Die Kinderjury der Berlinale 2014 (Quelle: dpa)

20 Jahre Gläserner Bär - Hier entscheiden die Kinogänger der Zukunft

Die Berlinale ist das einzige große Filmfestival der Welt, das sich ein eigenes Kinderprogramm leistet. Am Samstag wird zum 20. Mal der Gläserne Bär für den besten Kinderfilm verliehen. Wer den Preis bekommt, entscheidet die Kinderjury. Von Anke Burmeister

Eine Woche lang heißt es Kino anstatt Schule für elf Berliner Mädchen und Jungen, die in der Kinderjury sitzen: Mit einer Kurzkritik haben sie sich im vergangenen Jahr um den begehrten Job beworben und sich gegen mehr als 1.000 andere Jugendliche durchgesetzt.

Urteilsvermögen und Kino-Leidenschaft sind die besten Voraussetzungen. Jury-Mitglied Lilly geht tatsächlich am liebsten auf der Berlinale ins Kino. "Ich bin total verwöhnt von dieser Berlinale-Atmosphäre und rege mich im normalen Kino immer auf, wenn der Abspann läuft und niemand klatscht und immer alle gleich aufstehen."

60.000 Besucher kommen jedes Jahr in die Festivalreihe "Generation". Das besondere bei den Vorstellungen: Es gibt den Originalton, deutsche Untertitel und für Kinder, die nicht lesen können, werden die Filme live eingesprochen.

Auch im Kinderprogramm kein Mainstream

Die Journalistin und Übersetzerin Marianne Mielke arbeitet seit fast 30 Jahren für das Kinderfilmfest. Sie sitzt hinten im Saal an einem Mikrofon und liest die Filme ein. Mehrfach muss sie sich einen Film vorher anschauen, damit das Timing stimmt. "Ich bin total aufgeregt die ersten fünf Minuten, aber wenn ich dann in den Kinosaal schaue, und die Kinder sind einfach ruhig und sehr entspannt, dann geht es mir wieder gut."

Warum gibt es auf der Berlinale eigentlich keine Kinderfilme, hatte in den 70er Jahren eine Radiojournalistin den damaligen Chef der Berlinale gefragt: 1978 gab es dann das erste Kinderfilmfest. Und auf Anhieb kamen 25.000 Besucher, um die besonderen Filme zu sehen. Der Gläserne Bär wird seit 1994 verliehen.

Maryanne Redpath, Leiterin der Sektion Generation der Internationalen Filmfestspiele Berlin (Quelle: dpa)
Maryanne Redpath ist die Leiterin der Sektion "Generation".

Die Leiterin der Sektion "Generation" ist heute Maryanne Redpath. "Viele Leute haben eine bestimmte Idee, was ein Kinderfilm sein soll: Ein Film, der sich gut benimmt, so wie die Kinder sich gut benehmen sollen, ein Film mit einem Anfang, einer Mitte und meistens einem Happy-End", so Redpath. Aber das seien gar nicht die Filme, die sie zeigten.

Auch das Programm für die Kinder ist also kein Mainstream. Es werden Filme aus Skandinavien, Großbritannien, Japan, der Türkei oder Indien gezeigt, es geht um Einsamkeit, Musik, Sehnsucht und natürlich um Liebe.

Kaum ein Film schafft es in die Kinos

Ins normale Kinoprogramm schaffen es anschließend nur wenige dieser besonderen Filme. Die große Frage sei, so Redpath, wie man solche Filme am besten verkauft, wenn man nicht eindeutig sagen könne, das ist ein Kinder- oder Jugendfilm. "Das ist ein Problem, und das ist schade."

Für die Journalistin Marianne Mielke ist es enttäuschend: "Wenn man sich die Filme der Sektion 'Generationen' anschaut, die also wirklich von vorne bis hinten gut gemacht sind, fragt man sich immer, warum gibt es nicht mehr Geld für Kinderfilme."

Die Jungen und Mädchen aus der Jury leben mit diesem Dilemma und lieben deshalb die Berlinale umso mehr. Und dass sie am Samstag zum 20. Mal den Gläsernen Bären vergeben, nehmen sie mit professioneller Gelassenheit. "Das ist uns schon bewusst, und wir hoffen, dass wir einfach einen guten Film finden, den wir damit auszeichnen können", meint Lilly.

Beitrag von Anke Burmeister

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