auch mich von vielen Dingen ab, die ich eigentlich tun will. Und auch der Charakater Dennis Stock im Film hat, anstatt an sich zu glauben, ständig Ausreden dafür, warum er nicht der richtige Mann für den Job ist. Damit konnte ich mich identifizieren.

Und woher ziehen Sie als Schauspieler dann Ihr Selbstvertrauen?

Ich habe aufgehört darüber nachzudenken und tue Dinge einfach. Oft mache ich mir erst hinterher Sorgen. Aber da es dann zu spät ist, ist es egal. Außerdem mache ich mir immer wieder bewusst, dass ich eigentlich unglaublichen Spaß an der Sache habe.

Sie haben vor über zehn Jahren Ihre Karriere gestartet. Zeit für eine Art Zwischenresümee. Wie zufrieden sind Sie mit ihrer Karriere?

Eigentlich bin ich genau da, wo ich sein wollte. Nach Twilight  wusste ich, dass es eine Weile dauern wird, bis die nächste Karrierestufe kommt. Langsam komme ich da aber an. Ich versuche natürlich immer, ein besserer Schauspieler zu werden, aber es hängt so viel vom Material ab, das ich angeboten bekomme. Natürlich ist das Schauspiel die Vorlage, aber jeder Regisseur bietet Dir andere Möglichkeiten.

Wie war es für Sie, als die "Twilight"-Saga beendet wurde?

Ich hatte keine Ahnung, was ich mit mir anfangen sollte, und dann kam das Angebot von "Cosmopolis" - praktisch aus dem Nichts, drei Wochen, bevor wir "Twilight" abgedreht hatten. Das hat alles verändert.  Denn auf einmal waren die Filme, die ich persönlich mag, für mich als Schauspieler in Reichweite.

Tag fünf der Berlinale auf dem roten Teppich

Der Montag auf dem roten Teppich

Beitrag von Anna Wollner

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