Der britische Schauspieler Christian Bale und seine Frau Sibi Blazic (Quelle: dpa)

Das war der erste Tag der Berlinale - Die Siebziger in voller Haarpracht

Aufwändige Fönfrisuren, Goldkettchen und Schlaghosen bestimmten den Abend des ersten Wettbewerbstages der Berlinale: US-Regisseur David O. Russell präsentierte seine Gangsterkomödie "American Hustle" - mit Christian Bale als schmierigen Trickbetrüger. Für drei Wettbewerbsfilme ist außerdem das Rennen um die Bären gestartet. Dabei ging es deutlich ernster zu.

Es ist eine Siebziger-Jahre-Räuberpistole voller Schlaghosen und Samtanzüge: Die Gangsterkomödie "American Hustle" von David O. Russell war am Freitag auf der Berlinale mit Spannung erwartet worden. Christian Bale spielt darin Irving Rosenfeld, einen schmierigen, übergewichtigen Trickbetrüger in New York Ende der siebziger Jahre, der vom FBI erwischt wird. Nun soll er den Lockvogel spielen, um korrupte Politiker zu überführen.

Bemerkenswert sind in dem Film auch die Frisuren: Männer mit Dauerwelle oder aufwändigem Toupet: "Schön und schrecklich zugleich!", sagte Christian Bale über den Haartick seines Protagonisten Rosenfeld.

Der Film hat bereits zehn Oscarnominierungen erhalten und lief am Freitagabend als Berlinale Special.

US-Schauspieler Forest Whitaker (Quelle: dpa)
Er hat schon einen Oscar: Forest Whitaker

Forest Whitaker in einem Neo-Noir-Krimi

Zuvor war Oscar-Preisträger Forst Whitaker ("Der letzte König von Schottland") in einem Neo-Noir-Krimi in der Wüste New Mexicos zu sehen: "La voie de l'ennemi" ist der
Wettbewerbsbeitrag des französischen Regisseurs Rachid Bouchareb. Angesprochen auf eine mögliche Auszeichnung bei der Berlinale zeigte sich Whitaker gelassen. "Die Arbeit ist das Entscheidende. Preise? Warten wir's ab und freuen uns dann, über die, die am Ende ausgezeichnet werden", sagte Whitaker.

In dem Streifen spielt er einen Polizistenmörder, der nach 19 Jahren Gefängnis wieder in die Freiheit kommt und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Doch die Vergangenheit holt ihn ein.

Erster deutscher Film im Wettbewerb

Eröffnet hatte den Wettbewerb einer von insgesamt vier deutschen Anwärtern auf die Bären: Regisseur Edward Berger erzählt in "Jack" die Geschichte eines vernachlässigten Jungen, der zusammen mit seinem kleinen Bruder durch Berlin zieht.

"Vor vier Jahren habe ich mit meinem Sohn an einem Sonntagnachmittag Fußball gespielt. Da ging ein kleiner Junge mit Ranzen auf dem Rücken forsch und selbstbewusst vorbei und mein Sohn grüßte ihn", so Regisseur Berger im Interview mit der dpa. "Er erzählte mir dann, dass der Junge Jack heißt, in die gleiche Klasse geht, in der Woche im Heim lebt und am Wochenende häufig seine Mutter besucht."

Schauspieler Georg Arms (l-r), Schauspielerin Luise Heyer, Schauspieler Ivo Pietzcker, Drehbuchautorin Nele Mueller-Stöfen und Regisseur Edward Berger (Quelle: dpa)
Die versammelte Crew von "Jack"

"Ich konnte den Jungen nicht vergessen. Sein Stolz, die Kraft, mit der er voranschritt, haben mich schwer beeindruckt. Diese Erinnerung steckt im Kern der Geschichte, die wir erzählen: eine Geschichte vom Glauben an das Leben, daran, dass die Zukunft ein gutes Versprechen ist", so der Regisseur.

Kinder wie Jack könne man überall treffen, in jeder Fußgängerzone, auf jeder Einkaufsmeile, so Berger. Sein Film, der eine ARD-Koproduktion ist, greift damit ein Thema auf, das auf der diesjährigen Berlinale immer wieder eine Rolle spielen wird: Die Probleme und Sehnsüchte von Heranwachsenden.

Außerdem ging Regisseur Yann Demange mit seinem Spielfilmdebüt "'71" ins Rennen um den Goldenen Bären. Der Antikriegsfilm handelt von einem jungen britischen Soldaten, der 1971 im Nordirland-Konflikt zwischen die Fronten gerät. Als er von seinen Kameraden getrennt wird, muss er eine Nacht im Gebiet seines Feindes allein überstehen. Premiere war um 22 Uhr.

Wowereit am Sonntag auf der Berlinale

Der Regierende Bürgermeister Berlins war dieses Jahr bei der Eröffnungsgala nicht dabei, doch nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub lädt Klaus Wowereit (SPD) am Sonntag die Wettbewerbs-Jury zum traditionellen Mittagessen ein. Dies sei Ausdruck des Dankes und der Wertschätzung der Filmmetropole Berlin für die Arbeit der Bären-Juroren, heißt es in einer Erklärung.

Seinen angekündigten Besuch in der Weltpremiere von Lars von Triers "Nymphomaniac Volume I" am Sonntagabend sagte Wowereit dagegen ab. Der SPD-Politiker steht derzeit politisch unter Druck, nachdem bekannt geworden war, dass er davon wusste, dass sein Kulturstaatssekretär Schmitz Steuern hinterzogen hatte.

Toni Revolor, Tilda Swinton, Jeff Goldblum Willem Dafoe © snapshot-photography
Toni Revolor, Tilda Swinton, Jeff Goldblum Willem Dafoe © snapshot-photography

Gedrängel auf der Auslegware

Am Donnerstag war die Berlinale mit einer Eröffnungsgala glamourös gestartet. Wes Anderson fuhr zur Weltpremiere seines Wettbewerbsfilms "The Grand Budapest Hotel" dessen komplettes Starensemble auf: Neben Bill Murray und Edward Norton spazierten auch Tilda Swinton, Ralph Fiennes und Willem Dafoe über den roten Teppich. Soviel Mühe wurde belohnt: Die meisten Kritiker waren von der skurrilen, farbengetränkten Geschichte über den Concierge eines Luxushotels in den Zwanzigern begeistert.

Auch die deutschen Stars drängelten sich auf der dekorativen Auslegware: Unter anderem besuchten Nina Hoss, Tom Tykwer, Iris Berben, Moritz Bleibtreu, Mario Adorf, Ulrich Matthes, Armin Rohde, Katja Riemann, Karoline Herfurth oder Herbert Grönemeyer die Eröffnungsgala am Potsdamer Platz.

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Goldkettchen, Schlaghosen und kriminelle Fönfrisuren: David O. Russells lässige Gangsterkomödie "American Hustle" ist einer der Favoriten auf die diesjährigen Oscars. Christian Bale spielt einen schmierigen, übergewichtigen Trickbetrüger in New York Ende der siebziger Jahre, Amy Adams seine Komplizin und Geliebte. Als sie ein FBI-Agent bei einem Betrug erwischt, zwingt er sie, für ihn zu arbeiten.

Berlinale 2014: Filmstill "Jack" mit Ivo Pietzcker (Quelle: berlinale.de/Copyright: Jens Harant)

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