Preisträger erhält Duldung - Die Berlinale kämpft für Nazif Mujic
Im vergangenen Jahr gewann Nazif Mujic noch den Silbernen Bären als bester Darsteller. Doch der Preis brachte dem Roma kein Glück, ihm drohte sogar die Abschiebung aus Deutschland. Mit Unterstützung der Berlinale-Leitung erhielt er jetzt zumindest eine so genannte "Winterduldung" – doch wie es danach weiter geht, ist ungewiss.
Am Donnerstagabend war Nazif Mujic Gast der Berlinale-Eröffnungsgala. Es war ein Energieschub für den Mann, der vor einem Jahr als Laien-Schauspieler überraschend den Silbernen Bären als bester Darsteller gewonnen hatte. "Es war großartig, ich ging wie auf Wolken, es war eine große Ehre für mich," schwärmte Mujic.
Und auch im Fall seiner drohenden Abschiebung hat der aus Bosnien stammende Roma ein wenig mehr Zeit gewonnen. Zwar sei sein Asylantrag abgelehnt worden, da gebe es "nichts dran zu drehen und zu rütteln", wie Berlinale-Programmleiter Thomas Haller am Freitag sagte. Die Ausländerbehörde habe Mujic jedoch aus humanitären Gründen eine sogenannte Winterduldung erteilt. Während des sehr strengen Winters in Bosnien seien Mujic und seine drei Kinder noch nicht akut von einer Abschiebung bedroht.

Der Silberne Bär brachte Mujic kein Glück
Die Berlinale-Leitung hatte dem 43-Jährigen zuvor eine auf Asylrecht spezialisierte Anwältin besorgt. Die Juristin versucht nun, die Abschiebung noch zu verhindern und hat eine entsprechende Petition beim Petitionsausschuss des Innensenats eingereicht. Zudem sorge die Berlinale dafür, dass Mujic in Kontakt zur Presse treten könne. Auch künftig werde das Festival "an seiner Seite stehen", sagte Haller. "Er kann sein früheres Leben in Bosnien nicht mehr führen."
Der Gewinn des Silbernen Bären brachte Nazif Mujic kein Glück. Im Wettbewerbsfilm "Eine Episode aus dem Leben eines Metallsammlers" von Regisseur Danis Tanovic spielte er sich selbst. Der Film handelt davon, wie er in Bosnien-Herzegowina mit dem Sammeln und Verkaufen von Schrott seine Familie ernährt. Nach dem Film sei er jedoch weiter verarmt, erzählte Mujic, da Nachbarn, Bekannte und Freunde davon ausgingen, dass er nun berühmt sei. Als Schrottsammler hätten sie ihn nicht mehr mitarbeiten lassen.
Im November 2013 kehrte Mujic zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kindern nach Berlin zurück, um Asyl zu beantragen. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. Mujic bot sogar an, seinen Silbernen Bären zurückzugeben, um im Gegenzug in Deutschland bleiben und arbeiten zu können.
"Würde mich eher aufhängen als zurückzukehren"
Mujic sagte, er habe keine Ahnung, was er tun werde, wenn er nicht in Deutschland bleiben dürfe. Er werde wohl weiter um politische Unterstützung für sein Asylgesuch bitten. Zwar wolle er am liebsten in Berlin bleiben. Er könne sich aber auch vorstellen, notfalls in ein drittes Land zu reisen. Keinesfalls würde er in seine Heimat zurückgehen. "Ich würde mich eher aufhängen als zurückzukehren", betonte er. Der 43-Jährige lebt derzeit mit seiner Frau und drei Kindern in einem Flüchtlingsheim in Berlin-Spandau.
Am 12. Februar wird Nazif Mujic bei einer Veranstaltung des Berliner Vereins südost Europa Kultur seine Situation und sein Anliegen erneut schildern. Am 15. Februar zeigt das Kino Krokodil in Anwesenheit von Mujic den Film "Eine Episode aus dem Leben eines Metallsammlers".



