Filmstill aus Maximilian Leos "Hüter meines Bruders" (Bild: Berlinale)

Sektion Perspektive - Deutsches Kino sucht seine Themen überall - nur nicht in Deutschland

Die Berlinale hat eine weitere Sektion ihres Festivalprogramms komplett: Zum Auftakt der Reihe "Perspektive Deutsches Kino" steht das Debütwerk des Nachwuchsregisseurs Maximilian Leo auf dem Programm - eine familiäre Spurensuche in Deutschland. Viele andere junge deutsche Regisseure finden ihre Themen, Motive und Drehorte jedoch im Ausland.

Neun abendfüllende Langfilme sowie fünf mittellange Spiel- und Dokumentarfilme zeigt die Berlinale-Sektion "Perspektive Deutsches Kino" in diesem Jahr. Darunter sind nach Angaben der Festivalleitung viele Erstlingswerke: "Wir freuen uns immer sehr, wenn erste Schritte auf dem Parkett der Filmbranche ­– eingebunden in Projekte und Initiativen der Berlinale – ihre Früchte tragen und aufregende Filme entstehen, die hier ihre Premiere erleben", sagte Sektionsleiterin Linda Söffker bei der Präsentation des Programms.

Wie die Festivalleitung am Mittwoch mitteilte, wird der Spielfilm "Hüter meines Bruders" von Regisseur Maximilian Leo die Vorführungen dieser Sektion eröffnen. Der Film erzählt die Geschichte eines jungen Arztes, der sich bei der Suche nach Lebensspuren seines verschwunden Bruders völlig verändert.

Deutsches Kino mit Geschichten im Ausland

Auffällig am Programm dieser Festivalsparte ist nach Einschätzung der Leitung: Viele junge Filmemacher finden ihre Geschichten im Ausland. So seien zwei der Dokumentarfilme des Programms in Kirgisistan gedreht: Der an der Internationalen Filmschule Köln entstandene kurze Film "Bosteri unterm Rad" in der Regie von Levin Hübner erzählt von einem Dorf und seinen Einwohnern in der kirgisischen Steppe, gelegen am Nordufer des zweitgrößten Gebirgssees der Welt namens: Issyk-Kul.

Auf der anderen Seite des Sees, beinahe gegenüber, liegt das kirgisische Dorf Barskoon, in dem Umweltaktivistinnen seit vielen Jahren um Gerechtigkeit für die vielen Opfer eines Giftunfalls durch die kanadische Goldmine Kumtor kämpfen. Regisseurin Mirjam Lenze begleitet in diesem zweiten Perspektive-Film über Kirgistan, ihrem selbst produzierten Kinodebüt "Flowers of Freedom", diese mutigen Frauen bei ihrem zähen Kampf gegen die Goldmine.

Missverstanden in der alten und in der neuen Heimat

Die Regisseure der beiden fiktionalen Hochschulfilme "El carro azul" und "Anderswo" begaben sich bei ihrer Stoff- und Motivsuche ebenfalls raus in die Welt. Um die berührende Geschichte des Wiedersehens zweier Brüder für den 20-minütigen Film "El carro azul" zu erzählen, ist die Regisseurin Valerie Heine nach Kuba gefahren.

Regisseurin Ester Amrami begibt sich in ihrem abendfüllenden Spielfilm "Anderswo" mit der Hauptfigur Noa (Neta Riskin) von Berlin in ihre Heimat Israel und muss die Erfahrung machen, dass es Zeiten gibt, in denen man sich in alter und neuer Heimat gleichermaßen missverstanden fühlen kann. Der Film entstand mit Unterstützung der rbb-Filminitiative LEUCHTSTOFF.

Schauspieler Axel Stein vor einer Filmpremiere in München. (Quelle: dpa)
Axel Stein stellt in der Perspektive seinen Film "Tape_13" vor

Von der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg kommt der 60-minütige Dokumentarfilm "Nebel". Regisseurin Nicole Vögele drehte einen Film, der dem Nebel und der Einsamkeit folgt und sich auf den Wind, die Tiere, den Himmel und auf Stimmungen verlässt. Einen Film, der sich nicht als herkömmlicher Spiel- oder  Dokumentarfilm einordnen lässt, drehten Philip Widmann und sein Co-Regisseur Karsten Krause. Szenario ist das Protokoll einer Liebesaffäre aus dem Jahr 1970 und führt in eine Stadt, die als Sinnbild für die westdeutsche Nachkriegsrepublik stehen mag.

Zwei Midnight Movies vervollständigen das Programm der Perspektive: "Der Samurai" sowie der Horrorfilm "Tape_13".

Alle Filme der "Perspektive Deutsches Kino"

"Amma & Appa" von Franziska Schönenberger (Dokumentarfilm)
"Anderswo" von Ester Amrami
"Bosteri unterm Rad" von Levin Hübner (Dokumentarfilm)
"El carro azul" von Valerie Heine
"Flowers of Freedom" von Mirjam Leuze (Dokumentarfilm)
"Hüter meines Bruders" von Maximilian Leo
"Lamento" von Jöns Jönsson
"Nebel" von Nicole Vögele (Dokumentarfilm)
"Raumfahrer" von Georg Nonnenmacher (Dokumentarfilm)
"Der Samurai "von Till Kleinert
"Szenario" von Philip Widmann und Karsten Krause
"Tape_13" von Axel Stein
"Die Unschuldigen" von Oskar Sulowski
"Zeit der Kannibalen" von Johannes Naber

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