Besucher der Bundesgartenschau 2015 sitzen in Brandenburg an der Havel auf bunten Stühlen (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 11.10.2015 | Annette Dornieden

Weniger Besucher als erwartet - BUGA endet mit Millionendefizit

Nach einem halben Jahr hieß es am Sonntagabend "Adieu, BUGA" – die Bundesgartenschau schloss ihre Tore. Dabei fällt die Bilanz nicht gut aus für die Veranstalter: Deutlich weniger Gäste als erwartet besuchten die Blumenschau. Und: Sie hinterlässt ein Millionendefizit. Der Staffelstab wird nun an Berlin weitergereicht. 

Ein letztes Mal Pflanzenpracht und Blumenmeere: Seit Sonntagabend ist die BUGA 2015 offiziell beendet - und die finanzielle Bilanz ist desaströs. In den vergangenen 177 Tagen kamen deutlich weniger Gäste in die Havelregion als erwartet. Etwas mehr als 1,05 Millionen Menschen besuchten die BUGA – gerechnet hatte man mit rund 1,5 Millionen. Die Folge: ein riesiges Defizit.

Dietlind Tiemann, Vorsitzende Buga-Zweckverband (l.), Jochen Sander, Geschäftsführer Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH (M) und Erhard Skupch, Geschäftsführer Buga-Zweckverband (r.) während der Bilanz-PK zum Abschluss der Bundesgartenschau 2015 am 11.10.2015 in Havelberg (Sachsen-Anhalt) (Quelle: dpa)
Tiemann spricht bei der Bilanz-PK zur Buga

Erstmalig: eine BUGA, fünf Standorte

Das verkündeten Dietlind Tiemann, Vorsitzende des BUGA-Zweckverbandes, Jochen Sander, Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft, und Erhard Skupch, Geschäftsführer des BUGA-Zweckverbandes bei der abschließenden Pressekonferenz am Sonntag in Havelberg (Sachsen-Anhalt). Den Angaben nach verzeichneten sie ein Minus von rund zehn Millionen Euro. Die Kosten müssen nun die fünf beteiligten Orte tragen: Brandenburg/Havel, Premnitz, Rathenow, Stölln und Havelberg in Sachsen-Anhalt.

Die Finanzierungslücke ist laut BUGA-Zweckverband durch zu wenig verkaufte Tickets, geringe Parkerlöse und Mindereinnahmen aus der Gastronomie entstanden. Auch das extreme Wetter mit Hitze, Stürmen und Unwettern sowie der wochenlange Streik bei der Deutschen Bahn hätten ihre Spuren in den Zahlen hinterlassen.

Erstmals in der Geschichte der BUGA hatte sich die Schau auf mehrere Standorte verteilt. Sandner verteidigte das Konzept mit mehreren Standorten. "Da ist überhaupt kein bitterer Beigeschmack oder schlechte Laune. Es war ein Stückchen Neuland." Bei den Gästen sei dies sehr gut angekommen und für die kommenden Jahre gebe es Interessenten für ähnliche Konzepte. Der BUGA-Chef betonte, man müsse sich aber auch auf veränderte Sehgewohnheiten der Besucher einstellen.
 

Poloski: Wir würden es wieder machen

Die Verantwortlichen zeigten sich trotz der Besucherzahl und des Defizits zufrieden. Die Region sei bekannter geworden und zusammengewachsen, sagte Tiemann. Es seien mindestens 100 Millionen Euro an Investitionen in die Region geflossen - das habe dauerhaft Auswirkungen. Viele Menschen seien erstmals in die Region gekommen. Die Unterkünfte seien ausgebucht gewesen - mehr Werbung hätte nicht gemacht werden können, so Tiemann.

Mehrere Stadtchefs betonten, die Mehrkosten seien nicht einfach zu stemmen. Der Havelberger Bürgermeister Bernd Poloski steht jedoch zu der Entscheidung für die BUGA: "Wenn wir heute wieder vor der Wahl stünden und jemand sagen würde, es kommen aber noch mal 650.000 Euro für die Stadt Havelberg dazu - wir würden sicherlich genauso wieder entscheiden."

BUGA-Skyliner als Besuchermagnet

Insgesamt flossen 35,2 Millionen Euro in die Ausstellungen, technische Ausstattung, Infrastruktur und Marketing. Das Ausstellungsgelände umfasste dabei 53 Hektar. Auch wenn die Besucherzahlen insgesamt unter den Erwartungen lagen, so zog zumindest der mehr als 70 Meter hohe BUGA-Skyliner mehr Gäste an als erwartet: Der nach Veranstalterangaben höchste mobile Aussichtsturm Europas hatte rund 160.000 Gäste, veranschlagt waren lediglich 125.000. Der besucherstärkste Tag war der 25. Mai mit 16.666 Gästen, der schwächste Tag der 7. Oktober mit 549 Besuchern.

Bevor die BUGA ihre Pforten am Sonntagabend schloss, wurde trotz ernüchternder Bilanz dennoch gebührend der Abschluss gefeiert. Am Nachmittag fand der offizielle BUGA-Abschlussgottesdienst im Dom St. Marien in Havelberg statt. Auch an den übrigen Standorten der Schau gab es verschiedene Bühnenprogramme.

IGA 2017 in Berlin

Mit dem Schlusspfiff der BUGA wurde der Staffelstab an Berlins Senator für Inneres und Sport, Frank Henkel (CDU), weitergegeben. Denn ab dem 13. April 2017 findet in der Hauptstadt, ausgehend von Marzahn-Hellersdorf, die Internationale Gartenausstellung statt.

In einer der größten Plattenbausiedlungen Europas dreht sich dann alles um grüne Stadträume und Kultur in unterschiedlicher Dimension und Gestalt. Rund 100 Hektar umfasst die IGA-Ausstellungsfläche in Berlins östlichstem Stadtbezirk.

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