Ballonpaten der "Lichtgrenze" stehen am 09.11.2014 während des Bürgerfestes auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor in Berlin. (Quelle: dpa)
Video: rbb Fernsehen | 25h Mauerfall | 09.11.2014

Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls - Die Mauer ist aus

25 Jahre nach ihrem Fall hat sich die Mauer symbolisch noch einmal aufgelöst: Am Sonntagabend stiegen fast 7.000 Ballons, die entlang der ehemaligen Grenze aufgestellt worden waren, in den Abendhimmel auf und erloschen dabei. Hunderttausende Menschen verfolgten das Spektakel. Diese Aktion war der Höhepunkt des Festwochenendes in Berlin.

Mit einer spektakulären Ballonaktion haben die Feiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am Sonntagabend ihren Höhepunkt erreicht. Beinahe 7.000 Ballons, die den Grenzverlauf der Mauer symbolisieren sollen, starteten zu den Klängen von Beethovens "Ode an die Freude" in die Berliner Nacht. Abschnitt für Abschnitt schwebten die Ballons in den Nachthimmel und haben Berlin symbolisch wieder vereint.

Die Feierlichkeiten werden am Montag in Potsdam, wo die Grenze erst am 10.11. geöffnet wurde, beendet. Diese Gedenkfeier steht unter dem Motto "Aus dem Dunkel ins Licht". Geplant sind Zeitzeugengespräche und Filmvorführungen.

Festgelände am Brandenburg Tor rasch überfüllt

Zehntausende Menschen feierten am Brandenburger Tor auf dem Bürgerfest. Auf der Bühne traten zahlreiche Musiker auf - wie Peter Gabriel, Silly, die Fantastischen Vier, Paul Kalkbrenner und Udo Lindenberg. Dieser erklärte: "Wir feiern hier heute die schönste Party meines Lebens." Moderiert wurde das Bühnenprogramm von Schauspieler Jan Josef Liefers. Das Festgelände am Brandenburg Tor wurde bereits früh von der Polizei abgesperrt - der Besucherandrang war enorm, auch das Handynetz war teilweise überlastet.

Polizei zieht positive Bilanz

Die Berliner Polizei zog trotzdem eine positive erste Bilanz. "Es ist alles ruhig geblieben - so, wie wir es uns gewünscht haben", sagte ein Sprecher am Abend auf Anfrage. Lediglich im Straßenverkehr sei die Situation "katastrophal" gewesen. "Alles war dicht. Wer mit dem Auto unterwegs war, musste sich wirklich mit Geduld wappnen", hieß es.

Viele Schaulustige besuchten den gesamten früheren Verlauf der Berliner Mauer von der Oberbaumbrücke bis zu Bösebrücke an der Bornholmer Straße. Dort wurde der Trambetrieb aus Sicherheitsgründen vorübergehend eingestellt.

Festakt im Konzerthaus

Um 16 Uhr fand am Sonntag im Konzerthaus am Gendarmenmarkt ein großer Festakt des Landes Berlin statt. Unter den geladenen Gästen waren u.a. Angela Merkel, Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit, Ex-Gewerkschaftsführer Lech Walesa und der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow. Wowereit sagte, mit ihrem Freiheitskampf hätten die Bürgerrechtler den Weg zu der großen Umwälzung geebnet.

Ihre Sehnsucht nach Freiheit sei größer gewesen als die Angst vor dem Unterdrückungsapparat. Wowereit erklärte: "Selbstverständlich war die DDR ein Unrechtsstaat." Er erinnerte auch an den Jahrestag der Pogrome vom 9. November 1938. "Hass und Gewalt dürfen bei uns keinen Platz haben", betonte er. Applaus gab es auch für Michail Gorbatschow - der ganze Saal erhob sich zu Ehren des früheren sowjetischen Staatschefs.

Rosen an der Bernauer Straße

Bei der Gedenkstunde am Sonntagvormittag am früheren Grenzübergang Bornholmer Straße, erinnerte der DDR-Bürgerrechtler Ehrhart Neubert daran, dass sich vor 1989 nur wenige Menschen hätten vorstellen können, dass es diese Mauer eines Tages nicht mehr geben könnte und sie etwa durch das Brandenburger Tor spazieren könnten. Unter den Gästen waren auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit. In Erinnerung an die Opfer steckten sie Rosen in die Löcher der dort noch stehenden Mauerreste.

Nach einem Gottesdienst in der Kapelle der Versöhnung auf dem einstigen Todesstreifen eröffnete Bundeskanzlerin Merkel in der Gedenkstätte eine neue Dauerausstellung. In die neue Schau im sanierten Dokumentationszentrum wurden drei Millionen Euro investiert.

Alles leuchtet, fliegt und fotografiert

Hunderttausende an der Lichterkette

Seit Freitagabend erinnerte die "Lichtgrenze" entlang der ehemaligen innerstädtischen Grenze von der Bornholmer Straße bis zur Oberbaumbrücke an die ehemals geteilte Stadt.

Am Freitagabend hatte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Ballons eingeschaltet. Tagelang hatten Helfer die rund 7.000 Ballonstelen in der ganzen Stadt installiert, anfangs hatten die Organisatoren noch von 8.000 Ballons gesprochen.

Die Lichtgrenze blieb bis zum Jubiläum allerdings nicht ganz ohne Blessuren. In der Nacht zum Samstag waren in Kreuzberg und Friedrichshain Ballons mutwillig zerstört worden. Wegen der möglichen politischen Motive übernahm der Staatsschutz die Ermittlungen.  

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