
"Cinema for Peace" auf der Berlinale - Bösewicht Christopher Lee für Friedensengagement gewürdigt
In seinen Filmen verkörperte Christopher Lee meist das Böse. Doch bereits seit Jahrzehnten engagiert sich der Schauspieler für Frieden und Kinderrechte, was bei der diesjährigen "Cinema for Peace"-Gala gewürdigt wurde. Doch nicht nur dieser Ehrenpreis sorgte für Aufmerksamkeit. Die beiden Aktivistinnen der russischen Punkband Pussy Riot, die ebenfalls zu den Gala-Gästen zählten, kündigten vorab an, für das Moskauer Stadtparlament kandidieren zu wollen.
Der notorische Kino-Bösewicht Sir Christopher Lee ist bei der Gala Cinema for Peace für sein jahrzehntelanges Engagement um Frieden und Kinderrechte geehrt worden. Der 91-jährige Brite rief am Montag im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt eindringlich zu Friedensbemühungen in Syrien auf. "Viele von Ihnen zögern, sich mit Herz und Kopf zu engagieren", sagte er.
Oscar-Favorit als "wertvollster Film des Jahres" ausgezeichnet
Als "wertvollster Film des Jahres" wurde im Konzerhaus am Berliner Gendarmenmarkt Steve McQueens Sklavendrama "12 Years A Slave" ausgezeichnet. Der amerikanische Filmemacher konnte wegen eines Oscar-Termins nicht an der Preisvergabe in Berlin teilnehmen, bedankte sich aber in einer Videobotschaft.
Bis heute würden 21 Millionen Menschen als Sklaven gehalten, sagte er. "Die Sklaverei ist nicht abgeschafft, sie ist nur liberalisiert." Sein Film über die Leidensgeschichte eines schwarzen Plantagenarbeiters gehört mit neun Nominierungen zu den Oscar-Favoriten.

Ansonsten war der Abend ganz dem im Dezember 2013 verstorbenen südafrikanischen Freiheitskämpfer Nelson Mandela gewidmet. Die französische Filmdiva Catherine Deneuve sagte am Montagabend: "Er war vielleicht das größte Vorbild für unsere Welt. Er hat uns gelehrt, dass Hautfarbe, Rasse und sexuelle Zugehörigkeit keinen Unterschied machen".
Ehrengastgeber der Gala am Rande der Berlinale waren neben Filmstars wie Catherine Deneuve und Sir Christopher Lee auch Uma Thurman, Ennio Morricone und Ornella Muti. Das Fest ist allerdings nicht offizieller Teil des Berlinale-Programms.
Kurzer Auftritt von Pussy Riot
Die als Gäste angekündigten Frontfrauen der kremlkritischen Punkband Pussy Riot, Nadeschda Tolokonnikowa (24) und Maria Aljochina (25), nutzen die Gala nur für einen kurzen Auftritt. In einem kurzen Statement mahnten die beiden Frauen Freiheit in Russland an.
Die beiden kürzlich aus der Lagerhaft entlassenen Aktivistinnen sorgten bereits tagsüber für Aufsehen. Auf einer Pressekonferenz kündigten sie an, dass sie für das Moskauer Stadtparlament kandidieren wollen. "Das ist einen Versuch wert", sagte Maria Aljochina am Montag in Berlin beim ersten Deutschland-Auftritt der beiden Aktivistinnen, nachdem sie kurz vor Weihnachten nach 20 Monaten Haft freigekommen waren.
Dokumentation über die russiche Punkband
Mitaktivistin Nadeschda Tolokonnikowa äußerte sich ähnlich. Sie schränkte allerdings die politischen Pläne auf ein regionales Engagement ein: Zur Präsidentschaftswahl würden sie nicht antreten, sagte sie.
Die beiden politischen Künstlerinnen waren am Montagabend bei der Präsentation der Dokumentation "Pussy Riot - A Punk Prayer" im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, wo der Film einen Preis erhielt.
Bekenntnis zu Pussy Riot
Bei der Pressekonferenz für die am Abend stattfindende Filmgala kritisierten beide Frauen zuvor die Zustände in russischen Gefängnissen. Die Aktivistinnen berichteten über ihre Organisation Zona Priva, mit der sie sich für die Verbesserung der Haftbedingungen in russischen Gefängnissen einsetzen wollen. Sie forderten, russische Gefängnisse unter internationale Beobachtung zu stellen. Die Misshandlung von Gefangenen müsse unter Strafe gestellt werden, forderte Tolokonnikowa.
Angaben über ihre Trennung von der Aktivistengruppe Pussy Riot dementierten sie. "Wir haben nie Pussy Riot verlassen", sagte Tolokonnikowa. Allerdings könnten sie nun keine Aktionen für die Gruppe mehr machen, denn diese fänden stets anonym statt. "Menschen mit offenen Gesichtern können nicht sagen, dass sie zu Pussy Riot gehören", sagte Alechina. "Unsere Gesichter sind jetzt offen."

Angeblich kein Streit
Über angebliche Pussy-Riot-Mitglieder, denen zufolge die beiden Aktivistinnen nicht mehr zu der Punkband gehören, sagte Tolokonnikowa, sie wisse nicht, wer dies sei. Grundsätzlich könne jeder zu Pussy Riot gehören. Zu den Bandkolleginnen, die vor ihrer Festnahme Mitglieder von Pussy Riot waren, hätten sie weiterhin Kontakt.
Tolokonnikowa, Alechina und ihre Bandkollegin Jekaterina Samuzewitsch hatten im Februar 2012 an einem "Punkgebet" in einer Moskauer Kirche teilgenommen, das sich gegen den heutigen russischen Präsidenten Wladimir Putin richtete. Sie wurden darauf wegen "Rowdytums" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Samuzewitsch kam später auf Bewährung frei, Tolokonnikowa und Alechina profitierten im Dezember von einer Amnestie.






