Bismarckturm in Rathenow, einem der fünf Buga-Standorte (Quelle: imago/PEMAX)

BUGA-Bilanz fällt zwiespältig aus - Für die Havelregion hui, für die Stadtkassen pfui

Im April startete die erste dezentrale Bundesgartenschau der Geschichte - nie zuvor waren fünf Standorte beteiligt. Wegen Bahn-Streiks, Wetterchaos und der vielen Standorte gilt sie am Ende als nur teilweise gelungen, finanziell sogar als Desaster. Die Bürgermeister hoffen jetzt auf nachhaltige Effekte. Von Michel Nowak

Die Bundesgartenschau 2015 ist ein Experiment. Mit diesem Wort bezeichnen die Macher in der Havelregion die 33. Auflage der bedeutendsten deutschen Gartenbau-Ausstellung. Nie zuvor waren gleich fünf, teils weit auseinanderliegende Standorte beteiligt. Nie zuvor müssen die Besucher so viele Kilometer zurücklegen, um die verschiedenen Grünzüge, Parks und Blumenhallen zu sehen. Das Fazit nach einem halben Jahr fällt zwiespältig aus: Das Experiment gilt nur als teilweise gelungen. 

Der Stöllner Steppengleiter auf der BUGA (Quelle: rbb / Michel Nowak)
Viel Platz für die Buga-Besucher, so wie hier an den "Steppengleitern" von Stölln

Große Erwartungen an die BUGA

Als Bundespräsident Joachim Gauck Mitte April 2015 am Packhof in Brandenburg an der Havel die Bundesgartenschau eröffnet, ist die Vorfreude groß. So eine dezentrale Bundesgartenschau sei durchaus eine Wagnis, sagt Gauck und lobt ausdrücklich Mut und Engagement der Beteiligten. Geradezu euphorisch äußert sich Brandenburgs Ministerpräsident: "Ich glaube, die Menschen werden begeistert sein", so Dietmar Woidke an diesem sonnigen Frühlingstag.

Erstmals beteiligen sich mit Brandenburg an der Havel, Premnitz, Rathenow, Stölln (alle Brandenburg) und Havelberg (Sachsen-Anhalt) gleich fünf Kommunen an einer BUGA. Sie alle sind – wie es offiziell heißt – symbolisch verbunden durch das "blaue Band der Havel".

Mehr als 40 Millionen Euro investieren die Städte im Vorfeld. Für die Durchführung sind nochmals 35 Millionen Euro eingeplant. "Das holen wir über Eintrittsgelder und andere Einnahmen wieder rein", ist sich Jochen Sandner, Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft sicher. Insgesamt 1,5 Millionen Besucher erwarten die Organisatoren, der Vorverkauf mit mehr 75.000 abgesetzten Tickets stimmt optimistisch.

Eine Eintrittskarte kostet 20 Euro und berechtigt zum einmaligen Besuch jedes Standorts. Möglichst viele Gäste, so die Hoffnung, könnten gleich mehrere Tage bei einem Kurzurlaub zwischen Rathenower Seerosenarena, Stöllner Steppengleitern und Premnitzer Havelufer verweilen. Mehr als 30 verschiedene Blumenschauen – integriert in die St. Laurentiuskirche von Havelberg und die St. Johanniskirche von Brandenburg an der Havel – sowie der höchste mobile Aussichtsturm der Welt, der "BUGA-Skyliner" sind zusätzliche Anziehungspunkte auf den insgesamt 53 Hektar umfassenden Bundesgartenschau-Arealen.

Versperrter Weg zum Optikpark (Quelle: rbb / Michel Nowak)
Versperrte Wege im Rathenower Optikpark

Der Anfangs-Euphorie folgen leere Parks und Gärten

Doch mit dem schönen Frühlingswetter schwinden auch die Besucher. Schon Anfang Mai fällt auf, dass am Brandenburger Rosenrad und im Havelberger Dechaneigarten oft Leere herrscht. Die Organisatoren verweisen auf langanhaltende Streiks bei der Bahn und im öffentlichen Nahverkehr. Für die BUGA abseits von großen Ballungszentren ist das eine schwierige Situation. "Die Situation kostet uns mindestens jeden zehnten Besucher", sagt BUGA-Sprecherin Amanda Hasenfusz.

