Visualisierung der LICHTGRENZE am Checkpoint Charlie © Kulturprojekte Berlin_WHITEvoid / Christopher Bauder, Foto: Daniel Büche

25. Mauerfall-Jubiläum - Ballonpaten sollen die Mauer steigen lassen

Tausende leuchtende Ballons sollen am 9. November den ehemaligen Grenzverlauf nachzeichnen, wenn Berlin das 25. Jubiläum des Mauerfalls feiert. Noch werden Paten gesucht, die ihren Ballon mit einer individuellen Botschaft versehen, um ihn dann in den Himmel steigen zu lassen.

Mit einem groß angelegten Programm erinnert Berlin an den Fall der Mauer vor 25 Jahren. Als emotionaler Höhepunkt des Festes zum 9. November sollen rund 8.000 leuchtende Ballone in den Abendhimmel steigen. Die Lichtinstallation wird auf einer Länge von 15 Kilometern den einstigen Grenzverlauf nachzeichnen.

Jeder Ballon soll einen Paten bekommen, der mit den Ereignissen vor 25 Jahren etwas verbindet. Allein 3.000 Paten stellen bereits Schulen, Einrichtungen oder Gemeinden der Evangelischen Kirche, die einer der wichtigen Akteure der friedlichen Revolution war. Auch der rbb vergibt Patenschaften für die Ballone. Gesucht werden Paten, die ihre persönliche Teilungsgeschichte erzählen wollen. Sie werden dann am Abend des 9. November ihren Ballon mit Karten, auf denen ihre Botschaft steht, aufsteigen lassen - ein symbolischer Mauerfall. Die Ballons sind aus Naturkautschuk und sollen sich somit umweltverträglich abbauen.

Bereits ab dem 7. November werden die an Stäben befestigten Ballone entlang einer Strecke von 15 Kilometern durch die Innenstadt - von der Bornholmer Straße über das Brandenburger Tor bis zur Oberbaumbrücke -  zu sehen sein und zu Begegnungen einladen.

"Die ganze Welt wird wieder auf Berlin schauen"

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erklärte bei der Vorstellung des Projekts im September, das Jubiläum sei ein besonderer Tag auch für die ganze Welt, die im November 1989 gebannt nach Berlin geschaut habe, wie die Mauer durch eine friedliche Revolution fiel. "Die ganze Welt wird wieder auf Berlin schauen", so Wowereit. Der Mauerfall fasziniere bis heute weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Neben Betonmauern gebe es Mauern in den Köpfen - und die könnten zu Fall gebracht werden. "Das, was hier geschafft worden ist, das ist auf der ganzen Welt möglich." Mit der Installation werde auf kreative Weise der "Verlauf der Trennungslinie wieder sichtbar gemacht, die viele Jüngere und Zugezogene aus eigenem Erleben schon gar nicht mehr kennen". Er betonte zudem, dass die friedliche Revolution vom Herbst 1989 auch das historische Verdienst von Bürgerrechtlern sei und nicht vergessen werden dürfe.

Der frühere Bürgerrechtler Frank Ebert erklärte, die Lichtinstallation solle an die Kerzen erinnern, mit denen damals Ostdeutsche friedlich demonstrierten. Wowereit fügte hinzu, Berlin werde am Jahrestag des Mauerfalls am 9. November auch ein Zeichen für die Zukunft setzen und zeigen, wie sich die Stadt entwickelt habe. Aus einem Ort des Schreckens sei eine weltoffene, tolerante Metropole geworden. Die 155 Kilometer lange Berliner Mauer war mehr als 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung.

In einer begleitenden Open-Air-Ausstellung werden an 100 Stationen - etwa alle 150 Meter - entlang der Lichterkette Tafeln mit Mauergeschichten aufgestellt. Diese beschäftigen sich unter anderem mit dem Alltag mit der Mauer, Fluchten, Mauertoten, Protestaktionen oder dem DDR-Grenzregime. An Orten wie dem Brandenburger Tor oder dem Checkpoint Charlie sind Filmcollagen aus historischem und vielfach noch unbekanntem Filmmaterial aus der Zeit der Mauer zu sehen. Auch Infostände, Führungen und Aussichtstürme sind geplant. Die Idee von der Lichtgrenze aus Leuchtballons stammt von den Brüdern Christopher und Marc Bauder, einem Medienkünstler und einem Filmregisseur.

Lottogesellschaft finanziert Großteil des Projekts

Partner des Projektes sind unter anderem die Robert-Havemann-Gesellschaft, die bereits zum 20-jährigen Jubiläum 2009 auf dem Alexanderplatz eine große Open-Air-Austellung zur friedlichen Revolution konzipierte, und die Lottostiftung Berlin, die einen Großteil des Vorhabens mit 1,9 Millionen Euro trägt. Es seien jedoch "unzählige Teil- und Sachsponsoren" beteiligt, sagte van Dülmen dem rbb. Ein weiterer Partner ist das Unternehmen Facebook, das mit der eigens geschalteten Website fallofthewall25.com das Ereignis in den sozialen Netzwerken verbreiten will.

Am Nachmittag findet der offizielle Festakt des Landes Berlin im Konzerthaus am Gendarmenmarkt statt. Die Festrede hält der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, wie Wowereit ankündigte. Auch Lech Walesa, im kommunistischen Polen Mitgründer der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc, sowie Michail Gorbatschow, früherer Staats- und Parteichef der Sowjetunion und nun russischer Friedensnobelpreisträger, werden erwartet.

Rund um das Brandenburger Tor ist ein Bürgerfest in Regie der Bundesregierung geplant. Zudem beteiligen sich zahlreiche Museen, Theater und Musikstätten an dem Jubiläumsfest. An dem Jubiläumswochenende rechnet die Stadt mit hunderttausenden Besuchern.

Lech Walesa und Michail Gorbatschow erwartet

Die zentrale Gedenkveranstaltung zum Mauerfalljubiläum beginnt am 9. November in der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße. In der Kapelle der Versöhnung auf dem Gelände ist eine Morgenandacht vor geladenem Publikum geplant, darunter Zeitzeugen, Bürgervereine und hochrangige Politiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie wird das umgebaute Dokumentationszentrum der Gedenkstätte eröffnen. Darin beleuchtet eine neue Dauerausstellung die historischen Ursachen und die Folgen der Teilung auf den Alltag der Menschen an der Mauer.

Auch Potsdam und der rbb würdigen das Jubiläum

Nicht nur Berlin, auch Potsdam feiert das Mauerfall-Jubiläum: am 9. November zusammen mit dem Berliner Bezirk Spandau und einen Tag später mit einem Fest auf der Glienicker Brücke.

Auch der rbb widmet sich dem historischen Datum in besonderer Weise: "Wir werden zum Mauerfall 25 Stunden Programm mit Live-Elementen haben", sagte rbb-Programmdirektorin Claudia Nothelle. "Jede Stunde sind wir mit unseren Reportern vor Ort, in etwa entlang des alten Mauerverlaufs, und schauen, wie es da heute aussieht. Wir haben Gesprächspartner und zeigen dazwischen historisches Material."

Mit Informationen von Kirsten Buchmann

Quelle: Youtube