European Film Market - Die Berlinale als Film-Markt
Schlange stehen, Promis gucken und vorallem die möglichst besten aus 400 Berlinale-Filmen sehen - das ist eine Seite der Berlanale. Knallhartes Filmgeschäft ist die andere. Diese spielt sich bei der Berlinale vor allem im Martin Gropiusbau ab, auf dem European Film Market, kurz EFM. Susanne Bruha hat zwei jungen Berliner Produzenten beim Geschäftemachen zugeschaut.
Im Martin Gropius-Bau summt es wie in einem Bienenstock, die Luft ist dick und warm wie auf Messen so üblich, der große Mittelsaal im Erdgeschoss ist vollgepfropft mit Café- und Messeständen. Von der Empore hängen Banner unterschiedlicher Filmvertriebe. Auf den ersten Blick zuviel für Auge, Ohr und Kopf.
Jakob Weydemann behält in dem Gewusel den Überblick. Er ist die eine Hälfte der Weydemann Brothers. Vor sechs Jahren hat er mit seinem Bruder Jonas eine Produktionsfirma in Kreuzberg gegründet. Seitdem ist der EFM der Berlinale der wichtigeste Termin in ihrem Jahrekalender.
Die Weydemann Brüder haben es dieses Jahr zum ersten Mal ins Berlinale-Forum-Programm geschafft. Ihr Film "Los Ángeles" hat am 14. Februar Premiere. Ein Film, gedreht in Mexiko, über den Traum junger Mexikaner von einem Leben in den USA. Die Vertriebsfirma Picture Tree International hat sich die Rechte an "Los Ángeles" gesichert und versucht den Film jetzt hier weltweit zu verkaufen.
"Das Wichtigste ist immer die Geschichte"
Im Viertelstunden-Rhytmus sind die Termine getaktet und bei jedem gehts um die Wurst. Für Jakobs Premiere haben die Vertriebler keine Zeit. Der wirkt jetzt ein bisschen eingeschüchtert, aber auch er hat auf diesem EFM noch anderes zu tun: "Ich bin ja auch hier, um Produzenten aus anderen Ländern zu treffen, um gemeinsam Co-Produktionen zu machen."
Jakob hat Film-Regie studiert, sein Bruder Produktion. Mit Kurzfilmen haben sie 2008 angefangen, 2010 kam der erste Langfilm: "Wir suchen junge Regisseure, Produzenten und auch Drehbücher - das Wichtigste ist ja immer die Geschichte - und wenn uns was packt, dann versuchen wir den Regisseur zu überzeugen, dass wir die besten Produzenten dafür wären, und dann geht man los und sucht das Geld."
Jetzt muss Jakob aber erstmal zur Premiere, allerdings: auf dem EFM kommt er nicht weit - ohne jemanden zu treffen.

Eine Generation ohne Konkurrenzdenken
Fünf Stunden später ist alles schon wieder vorbei. Es ist 00:00 Uhr. Jakob Weydemann steht vor einem Club am Kreuzberger Spreewaldplatz in der Schlange mit etwa 50 anderen - um zu seiner eigenen Premierenparty zu kommen: und die Premiere? "Die war supergut. Es waren viele da, die Fragen gestellt haben, keiner ist rausgelaufen, es war ausverkauft."
Im Club ist die Hölle los, das "Basement" ist ein sehr langer, aber ziemlich schmaler Kellerraum, die Leute stehen dicht an dicht. Zur Bar kommt man nur mit viel engem Körperkontakt. Aber die Getränke sind umsonst. Mitten im Getümmel Jamila Wenske. Auch sie ist Produzentin aus Kreuzberg, kommt gerade schon von einer Berlinaleparty und macht hier weiter, womit sie dort aufgehört hat - mit Gin Tonic. Jakob und sie kennen sich schon lange, Konkurrenzkampf gibt es offenbar keinen: "Wir kommen ja aus einer Generation von Filmemachern, wo man dem anderen jeden Erfolg der Welt gönnt."
Kreise schließen
11:00 Uhr nächster Morgen. Sol Bondy, der Partner von Jamila von One Two Films, dunkelblonde Haare, Bart, schwarze Hipster-Brille sitzt an einem kleinen Bistrotisch am Stand von German Films mit einem israelischen Geschäftspartner zusammen.
Aitan und Sol kennen sich von einem anderen Filmfestival. Sie planen gerade ihr erstes gemeinsames Projekt: "Wir machen hier nichts, was nicht auch irgendwo anders ginge. Aber hier kann man so fix Kreise verknüpfen und schließen, wie nirgendwo sonst. Wir sitzen und besprechen uns, dann stehen wir auf und Sol stellt mich diesem Geschäftspartner direkt vor!"
Heute scheint sich der Kreis schnell zu schließen. Sol kriegt einen Anruf von einem Postproduktions-Mann, der ist interessiert.
An Tag vier haben Sol und Jamila ihren wichtigsten Termin auf dem diesjährigen EFM. Mit dem EFM-Shuttle-Bus fahren die beiden vom Gropius-Bau zum Cinemaxx am Potsdamer Platz. Dort läuft gleich in Saal 13 exklusiv für Einkäufer ihr Film "Die Frau hinter der Wand" mit Katahrina Heyer. Hier und heute entscheidet sich, ob und wo der Film ins Kino kommt.
Zwölf Leute sitzen zum Filmstart im Saal, als auch nach fünf Minuten alle noch da sind, beginnt Jamila sich zu entspannen. Von der Sitzvorderkante lehnt sie sich zurück in den Kinosessel.
Neue Einkäufer kommen rein. Erst nach 20 Minuten verlässt der erste das Kino. Ein gutes Zeichen.






