Die französische Schauspielerin Catherine Deneuve (Quelle: dpa)

Fünfter Tag der Filmfestspiele - Catherine Deneuve stiehlt Bären die Show

Eine französische Filmdiva ließ am fünften Tag der Berlinale das Rennen um den Goldenen Bären etwas in den Hintergrund treten: Catherine Deneuve hat am Dienstag ihren neuen Film vorgestellt, der im "Berlinale Special" läuft. Im Wettbewerb ist derweil mit "Zwischen Welten" der letzte deutsche Bärenanwärter an den Start gegangen. Unterdessen haben die Berlinale-Veranstalter erste Ticket-Verkaufszahlen bekannt gegeben.

Am fünften Berlinale-Tag war eine alte Bekannte zu Gast: Die Grande Dame des französischen Kinos, Catherine Deneuve. Am Montag war sie noch eine der Ehrengastgeberinnen der "Cinema for Peace"-Gala, am Dienstag stellte sie ihren neuen Film "Dans la cour" im Friedrichstadtpalast vor. Die Tragikomödie von Regisseur Pierre Salvadori über die Mieter eines Pariser Hinterhofs läuft außerhalb des Wettbewerbs als Berlinale Special.

Bei der Pressekonferenz zu ihrem neuen Film bezeichnete Deneuve die Berlinale als eine Ehre und eine Anerkennung. "Das ist schon etwas Besonderes", sagte die Filmdiva. Für große Stadterkundungen bleibt ihr aber anscheinend keine Zeit. Wenn sie einen Film vorstelle, bleibe selten mehr als ein halber Tag. "Vielleicht sollte ich mal im Sommer kommen", sagte Deneuve. Das Pergamonmuseum habe sie beeindruckt.

Die meisten Journalisten, die am Dienstag zur Pressekonferenz gekommen waren, dürfte jedoch interessiert haben, ob Deneuve wirklich nicht mehr auf Pressekonferenzen raucht, wie sie Anfang 2013 verkündet hatte. In den Vorjahren hatte sich die Filmdiva nämlich öfters über Rauchverbote von Veranstaltern hinweggesetzt. Abseits davon würde sie aber trotzdem weiter rauchen.

Im vergangenen Jahr war Deneuve noch im Berlinale-Wettbewerb zu sehen - mit dem Film "Elle s'en va" ("Madame empfiehlt sich"), der in dieser Woche in den deutschen Kinos anläuft.

Afghanistan-Drama im Rennen um Goldenen Bären

Filmisch hält der fünfte Wettbewerbstag ganz unterschiedliche Beiträge bereit: Bereits am Nachmittag hat Regisseurin Feo Aladag "Zwischen Welten" bei der Berlinale vorgestellt. Der Film erzählt die Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem Bundeswehrsoldaten in Afghanistan und seinem Übersetzer - ein hochbrisantes Thema, ziehen die deutschen Hilfstruppen doch in diesem Jahr aus dem Land ab. Ihre afghanischen Mitarbeiter bleiben zurück, die von den Taliban als Kollaborateure angesehen werden.

Originalschauplätze als Drehorte

"Es ging mir nie darum, den deutschen Auslandseinsatz in Afghanistan grundsätzlich zu bewerten", so Regisseurin Aladag bei der Pressekonferenz zum Film. "Ich wollte zeigen, was es für den Einzelnen bedeutet." Aladag hat den Film als Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin realisiert. "Wir haben alle Außenaufnahmen direkt in Afghanistan gedreht", so die Regisseurin, die bereits 2008 mit ihrem ersten Film "Die Fremde" für Aufsehen gesorgt hatte. Der neue Film entstand an Originalschauplätzen: In Kunduz und Mazar-i-Sharif sowie an verschiedenen Drehorten in Deutschland - auf Deutsch, Englisch, Dari und Paschtu.

"Zwischen Welten" ist der vierte und letzte deutsche Kandidat im Rennen um die Trophäen. Die Tage zuvor feierten bereits "Jack" von Edward Berger, "Die geliebten Schwestern" von Dominik Graf und "Kreuzweg" von Dietrich Brüggemann ihre Premieren bei der Berlinale.

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte

Der zweite Film an diesem Tag im Wettbewerb wurde mit deutscher Beteiligung produziert: In der brasilianisch-deutschen Koproduktion "Praia do Futuro" ("Strand der Zukunft", 19 Uhr) erzählt der Regisseur Karim Aïnouz von dem jungen Rettungsschwimmer Donato. Als er den deutschen Touristen Konrad (gespielt von Clemens Schick) aus dem Meer rettet, verliebt er sich in ihn und folgt ihm spontan nach Berlin. Sieben Jahre später begibt sich Donatos jüngerer Bruder Ayrton auf die Suche nach ihm.

In seinem neuen Spielfilm folgt der in Berlin lebende brasilianische Regisseur Karim Aïnouz erneut Liebes- und Identitätssuchern, die alles riskieren, um zu sich selbst und zu ihren Gefühlen zu finden.

Gefährliches Doppelleben

Als dritter Wettbewerbsbeitrag ging am Dienstag "To Mikro Psari" (Stratos) ins Rennen um die Berlinale-Bären. Der Grieche Stratos arbeitet nachts als Bäcker und tagsüber als Auftragskiller. Er braucht Geld, um seinen ehemaligen Mithäftling Leonidas aus dem Gefängnis zu befreien - weil der ihm einst das Leben gerettet hat. Nebenbei kümmert sich Stratos um das Nachbarsmädchen Katerina. Doch als er das Geld für den Ausbruch zusammen hat, gerät Katerina in große Gefahr.

Bisher mehr als 260.000 Kinokarten verkauft

Die Berlinale hat zur Halbzeit mehr als 260.000 Tickets verkauft. Der Großteil der Karten wurde über den neuen Service print@home ausgedruckt, wie die Veranstalter am Dienstag mitteilten. "Wir freuen uns über volle Kinosäle und neugierige Besucher, die auch in diesem Jahr wieder voller Begeisterung auf filmische Entdeckungsreise gehen und die Berlinale zu einem ganz besonderen Ereignis machen", sagte Festivaldirektor Dieter Kosslick.

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