Gleichwohl registrieren die beteiligten Kommunen positive Effekte: Hotels und Pensionen verzeichnen erhebliche Steigerungen bei den Übernachtungszahlen, die Arbeitslosigkeit in der Havelregion sinkt messbar.

Die Beete und Rabatten erstrahlen mit tausenden und abertausenden Blumen in voller Pracht. Chef-Gärtner Rainer Berger schaut dennoch sorgenvoll aufs Wetter: "Was wir uns nicht wünschen, ist ein heißer Sommer, vielleicht noch mit schweren Sommergewittern." Sein Wunsch soll sich nicht erfüllen - im Gegenteil: Bald ist diese Bundesgartenschau von heftigen Wetterkapriolen geplagt.

Eine halbe Million Besucher weniger als erwartet

Der 13. Juni wird vielen BUGA-Besuchern in Rathenow dauerhaft in Erinnerung bleiben. An einem drückend schwülen Tag zieht plötzlich ein heftiges Unwetter auf. Ein Mann wird von herunterfallenden Ästen im sogenannten Rhododendrontal erschlagen. Es folgen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, der Standort Rathenow bleibt eine Woche geschlossen. Es bleibt nicht der einzige Tiefschlag: Wiederholt müssen Besucher die Gelände wegen Unwetterwarnungen verlassen, wiederholt sind einzelne Parks gesperrt.

Dazu kommt, dass die Monate Juli und August mit Tagestemperaturen von vielfach bis zu 40 Grad potenzielle Gäste abschrecken. Das belaste die Besucherzahlen, sagt Hasenfusz, "da ist die Hälfte weniger da." Auch das dezentrale Konzept mit fünf Standorten an sich lockt offenbar weniger Menschen an, als erwartet. "Es gibt aber offenbar zu viele Leute, die sagen: 'Ich schaff das alles nicht, das ist mir alles zu viel'", bilanziert Hasenfusz.

Durch die ausbleibenden Gäste fehlen die kalkulierten Einnahmen. So fließen im August täglich statt der anvisierten 100.000 Euro nur 45.000 Euro in die Kassen. Spätestens ab Mitte Juli sind die Bürgermeister der beteiligten Kommunen über die Ausfälle informiert. Bis auf die zusätzliche Einführung eines standortbezogenen Mini-Tickets für 12 Euro dringt an die Öffentlichkeit zunächst eher wenig. "Ich glaube, wir waren gut beraten, diese tolle Veranstaltung nicht durch einen wirtschaftlichen Begleitchor zu stören", so der Premnitzer Bürgermeister Roy Wallenta freimütig.

Während auf der Bundesgartenschau das lange geplante Programm mit Weihnachtssterne-Ausstellung, Drachenfestival oder Blasmusikkonzerten läuft, wächst sich das Minus auf voraussichtlich mehr als zehn Millionen Euro aus.

Roy Wallenta, der Bürgermeister von Premnitz (Quelle: rbb/ Michael Nowak)
Sieht die Buga für seine Stadt als Erfolg: Der Premnitzer Bürgermeister Wallenta

Bürgermeister hoffen auf nachhaltige Effekte

Insgesamt besuchen die Bundesgartenschau gut eine Million Menschen - fast eine halbe Million weniger als prognostiziert. Das Defizit müssen die beteiligten Kommunen ausgleichen, allen voran die einwohnerstärkste Stadt Brandenburg an der Havel. Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann, gleichzeitig BUGA-Zweckverbands-Chefin sieht sich teils harscher Kritik ausgesetzt.

Dennoch: Die unmittelbar Beteiligten sehen die BUGA als weitgehend gelungen an. So entstanden neue Radwege und Straßen, der Bekanntheitsgrad der Region wurde erheblich gesteigert und viele der begeisterten Gäste kündigten offenbar an, wiederkommen zu wollen. Auch wenn die Abschlussrechnung erst Mitte des nächsten Jahres vorliegen wird, ist aber auch schon klar: Mit dieser Art dezentraler Gartenschau lässt sich wohl nur sehr schwer direkt Geld verdienen.
 

Beitrag von Michel Nowak

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