64. Berlinale eröffnet - Hollywood mischt Berlin auf

Star-Rummel am Potsdamer Platz: Bill Murray war da, Ralph Fiennes und Tilda Swinton auch. Kultregisseur Wes Anderson hatte fast die gesamte Besetzung seines Films "The Grand Budapest Hotel" mitgebracht. Mit der skurrilen Tragikomödie wurde die Berlinale eröffnet. Bis zum 16. Februar sind auf den Internationalen Filmfestspielen 400 Filme aus aller Welt zu sehen.

Mit einer großen Eröffnungs-Gala ist am Donnerstagabend die 64. Berlinale gestartet. Festivaldirektor Dieter Kosslick und der Präsident der diesjährigen Jury, der Produzent James Schamus aus den USA, eröffneten die Filmfestspiele, die Gala moderierte erneut Anke Engelke.

Das Staraufgebot auf dem roten Teppich vor der Gala war dieses Jahr außergewöhlich groß: US-Schauspieler Bill Murray leerte gerade noch sein Glas als er aus der Limousine ausstieg und freute sich dann über die angenehm warmen Temperaturen: "Es fühlt sich fast wie Frühling an." Mit dabei waren weitere Darsteller aus dem Eröffnungsfilm "The Grand Budapest Hotel", darunter Ralph Fiennes, Willem Dafoe und Tilda Swinton.

Auch der deutsche Film war prominent vertreten mit Stars wie Nina Hoss, Tom Tykwer, Iris Berben, Moritz Bleibtreu, Mario Adorf, Ulrich Matthes, Armin Rohde, Katja Riemann, Karoline Herfurth oder Herbert Grönemeyer. Außerdem hatte sich politische Prominenz angekündigt, darunter der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), die Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Thomas de Maiziere (CDU) sowie zahlreiche Botschafter.

Sie alle kamen in den Genuss des Eröffnungsfilms: Wes Andersons Tragikomödie "The Grand Budapest Hotel". Es ist die skurrile, farbengetränkte Geschichte eines Concierge in einem europäischen Luxushotel in den goldenen Zwanzigern.

Vor dem offiziellen Auftakt hatte sich bereits die internationale Jury vorgestellt, die über die diesjährigen Bären-Gewinner entscheidet. Jury-Präsident James Schamus gab sich dabei sehr entspannt und verglich die Arbeit der Jury mit einer Familie. "Die Familie ist ein Raum, wo man mit allen Leuten tiefgehende Meinungsunterschiede austragen und sich dennoch wieder an einen Tisch setzen kann. Was uns zusammenbringt, sind Filme."

Jury-Mitglied Waltz ist noch planlos

Schauspieler Christoph Waltz dagegen gab überraschend offen zu, keinen festen Plan dafür zu haben, wie er seine Arbeit als Mitglied der diesjährigen Berlinale-Jury angehen wird. "Bewertet und bewertet werden sind zwei verschiedene Stiefel, die nicht miteinander verglichen werden können", sagte der 57-jährige Oscar-Preisträger ("Django Unchained"). "Die gehören nicht an dasselbe Paar Füße." Es gebe da keine Prinzipien, nach denen man gehe.

Dabei hat Waltz nicht zum ersten Mal die Rolle des Kritikers inne: Im vergangenen Jahr war er bereits Jurymitglied beim Filmfestival im südfranzösischen Cannes. Auf die Unterschiede zwischen den beiden angesprochen sagte der Schauspieler: "Die Berlinale ist ein Festival, das sich möglicherweise weiter ins Unbekannte hinaus wagt als Cannes. Das Essen, glaube ich, ist in Cannes besser."

George Clooney hat sich auch angekündigt

Die Berlinale ist inzwischen das größte Publikumsfestival der Welt, mehr als 300.000 Besucher werden in diesem Jahr erwartet. Insgesamt werden etwa 400 Filme gezeigt, 20 davon konkurrieren im Wettbewerb um den Goldenen Bären. Mit Spannung erwartet wird George Clooneys außer Konkurrenz laufender Thriller "Monuments Men", der von der Rettung wertvoller Kunstschätze vor den Nazis erzählt.

Gewohnt skandalumwittert ist der Beitrag des dänischen Regisseurs Lars von Trier: Auf der Berlinale zeigt er zum ersten Mal eine unzensierte Fassung von "Nymphomaniac - Volume 1", Charlotte Gainsbourg spielt darin eine Sexsüchtige.

Das deutsche Kino ist in diesem Jahr mit vier Filmen im Wettbewerb vertreten, mehr als in den vergangenen Jahren. Ins Rennen gehen das in Afghanistan gedrehte Drama "Zwischen Welten" von Feo Aladag und Dominik Graf mit "Die geliebten Schwestern". Neben diesen bekannten Namen, werden in diesem Jahr auch wieder junge, noch unbekannte Filmemacher im Wettbewerb vorgestellt: Edward Berger mit seinem Film "Jack" und Dietrich Brüggemann mit "Kreuzweg".

Die Filme von Graf, Berger und Brüggemann sind jeweils ARD-Koproduktionen. Insgesamt sind im Programm der Berlinale in diesem Jahr 50 Filme mit ARD-Beteiligung zu sehen.

rbb auf der Berlinale

Drei im Rahmen der Film-Initiative "Leuchtstoff" (rbb und Medienboard Berlin-Brandenburg) entstandene Produktionen erleben auf der Berlinale ihre Weltpremiere: die Spielfilme "Anderswo" und "Ich will mich nicht künstlich aufregen" sowie der Dokumentarfilm "Anderson" über den Schriftsteller und Stasi-Zuträger Sascha Anderson. Ebenfalls als Weltpremiere zeigt die Berlinale die rbb/arte-Koproduktion "Kathedralen der Kultur". In der dokumentarischen 3-D-Serie über außergewöhnliche Gebäude lässt unter anderen Regisseur Wim Wenders die Berliner Philharmonie über sich selbst erzählen.

Restaurierter Stummfilmklassiker auf der Berlinale

Filmfans können sich zudem noch auf eine besondere Vorstellung freuen: Am 9. Februar wird in der Berliner Philharmonie erstmals die digital restaurierte Fassung von Robert Wienes Meisterwerk "Das Cabinet des Dr. Caligari" aus dem Jahr 1920 gezeigt.

Schaulaufen auf dem roten Teppich

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