
Letzter Wettbewerbstag der Berlinale - Die Schöne aus Paris
Die Berlinale ist für ihr politisches Programm bekannt. Doch am Ende des Filmmarathons wurde es noch einmal märchenhaft: Am Freitag zeigte Christophe Gans seine Neuverfilmung von "Die Schöne und das Biest" mit dem französischen Shootingstar Léa Seydoux. Ins Wettrennen um den Goldenen Bären sind abschließend ein Spielfilmdebüt über einen Flüchtlingsjungen und eine Liebesromanze des japanischen Altmeisters Yoji Yamada gegangen.
Etwas Verträumtes zum Abschluss tut den eifrigen Kinogängern gut, mögen die Programmplaner gedacht haben, als sie für den letzten Wettbewerbstag am Freitag "Die Schöne und das Biest" (19 Uhr) von Christophe Gans eingetaktet haben. Der Film feiert auf der Berlinale Weltpremiere - läuft im Wettbewerb allerdings außer Konkurrenz.
Der Stoff um eine unschuldige Kaufmannstochter und ein Ungeheuer mit harten Herz wurde bereits sieben Mal für die Kinoleinwand verfilmt. Der Franzose Gans hat das Märchen nun in einen Fantasyfilm mit rauschenden Bildern verwandelt. In den Hauptrollen: André Dussollier als Kaufmann, Léa Seydoux als die anmutige Belle und Vincent Cassel als bedrohliches Ungeheuer. Gedreht wurde "Die Schöne und das Biest" übrigens in den Babelsberger Filmstudios.
Die Pariserin Seydoux ist im Moment eine der gefragtesten Nachwuchsschauspielerinnen: Im vergangenen Jahr wurde sie bei den Filmfestspielen in Cannes für die Hauptrolle im Drama "Blau ist eine warme Farbe" als beste Darstellerin ausgezeichnet. Zuvor spielte sie eine coole Auftragsmörderin im vierten Teil der "Mission Impossible"-Actionreihe mit Tom Cruise. "Die Schöne und das Biest" ist nicht Seydouxs einziger Grund für ihren Berlinale-Besuch: Sie spazierte schon zur Eröffnungsgala über den roten Teppich - Léa Seydoux spielt auch in Wes Andersons "Grand Budapest Hotel" mit.

Wieder ein Kinderschicksal im Mittelpunkt
Vor der Schönen aus Paris ging der vorletzte Wettbewerbsfilm ins Rennen: Die iranischstämmige Regisseurin Sudabeh Mortezai präsentierte ihr Spielfilmdebüt "Macondo". Wie auch in den Wettbewerbsbeiträgen "Jack", "Boyhood", "Kreuzweg" und "La tercera orilla" steht hier ein Kind im Mittelpunkt.
Der elfjährige Junge Ramasan aus Tschetschenien lebt mit seiner Familie in einer Flüchtlingssiedlung am Rande Wiens. Für sein junges Alter hat er viel zu bewältigen: die frühe Verantwortung für die Familie, den rauen Alltag in der Siedlung und das übermächtige Kriegshelden-Bild seines toten Vaters. Als ein neuer Mann ins Leben der Familie tritt, gerät Ramasan in einen emotionalen Konflikt. Die österreichische Produktion feierte auf der Berlinale Weltpremiere.
Zum Abschluss des Wettbewerbs gab sich ein japanischer Altmeister die Ehre: Yoji Yamada arbeitet bereits über 50 Jahre als Filmemacher, nun präsentierte er sein erstes Liebesdrama. "Das kleine Haus" (22 Uhr) erzählt von einer Romanze in Tokio vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Das Hausmädchen Taki arbeitet bei einer jungen Familie. Als sich die Hausherrin in einen Kollegen ihres Mannes verliebt, gerät Taki in einen moralischen Konflikt - und muss eine herzzerreissende Entscheidung treffen. Regisseur Yamada war auf der Berlinale bereits mehrere Male mit Filmen vertreten.

Der beste schwul-lesbische Film wird gekürt
Der Goldene und die Silbernen Bären werden erst am Samstag verliehen, aber erste Trophäen gab es bereits am Freitag: Am Abend wurden "Teddys" für die besten schwul-lesbischen Filme überreicht. Der Spezial-Preis für eine künstlerische Lebensleistung ging dieses Jahr an Rosa von Praunheim und Elfi Mikesch - zwei Filmemacher, die mit ihren Werken das "Queer Cinema" auf einzigartige Weise geprägt hätten, wie die Veranstalter vorab erklärten. Ausnahmeregisseur Rosa von Praunheim hatte bereits im vergangenen Jahr auf der Berlinale einen Preis für sein Lebenswerk bekommen.





