
Wettbewerbsprogramm komplett - Vier deutsche Filme gehen ins Rennen um die Bären
Zwei Jungen suchen ihre verschwundenen Mutter, ein Soldat schließt Freundschaft mit seinem afghanischen Übersetzer, eine Jugendliche wächst in einem streng katholischen Umfeld auf - und Friedrich Schiller gerät in ein Liebesdreieck mit zwei Schwestern. Das sind die Themen der vier deutschen Filme im diesjährigen Berlinale-Wettbewerb. Insgesamt treten 20 Beiträge aus aller Welt gegeneinander an.
Das Wettbewerbsprogramm der Berlinale ist komplett. 20 Filme konkurrieren in diesem Jahr um den Goldenen Bären, drei weitere Filme laufen außer Konkurrenz, wie die Internationalen Filmfestspiele Berlin Mitte Januar mitteilten.

Unter den 20 Filmen sind auch vier deutsche Produktionen - drei mehr als im vergangenen Jahr. Die Regisseurin Feo Aldag ist mit dem Drama "Zwischen Welten" dabei, Edward Berger ("Frau2 sucht HappyEnd") geht mit "Jack" an den Start und Dietrich Brüggemann ("Drei Zimmer/Küche/Bad") mit "Kreuzweg". Der vierte deutsche Beitrag, Dominik Grafs "Die geliebten Schwestern", hatte bereits festgestanden. Die Filme von Berger, Brüggemann und Graf sind jeweils ARD-Koproduktionen.
Schiller, Afghanistan, Katholizismus und eine verschwundene Mutter
In Grafs historischem Liebesdrama um den Dichter Friedrich Schiller spielen Hannah Herzsprung, Florian Stetter und Henriette Confurius. "Zwischen Welten" behandelt die Freundschaft eines deutschen Soldaten (Ronald Zehrfeld) und seines afghanischen Übersetzers (Mohamad Mohsen). "Kreuzweg" erzählt die Geschichte einer 14-Jährigen aus streng katholischem Elternhaus. Noch jünger ist die Hauptfigur in "Jack": In Edward Bergers Film machen sich ein Zehnjähriger und sein sechsjähriger Bruder auf die Suche nach ihrer plötzlich verschwundenen Mutter.

Zu den 20 Wettbewerbsbeiträgen zählen zudem Filme aus Ländern wie Argentinien, Japan, Brasilien, Großbritannien, Frankreich, Norwegen, Österreich, Zypern, China und den USA. Auf dem roten Teppich werden auch dieses Mal Stars aus aller Welt stehen, darunter voraussichtlich Harvey Keitel, George Clooney, Ralph Fiennes, Forest Whitaker, Matt Damon, Ethan Hawke, Patricia Arquette, Bruno Ganz und Léa Sedoux. 18 Weltpremieren und drei Spielfilmdebüts gibt es im offiziellen Wettbewerbsprogramm.
Linklater kommt zum zweiten Mal in Folge nach Berlin
US-Regisseur Richard Linklater kommt mit seinem neuen Film "Boyhood" nach Berlin, in dem die Hollywoodschauspieler Patricia Arquette und Ethan Hawke zu sehen sind. Linklater und Hawke waren bereits im vergangenen Jahr auf der Berlinale zu Gast: "Before Midnight" lief im Wettbewerb außer Konkurrenz.
Als weiterer amerikanischer Wettbewerbsbeitrag stand bereits Wes Andersons "The Grand Budapest Hotel" fest, der als Eröffnungsfilm gezeigt wird. Ebenso war bereits bekannt, dass George Clooney seinen neuen Film "The Monuments Men" außer Konkurrenz zeigt.

Der französische Altmeister Alain Resnais (91) ist mit "Aimer, boire et chanter" (Lieben, Trinken und Singen) mit Sabine Azéma, Sandrine Kiberlain und André Dussollier im Wettbewerb vertreten. Aus Frankreich kommt außerdem "La voie de l'ennemi" (Die Stimme des Feindes) von Rachid Bouchareb ("London River") mit Darstellern wie Forest Whitaker, Harvey Keitel und Brenda Blethyn. Für "La belle et la bête" (Die Schöne und das Biest/außer Konkurrenz) des Franzosen Christophe Gans ("Der Pakt der Wölfe") standen Vincent Cassel, Léa Seydoux und André Dussollier vor der Kamera.
Drei Filme aus China im Wettbewerb
Gleich drei Mal ist auch China im offiziellen Wettbewerbsprogramm dabei: Yinan Diao kommt mit "Bai Ri Yan Huo" (Black Coal, Thin Ice) nach Berlin. Weitere chinesische Beiträge sind "Tui Na" (Blind Massage) von Ye Lou und "Wu Ren Qu" (No Man's Land) von Hao Ning. "Kraftidioten" heißt der Wettbewerbsfilm des Norwegers Hans Petter Moland. Darin ist Bruno Ganz an der Seite von Stellan Skarsgardund Birgitte Hjort Sørensen ("Borgen - Gefährliche Seilschaften") zu sehen.
Die peruanische Regisseurin Claudia Llosa - mit "Eine Perle Ewigkeit" Gewinnerin des Goldenen Bären im Jahr 2009 - ist mit "Aloft" vertreten. Darin spielen unter anderem Jennifer Connelly, Cillian Murphy und Mélanie Laurent. Aus Großbritannien kommt das
Nordirland-Drama "'71" von Yann Demange. Der zyprische Filmemacher Yannis Economides ist mit "Stratos" im Rennen.

Seine Weltpremiere feiert auf der Berlinale die österreichische Produktion "Macondo" von Sudabeh Mortezai, die bereits mit ihren Dokumentarfilmen "Im Bazar der Geschlechter" und "Children of the Prophet" für Aufsehen gesorgt hatte. Zwei Mal präsentiert sich der argentinische Film i der Konkurrenz um den Goldenen und die Silbernen Bären: Celina Murga zeigt "La tercera orilla" (Das dritte Ufer), Benjamin Naishtat kommt mit seinem Spielfilmdebüt "Historia del miedo" (Geschichte der Angst).
Im Wettbewerb sind außerdem vertreten: "Chiisai Ouchi" (The Little House) von Yoji Yamada aus Japan und "Praia do Futuro" (Strand der Zukunft) von Karim Ainouz aus Brasilien, in dem unter anderem der Deutsche Clemens Schick eine Rolle hat.
Mehr deutsche Beiträge als in den beiden vergangenen Jahren
Im vergangenen Jahr hatte es nur ein Film eines deutschen Regisseurs in den Wettbewerb geschafft: Thomas Arslan schickte seinen Western "Gold" mit Nina Hoss ins Rennen. Der Film ging allerdings leer aus.
2012 war dagegen aus Sicht der deutschen Filmindustrie ein besseres Berlinale-Jahr: Christian Petzold wurde für "Barbara", wiederum mit Nina Hoss, mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Im Wettbewerb waren damals mit Hans Christian Schmid ("Was bleibt") und Matthias Glasner ("Gnade") zwei weitere deutsche Regisseure vertreten.


