
George Clooney im Interview - "Es gibt hier einfach eine große Filmhistorie"
Die einen kreischen, die anderen sind schon fast genervt: George Clooney macht Berlin zum "G-Spot". Am Samstag stellte der Filmemacher und Schauspieler seinen neuen Film "Monuments Men" auf der Berlinale vor. Im Interview mit Alexander Soyez spricht Clooney über seine Liebe zur Berlinale, sein Verhältnis zu Kunst und - natürlich- die "Monuments Men".
Dass Sie der große Stargast auf der Berlinale sind, daran hat Dieter Kosslick seit Wochen keinen Zweifel gelassen – aber was bedeutet Ihnen selbst das Filmfest?
George Clooney: Meine erste Regiearbeit "Confessions of a Dangerous Mind" habe ich hier vorgestellt. Ich liebe dieses Festival - aus vielen, vielen verschiedenen Gründen. Dass Dieter ein guter Freund ist, wäre zum Beispiel ein Grund. Aber in diesem Fall war es sowieso klar, dass wir mit diesem Film hierher kommen wollen. Wir haben den Film in Babelsberg gedreht – eines der ältesten Filmstudios der Welt. Es gibt hier einfach eine große Filmhistorie, die man auch auf der Berlinale spürt. Man merkt, dass es ein Festival ist, das Filmemacher und Filme mag und nicht, wie bei manchen anderen Veranstaltungen, nur die Show. Hier fühlt es sich nicht an, als ob es darum ginge, was man gerade anhat, oder wo man Essen geht, sondern um die Filme. Das genieße ich sehr.
So ganz zu stimmen scheint das aber nicht - bei all der Hysterie um ihren Berlinalebesuch.
Ja, dass denke ich auch manchmal, wenn ich nachts das Restaurant verlassen will und mal wieder nicht durchkomme.
Bei "Confessions of a Dangerous Mind" wollten erst einige nicht wahrhaben, dass der Starschauspieler auch Regie führen kann…
Stimmt. Ich kann mich noch daran erinnern. In irgendeiner Kritik stand, dass wohl Steven Soderbergh heimlich Regie geführt und ich nur wie ein Assistent neben ihm gestanden hätte. Ich habe einem dieser Kritiker sogar geschrieben und ihm gesagt, er könne gerne die Qualität des Films beurteilen. Dazu habe er alles Recht, aber nicht, meine Integrität als Filmemacher anzuzweifeln. Und am Ende des Briefes habe ich unterzeichnet mit "geschrieben mit eigener Hand von George Clooney."
Wie wichtig ist es Ihnen, Regie zu führen?
Der Unterschied zwischen einem Schauspieler und einem Regisseur ist wie der Unterschied zwischen Farbe und Maler. So einfach ist das. Das Spielen ist ein Teil unter vielen, wenn es ums Filmemachen geht. Ein wichtiger Teil, aber das gleiche gilt auch für Kamera, Ton oder Setdesign. Als Regisseur ist man für all diese Dinge mitverantwortlich. Es ist unendlich viel kreativer. Man kriegt Lob, wenn es gut läuft, und die Buhrufe, wenn es nicht funktioniert. Ich finde es in jedem Fall sehr viel spannender.
Außerdem weiß ich doch, wie es bei Stars mit der Karriere läuft. Meine Tante Rosemary war eine berühmte Sängerin und dann auf einmal nicht mehr, obwohl sie noch genauso gut gesungen hat wie vorher. Es gibt keinen Schauspieler, der mit 70 noch genauso heiß und angesagt ist, wie mit 30. Ich will lieber ein bisschen mehr eigene Kontrolle über meine Karriere haben und mir keine Sorgen darüber machen, was ein Produzent oder Castingdirector über mich denkt, wenn ich 70 bin.

Nach Ihrem ersten Film wurde Ihre Handschrift als Regisseur und Produzent deutlich politischer.
Ich habe mir immer schon Gedanken über Politik gemacht. Meine Eltern haben mir das mitgegeben. Ich bin ja kein Politiker und kann keine Gesetze machen, aber ich kann auf Missstände hinweisen oder gute Ansätze unterstützen. Ein Grund für mein verstärktes Engagement war sicherlich, als wir 2003 nach Irak einmarschierten. Ich habe für meine Kritik dagegen auch heftigen Gegenwind bekommen. Es war eine spannende Zeit und die Berlinale spielte auch da eine Rolle.
Ich war in London und etwa eine Million Menschen demonstrierten gegen die Entscheidung ihrer Regierung, mit in den Krieg zu ziehen. Dann bin ich zum Festival geflogen und landete hier, wo auch eine Million Menschen auf den Straßen waren und ihre Regierung dafür unterstützten, dass sie sich gegen den Krieg entschieden hat. Es war ein gutes Gefühl, ein Land zu sehen, das sich so klar gegen diesen Unsinn positionierte. Es war toll, das hier vor Ort erlebt zu haben.
Das war die Zeit als die NSA damit begann, Gerhard Schröder abzuhören…
Ja. Und ich bin mir sicher, sie haben mich auch abgehört. Bob Baer, dieser CIA-Mann, auf dem mein Part in "Syriana" basiert, war irgendwann mal zu Besuch bei mir in Como. Mein Computer war aufgeklappt und oben ist ja diese kleine Kamera... jedenfalls sieht er das und klebt auf einmal einen Post-it auf die Kamera. Ich dachte, er ist einfach nur paranoid, aber dann fragte er mich, ob ich mich an die Aufnahmen erinnere, die Nixon von John Lennon hatte und ob ich wirklich denke, dass das heute anders laufen würde. Also habe ich jetzt immer einen Kleber auf meiner Chat-Kamera.
Im Vergleich zu Regiearbeiten wie "Good Night, and Good Luck" oder "Die Iden des März" wirkt "Monuments Men" aber ziemlich unpolitisch - für einen Film, der im Zweiten Weltkrieg spielt.
Mein Drehbuch- und Produktionspartner Grant Heslov und ich haben das von vorneherein so angelegt. Wir hatten die "Iden des März" beendet und waren gerade mittendrin bei "Argo". Irgendwann saßen wir in unserem Büro auf dem Boden beim Essen und ich habe gesagt, ok, wir machen hier ziemlich zynische Filme, obwohl wir selbst eigentlich absolut unzynisch sind. Wir haben eine gute Zeit, wir mögen die Welt. Wir sollten also unbedingt mal etwas machen, dass einfach auch Spaß für uns ist. Grant hatte gerade dieses Buch über die Geschichte der "Monuments Men" gelesen und als wir uns näher damit beschäftigten war uns sofort klar, dass wir das in der Tradition von "Stoßtruppe Gold", "Gesprengte Ketten" oder "Die Kanonen von Navarone" angehen.
Im Zentrum steht der Wert der Kunst – die Geschichte einer amerikanischen Sondereinheit, die zum Ende des zweiten Weltkriegs versucht, Kunstschätze vor der Vernichtung zu retten. Kennen Sie sich eigentlich mit Kunst aus?
Nein. Nicht wirklich. Aber hier in Berlin habe ich ein bisschen mehr darüber gelernt. Diese Stadt ist wirklich einer der besten Plätze, um sich mit Kunst auseinanderzusetzen. Kunst war aber nie wirklich mein Ding. Ich habe schon Bilder zu Hause, aber irgendwann hat mich einer meiner besten Kumpel beiseite genommen und mir gesagt, dass ich mal einen erwachsenen Dekorateur in mein Haus lassen soll, damit es endlich mal so aussieht als würde ein Erwachsener drin wohnen.
Jedenfalls kam dieser Innenarchitekt zu mir und hat erstmal alle Bilder abgenommen, weil er sie schrecklich fand. Aber das eine Bild habe ich bei meinem ersten Parisbesuch gekauft. Das andere wurde mir von meiner Tante geschenkt. Naja. Jedenfalls hängen die Bilder jetzt wieder an der Wand. Die Bilder, die ich in meinem Haus habe sind für mich unbezahlbar. Aber ich glaube, die meisten Kunstsammler würden mir da kaum zustimmen.






